Der „Kramerwirt“ ist ein lebendiger Mittelpunkt des Arzbacher Dorflebens. Daher herrscht Erleichterung, dass es nach dem Abschied der Wirts-Familie Raphelt im Januar keinen erneuten Leerstand gibt. Die Berchtesgadenerin Michaela Kurz und ihr Partner Hans-Dieter Kremkow bereiten die Wiedereröffnung am Freitag vor.
Arzbach – Für großes Bedauern hatte in Arzbach der Abschied der Wirtsleute Evi und Michael Raphelt gesorgt. Wie berichtet muss Michael Raphelt aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer zu treten, sodass sich das Paar nun ganz auf ihr Café Love in Bad Tölz konzentriert. Im „Kramerwirt“ geht der Betrieb nun nahezu nahtlos mit neuen Wirten weiter. Nach einem ersten Warmlaufen bei der „KKK“-Veranstaltung mit Jo Strauss am Sonntag eröffnet die neue Pächterin Michaela Kurz das Gasthaus gemeinsam mit ihrem Partner Hans-Dieter Kremkow am kommenden Freitag wieder. Das Paar verspricht: „Der ,Kramerwirt‘ ist und bleibt eine Dorfwirtschaft.“
Die Suche nach Wirten gestaltet sich oft schwierig – insbesondere wenn man, wie „Kramerwirt“-Eigentümer Kilian Willibald, Wert auf deutschsprachige Gastronomen legt, die das Traditionsgasthaus auf gut Bairisch weiterführen. Die hat er nun in der 51-jährigen Berchtesgadenerin Michaela Kurz und dem in Clausthal im Harz geborenen Hans-Dieter Kremkow (52) gefunden.
Auf das Objekt seien sie über eine Anzeige im Internet gestoßen, berichtet die neue Arzbacher Wirtin. „Der ,Kramerwirt‘ war mir von Anfang an sehr sympathisch“, sagt sie und kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: „Es ist eine gut eingeführte Wirtschaft. Der schöne Saal ist der Hammer.“ Kilian Willibald sei ein Hausbesitzer, der alles hervorragend in Schuss halte und darauf bedacht sei, dass bei der Haustechnik alles passt. „Und alle Leute, die wir bis jetzt hier kennengelernt haben, sind super nett.“
Das Stammpersonal bleibt dem „Kramerwirt“ in Arzbach treu
In gewisser Weise vergleichbar sei die Arzbacher Wirtschaft mit einem Lokal, das das Paar früher in Herrsching betrieb. „Es war von der Größenordnung ähnlich, hatte auch eine Braustube, einen Saal, einen Stadl und einen Biergarten mit 400 Plätzen.“ Zudem habe es dort viele Veranstaltungen gegeben: Familienfeiern, Hochzeiten, Krimidinners. Ähnliches kommt nun auch beim „Kramerwirt“ auf die Wirte zu – dazu die regelmäßigen Kulturveranstaltungen des „KKK“. Zuletzt führten Kurz und Kremkow ein etwas kleineres Lokal in Berchtesgaden. Dort allerdings zerschlug sich das Gesamtkonzept des größeren Hauses, in dem ihr Restaurant integriert war – und Kurz und Kremkow machten sich auf die Suche nach etwas Neuem.
„Ob Wirtin von Anfang an mein Traumberuf war, weiß ich nicht“, sagt Michaela Kurz. „Aber er ist es auf alle Fälle geworden. Das ist für mich schon eine Berufung.“ Erlernt hat sie den Beruf der Restaurantfachfrau mit Zusatzqualifikation in der Küche und als Metzgerin im Münchner Arabella-Hotel. Später arbeitete sie in der Firma Haberl-Gastronomie, war im Sommer oft im Biergarten am Chinesischen Turm im Einsatz, im Winter bei Großveranstaltungen vom Sechs-Tage-Rennen bis zur Kieler Woche. Sechs Jahre sammelte Michaela Kurz Wiesn-Erfahrung in der Küche der Ochsenbraterei. „Mit Anfang 30 habe ich mich zum ersten Mal selbstständig gemacht.“ Sie führte mit ihrem damaligen Mann eine Berghütte in Berchtesgaden.
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Später tat sie sich privat und beruflich mit dem Restaurantfachmann Hans-Dieter Kremkow zusammen, der lange Zeit große Lokale in der Systemgastronomie geleitet und ebenfalls Erfahrung als selbstständiger Wirt gemacht hatte.
Im „Kramerwirt“ soll nun der Service seine Ägide sein, während sich Michaela Kurz auf die Küche konzentriert. Dabei können die Inhaber auf die Unterstützung des bisherigen Stammpersonals des „Kramerwirt“ zählen. „Auf die Dauer werde ich sicher noch ein bis zwei Köche dazu brauchen“, sagt die Chefin.
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Auch von der Speisekarte her bleiben die neuen Wirte der Linie des Hauses treu. Es gibt viele bayerische Klassiker. Aus ihrer Heimat bringt Kurz das „Berchtesgadener Spezialrezept“ für den „Teufelstoast“ mit – „in Berchtesgaden geht nichts ohne Teufel“ –, und als ihr „Hobby“ bezeichnet sie die Kreation der „Gourmet-Burger“, die auf der Karte stehen. Sehr wichtig sei ihr auch eine Auswahl vegetarischer Gerichte gewesen – zumal ihr Lebengefährte Vegetarier sei. So gehören nun zum Beispiel ein Süßkartoffel-Kichererbsen-Curry und Südtiroler Schlutzkrapfen zum Angebot, eine Art gefüllte Ravioli aus selbst gemachtem Roggenteig.
Vor 14 Tagen ist das Paar auch in die Wohnung im Haus eingezogen. Zum Einrichten war aber noch nicht viel Zeit. Denn die Vorbereitungen auf die Eröffnung laufen auf Hochtouren.