Gefahren auf den Pisten

Skiunfälle auf dem Brauneck - Großer Einsatz der Bergwacht

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Mit dem Ackja wird ein verletzter Skifahrer abtransportiert. Über 80-mal waren die Männer der Bergwachtbereitschaften Bad Tölz und Lenggries in der vergangenen Saison im Einsatz.
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Erst kürzlich stürzte ein Mann beim Skifahren auf dem Brauneck und zog sich eine schwere Verletzung zu. Allgemein muss die Bergwacht oft zu Wintersportunfällen ausrücken. Dabei zeigt sich immer wieder das gleiche Muster.

Bad Tölz/Lenggries/Wackersberg – Die lange Zeit des Wartens ist vorbei. Ski- und Snowboardfans kommen nun auch in der Region auf ihre sportiven Kosten und können sich auf ihren Brettern austoben. Immerhin sind mittlerweile 18 der 21 Pisten auf dem Brauneck befahrbar. Täglich fahren viele Fans des alpinen Wintersports die heimischen Hänge hinunter.

Damit der Schneespaß aber nicht schmerzhaft beendet wird, ist das Thema Skisicherheit das A und O. Denn trotz aller Euphorie und Spaß sind weder Skifahren noch Snowboarden ungefährliche Sportarten.

Sieben Bergretter und Arzt im Einsatz: Schwere Blutung, schlimme Schmerzen 

Dies zeigte am vergangenen Wochenende auch ein Einsatz der Bergwacht Lenggries auf dem Brauneck. Sieben Bergretter versorgten einen 52-Jährigen aus dem Landkreis Landshut, der auf der Waxenstein-Abfahrt gestürzt war. Dabei schnitt er sich mit seinem Ski tief ins Bein. „Aufgrund der starken Blutung und großer Schmerzen war auch ein Bergwachtarzt im Einsatz. Mit dem Ackja wurde der Verletzte ins Tal gefahren“, berichtet die Lenggrieser Bergwacht-Sprecherin Silvia Frei. Ein Rettungswagen habe den Mann anschließend ins Krankenhaus gebracht.

Doch dabei blieb es nicht. Vergangenes Wochenende war die Bergwacht weitere sechs Mal im Einsatz auf dem Brauneck. „Es mussten Wintersportler versorgt werden, die sich bei Stürzen vor allem an Schulter oder Knie verletzt hatten“, sagt Frei.

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Die Gefahr, die mit dem Skisport einhergeht, verdeutlichen auch die Zahlen über Unfälle und Verletzungen im Wintersport auf den Bergen. Laut Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) verletzten sich in der vergangenen Saison 2018/2019 etwa 46 000 Deutsche beim Skifahren so schwer, dass eine ärztliche Behandlung notwendig war.

“Berge sind kein Fitnessstudio“ 

Robert Ampenberger, Leiter des bayerischen Bergwacht-Zentrums in Bad Tölz erklärt: „Die Zahlen beim Wintersport sind über die vergangenen Jahre prozentual in etwa gleich geblieben.“ Entscheidender Faktor sei die Möglichkeit zum Wintersport. Sprich: Wie viele Skitage die Saison hergibt. Weiter merkt Ampenberger an, dass „durch die schnelle Beförderung der Skilifte ein Wintersportler pro Tag mehr Pistenkilometer hinter sich bringt, als das früher der Fall war.“

Er verweist auf die Wichtigkeit einer guten körperlichen Vorbereitung und sagt: „Man sollte fit in die Berge kommen und nicht am Berg erst fit werden wollen. Berge sind kein Fitnessstudio.“

Für viele Einsätze sind sogar Hubschrauber nötig 

Im Tölzer Land musste die Bergwacht (Bad Tölz und Lenggries) laut Norbert Weinhuber, Sprecher der Bergwacht Tölz insgesamt auf 83 Einsätze ausrücken. „Für viele der Einsätze war sogar ein Hubschrauber nötig“, erklärt Weinhuber. Vergangene Saison gab es laut dem Bergwacht-Sprecher am Brauneck keinen tödlichen Skiunfall. „Es gab nur einen tödlichen Unfall. Das war aber auf dem Blomberg. Ein Mann wurde von einem aufgrund der Schneemassen umfallenden Baum erschlagen“, berichtet Weinhuber (wir berichteten).  

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Trotz vieler Unfälle auf den Pisten und Bergen gibt es auch eine gute Nachricht: Immerhin sind in den letzten 50 Jahren die Verletzungen beim Skisport um 50 Prozent gesunken. „Das liegt zum Einen an der besseren Präparation der Pisten, an einer qualitativ hochwertigeren Ausrüstung und auch an einem höheren Sicherheitsbewusstsein der Menschen. Die meisten tragen einen Helm“, erklärt der Sicherheitsexperte des Deutschen Skiverbands, Andreas König. Laut ihm ist auch Alkoholeinfluss mittlerweile ein sehr seltener Grund für Unfälle.

Am häufigsten ist das Knie betroffen 

Deutschlandweit seien die Unfallzahlen der verschiedenen Skigebiete prozentual relativ gleich. Hauptursache der meisten Unfälle ist jedoch Eigenverschulden. „Die meisten verletzen sich, weil sie eine Situation falsch einschätzen“, sagt König. Nicht selten sei ein Kreuzbandriss die Folge. Schließlich sei laut Statistik der ASU das Knie am häufigsten bei Skiunfällen betroffen. Daher rät Norbert Ampenberger auch das Fahrverhalten „dem Können und den Bedingungen anzupassen. Rücksicht ist das oberste Gebot. Dazu muss die Ausrüstung passen und geprüft sein.“ Der einhellige Tenor aller Experten verweist in puncto Sicherheit auf die Beachtung der allgemeingültigen FIS-Pistenregeln.

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