Historisches

300 Jahre Sommerkeller in Benediktbeuern: Diese Geschichte steckt hinter der Ruine

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Ruinenmauern zwischen Baumreihen: Die Überreste des historischen Sommerkellers in Benediktbeuern.

Das Sommerkeller-Fest in Benediktbeuern ist legendär. Doch was hat es genau mit dem Gebäude auf sich, das 1720 zur Blütezeit des Benediktinerklosters entstand?

Benediktbeuern Im Jahr 1720, also vor 300 Jahren, wurde nach zehnjähriger Bauzeit der „Sommerkeller“ fertiggestellt. Darauf weist eine Erinnerungstafel an der Ruine hin, die die Gemeinde Benediktbeuern dort hat anbringen lassen. Die Kommune ist seit 1995 Eigentümer der Anlage. Es hat etwas Geheimnisvolles um diesen Sommerkeller, der wie ein Eisberg den weitaus größten Teil seiner Baumasse unter der Oberfläche verbirgt.

Der weitläufige Sommerkeller befindet sich unter dem künstlich aufgeschütteten Hügel gegenüber dem Schulzentrum und diente dem Kloster zur temperaturkonstanten Lagerung von Bierfässern aus der Klosterbrauerei. Oben auf dem Plateau mit seinen schattenspendenden Laubbäumen stand eine Gaststätte mit Wirtschaftsgebäude und Kegelbahn, deren Ruinenmauern heute noch stehen. Von 1914 bis 1918 diente die Anlage als Lager für 200 französische, serbische und russische Kriegsgefangene, die zur Kultivierung des Moores und als Helfer in der Landwirtschaft eingesetzt wurden.

Im Sommerkeller lagerte das Bier der Benediktiner

Die Anlage entstand zur Blütezeit des Benediktinerklosters. Sie erinnert an dessen überragende Stellung nicht nur als überregionales Zentrum von Kultur und Wissenschaft, Rechtspflege und Verwaltung, sondern auch als umsichtig wirtschaftender Großgrundbesitzer: Neben dem Bau des prachtvollen barocken dreiflügeligen Konvents und der Basilika ging es dem Orden im Sinne seiner Tradition von „ora et labora“ (bete und arbeite) nämlich auch darum, das Kloster zu einem florierenden Wirtschaftsunternehmen aufzubauen.

Diese Tafel informiert über die Geschichte des Sommerkellers.

Zwischen 1708 und 1718 (also fast zeitgleich mit dem Bau des Sommerkellers) ließen die Benediktiner nach Plänen von Michael Ötschmann den rechteckigen, vierflügeligen Maierhof errichten, der laut offizieller Denkmalbeschreibung „dank seiner ungewöhnlich großzügigen Konzeption zu den eindrucksvollsten landwirtschaftlichen Anlagen der Barockzeit in Bayern zählt“.

Kloster gab vielen Bauern und Handwerkern Brot und Arbeit

Das Bräuhaus befand sich im Nordflügel des Konvents. Dass man den großen Keller zur Lagerung der Bierfässer in fast zwei Kilometer Entfernung errichtete, macht auch deutlich, wie großzügig die Mönche damals dachten. Ähnlich weit vom Kloster entfernt entstand nach 1758 im Ortsteil Häusern mit dem dreiflügeligen Klostermaierhof noch ein weiteres großes Wirtschaftsgebäude.

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In seinem lesenswerten, leider vergriffenen Buch „Die Säkularisation 1803“ (Rosenheimer Verlag) beschreibt Dietmar Stutzer, wie das Kloster vielen Bauern und Handwerkern Brot und Arbeit gab und ein System sozialer Sicherheit schuf, das benediktinischen Ursprungs war und lange vor dem Reformsozialismus des 19. Jahrhunderts entstand. Mit der Säkularisation 1803 überwältigte der absolutistische Fürstenstaat das Prälatentum, enteignete und verscherbelte die Besitztümer der Klöster, wobei viele wertvolle Kulturgüter unwiederbringlich verloren gingen. 1806 erwarb Joseph von Utzschneider (1763-1840) das Kloster Benediktbeuern, der von Schloss Rieden am Staffelsee stammte und als hoher bayerischer Staatsbeamter und Bürgermeister von München, aber auch als Unternehmer und Fabrikant Karriere machte.

Ruine des Sommerkellers war lange ein Abenteuerspielplatz der Dorfjugend

1818 übernahm der bayerische Staat das Kloster und nutzte die Stallungen bis in die 1920er-Jahre als militärisches Kavallerie-Ausbildungszentrum, als Invalidenheim und Krankenhaus für Soldaten, als Gefängnis und ab 1921 als landwirtschaftlichen Reichsbetrieb. 1925 wurde die Klosterbrauerei geschlossen, womit auch der Sommerkeller seine ursprüngliche Funktion endgültig verlor. Erst 1930 kehrte mit den Salesianern Don Boscos wieder eine Ordensgemeinschaft in das Kloster zurück, die sich vorrangig in der kirchlichen Sozialarbeit, Religionspädagogik und Umweltbildung betätigt.

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Bis zu ihrer Abriegelung aus Sicherheitsgründen in den 1990er-Jahren blieb die Ruine des Sommerkellers ein Abenteuerspielplatz der Dorfjugend. Bis heute veranstaltet die örtliche Feuerwehr in diesem romantischen Ambiente ihr Sommerfest. So manche Liebschaft, heißt es, ist dort schon besiegelt worden.

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