Vollsperrung

Sorgenkind in Bichl: Der Bahnübergang am Bühel

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Seit wenigen Wochen ist der Bahnübergang am Bühel in Bichl komplett gesperrt. Die Gemeinde hofft, dass Radfahrer und Fußgänger ihn bald wieder passieren können, und denkt sogar daran, eine Schranke zu finanzieren. Doch die Bahn lehnt das ab.
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Zwar ist der Bahnübergang am Bühel in Bichl nun gesperrt, aber die Diskussion über den Fortbestand ist nicht verebbt. Die Gemeinde will den Übergang erhalten, doch die Deutsche Bahn hat Einwände.

Bichl – Die Anlieger sind dankbar: Seit der kleine Übergang gesperrt ist, müssen die Lokführer aus Sicherheitsgründen vor dem Passieren keinen Signalpfiff mehr abgeben. Doch wie sieht jetzt die Zukunft des Übergangs aus? Darüber wird es noch viele Diskussionen geben.

„Die Verwaltung arbeitet momentan den Antrag aus, den Übergang für Radfahrer und Fußgänger wieder zu öffnen“, sagt Bürgermeister Benedikt Pössenbacher. Das werde rund vier Monate dauern, schätzt er. Die Gemeinde möchte den Übergang erhalten, weil er fürs Dorf in diesem Bereich eine Entlastung darstellt. Im Rat wurde schon darüber diskutiert, auf eigene Kosten eine Schranke zu bauen – auch wenn das teuer ist und eine Genehmigung wahrscheinlich Jahre dauern wird (wir berichteten). Der Bahnübergang wird von Landwirten, Gewerbetreibenden, Anliegern und Friedhofsbesuchern genutzt.

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Die Deutsche Bahn sieht das völlig anders. Man arbeite „seit Jahren mit Nachdruck daran, zur Erhöhung der Verkehrssicherheit die Zahl der Bahnübergänge zu reduzieren“, sagt ein Pressesprecher auf Anfrage des Tölzer Kurier. In Bichl halte man es für „nicht zielführend“, den Übergang am Bühel wieder zu öffnen, auch nicht für Fußgänger und Radfahrer. Die Bahn argumentiert, dass es nur gut 100 Meter weiter einen beschrankten Übergang an der B 11 gebe. Außerdem kam es am Bühel im Zusammenhang mit dem Jugendtreff im Bauwagen direkt an den Gleisen wiederholt zu gefährlichen Situationen und sogar zu einem Unfall. „Wenn die Gemeinde in diesem Bereich eine Querungsmöglichkeit zwischen Straße und Schiene wünscht, kann sie eine Über- oder Unterführung beantragen“, heißt es aus der Pressestelle. Das Baurecht muss beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) beantragt werden. „Die Dauer des Verfahrens hängt davon ab, ob es Einsprüche und eventuell sogar Klagen dagegen gibt.“

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Die Landwirte sehen mit Sorge in die Zukunft. „Natürlich ist das nicht der persönliche Übergang der Landwirte“, sagt Bäuerin Veronika Tretter. Alle seien froh, dass die Züge seit der Vollsperrung keine Signalpfiffe mehr abgeben. Bleibe der Übergang jedoch gesperrt, würde es das ganze Viertel am Bühel „immens treffen“, sagt Tretter. Sie nennt verschiedene Gründe. Rund um die Kirche sei Bichl sehr verwinkelt, und häufig seien die Gassen voller Autos. „Mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen da durchzufahren, ist ein Problem.“ Man müsste die Anlieger ständig bitten, ihre Autos woanders zu parken. Außerdem werde der Bereich am Herzogstandweg baulich erschlossen. Auch für die Friedhofsbesucher sei der Übergang am Bühel eine Entlastung.

Außenrum ums Dorf zu fahren, sei für die Landwirte ein Umweg, denn viele der Flächen liegen direkt westlich der Gleise. „Wir alle versuchen, die Hauptstraßen so gut es geht zu vermeiden“, sagt Tretter. Sie befürchtet auch, dass am Übergang an der B11 ein neuer Unfallschwerpunkt entsteht, weil Landwirte dort nicht nach links Richtung Klosterallee abbiegen dürfen. Hintergrund ist, dass ein langes Gefährt während des Wartens beim Abbiegen noch auf den Schienen stehen könnte, wenn sich der nächste Zug nähert. „Zudem halten wir dann wieder den fließenden Verkehr auf der B 11 auf.“ Das alles rufe Unmut und Stress hervor, sagt Tretter.

Unverständlich sei das Ganze vor allem auch deshalb, weil die Bahn ja erst vor Kurzem den Übergang am Gewerbegebiet Falak modernisiert und „mit allem“ ausgestattet habe: „Da fragt man sich schon, warum das am Bühel nicht geht.“

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