VonMagnus Reitingerschließen
Deutlich besser als erwartet entwickelten sich 2021 die Finanzen der Stadt Weilheim: Bei der Gewerbesteuer kamen fast 50 Prozent mehr herein als gedacht. So kann die Stadt etwas mehr Rücklagen aufbauen. Die sind allerdings längst verplant.
Weilheim – Endlich mal eine gute Nachricht zu den Finanzen der seit Jahren chronisch klammen Stadt Weilheim: Das vergangene Jahr sei „erfreulich“ gelaufen, sagte Kämmerer Christoph Scharf, als er dem Stadtrat vergangene Woche die Jahresrechnung 2021 vorlegte. „Rettungsanker“ waren ihm zufolge die Gewerbesteuer-Einnahmen, die bei gut 13,1 Millionen Euro lagen – und somit fast 50 Prozent höher waren, als der Stadtkämmerer im Haushaltsplan veranschlagt hatte.
„Wie kann man so weit daneben liegen?“
„Wie kann man so weit daneben liegen?“, fragte Scharf in der jüngsten Stadtratssitzung selbstkritisch. Und er gab gleich selbst die Antwort: Die ersten drei Quartale des vergangenen Jahres seien „normal“ gelaufen, doch im letzten Quartal spülten unter anderem zahlreiche Nachzahlungen von Firmen unerwartet viel Gewerbesteuer in den Stadtsäckel. Von Oktober bis Dezember 2021 nahm die Stadt hier fast sieben Millionen Euro ein – mehr als in den drei vorangegangenen Quartalen zusammen. So hätten 22 Weilheimer Unternehmen „Veränderungen über 50.000 Euro veranlagt“, erklärte der Kämmerer: „Das ist eine satte Summe, so etwas können Sie nicht planen. Zum Glück war’s ja positiv – es gab auch schon andere Jahre.“
Weilheims Verschuldung weit über Landesdurchschnitt
Die unerwarteten Einnahmen ermöglichten der Stadt 2021 mit über 6,5 Millionen Euro „die zweithöchste Zuführung an den Vermögenshaushalt seit Beginn der Aufzeichnungen“, so Scharf. Weitere 2,48 Millionen flossen in die allgemeine Rücklage, die damit auf 15,58 Millionen Euro stieg. Allerdings hat Weilheim zugleich – trotz einer planmäßigen Tilgung von einer Million Euro – fast 17 Millionen Euro Schulden. Mit dieser Verschuldung liegt die Stadt laut Scharf „immer noch 37 Prozent über dem Landesdurchschnitt“. Das werde vorerst wohl auch so bleiben, warnte der Kämmerer mit Blick auf die anstehenden Investitionen: „Wir müssen schauen, dass unsere Haushalte in den nächsten Jahren genehmigt werden.“
Positive Wirkung des Gewerbegebiets Achalaich?
Dass „Zusätzliches“ möglich sein könnte, dafür seien die höheren Einnahmen jedenfalls kein Signal, betonte im Stadtrat Klaus Gast (CSU). Die städtischen Rücklagen sind bereits für Pflichtaufgaben wie etwa die Hardtschul-Erweiterung verplant. Für die plötzlich nötige Stadthallensanierung muss die Stadt auch ein Grundstück verkaufen, das man „für schlechtere Zeiten“ vorhielt.
Ob Achalaich, Weilheims jüngstes Gewerbegebiet, schon spürbare „Zuflüsse“ für die Stadt generiere, wollte Alfred Honisch (Grüne) wissen. „Das ging 2021 erst ans Netz“, antwortete Scharf, insofern sei es für Zahlen noch zu früh: „Aber die Tendenz ist positiv.“
