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Mehrere neue Solarfelder – auch große Anlagen – könnten in nächster Zeit im Westen Weilheims entstehen. Einige Stadtratsmitglieder sind deshalb alarmiert. Denn die aufgerufenen Preise, heißt es, würden für manche Landwirtschaft das Ende bedeuten.
Weilheim – Neue Solarfelder auf Weilheimer Flur? Da sind fast alle Mitglieder des Stadtrates grundsätzlich positiv eingestellt. Im Sinne der Energiewende brauche es mehr solche Anlagen, so der Tenor. Auch das neue Projekt, um das es im Stadtrat vergangene Woche konkret ging, halten die allermeisten für richtig und angebracht: Der Eigentümer einer bisher als Grünland genutzten Fläche an der Altvaterstraße in der Lichtenau möchte auf dieser eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von ca. 750 kWp errichten. Das ist eine vergleichsweise kleine Anlage. Zur Beweidung will der Antragsteller laut Stadtbauamt Schafe oder Hühner einsetzen.
Bauantrag wurde mehrheitlich zugestimmt
Dieser Antrag schlug vergangenen Juli schon im Bauausschuss des Stadtrates auf, wurde dort aber gemeinsam mit einigen weiteren Solarpark-Anfragen anderer Bauwerber für das Gebiet der Lichtenau vertagt. Mit dem Netzbetreiber müssten erst einmal geeignete Einspeisepunkte festgelegt werden, hieß es damals. Während die größeren Projekte diesbezüglich immer noch Probleme hätten und dafür lange Leitungen Richtung Raisting gelegt werden müssten, könnte der Eigentümer an der Altvaterstraße direkt bei seinem Hof ans Stromnetz anschließen, erklärte Bauverwaltungsleiter Manfred Stork jetzt im Stadtrat. Somit steht dieser Anlage für die meisten Ratsmitglieder nichts im Wege. Dem Bauantrag und zugleich einer vorgezogenen, von den anderen Grundstücken getrennten Änderung des Flächennutzungsplans wurde mehrheitlich zugestimmt.
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Davor gab es allerdings eine ungewöhnlich lange, vehemente Diskussion und sehr besorgte Stimmen – nicht wegen des kleinen Projekts an der Altvaterstraße, sondern wegen möglicher Folgeprojekte. „Für die Landwirte, die wirklich noch wirtschaften“, sei die Zunahme von Solarfeldern „mittlerweile existenzbedrohend“, so hatte Romana Asam (FW) den Reigen eröffnet. Sie wisse, dass ein Investor Grundeigentümern im Weilheimer Westen 4000 Euro und mehr pro Hektar als Pacht anbiete. So würden anderen Landwirten Flächen entzogen, weil diese nicht mithalten könnten. „Der Solar-Aktionismus macht die Landwirtschaft kaputt“, so das Fazit von Asam, die selbst Landwirtin ist.
Steigbügelhalter für Investor?
„Existenzbedrohungen sind schon da“, sagte auch Rupert Pentenrieder (BfW), der im Stadtrat als Referent für Landwirtschaft fungiert. Er habe mitbekommen, dass ein Investor an die 50 Hektar für Solarfelder im Weilheimer Westen suche. Die gebotenen Preise hätten massive Folgen, so Pentenrieder: Drei von vier landwirtschaftlichen Betrieben müssten in diesem Bereich über kurz oder lang aufgeben, weil sie darauf angewiesen seien, für ihr Vieh Flächen zu günstigeren Preisen zu pachten. „Wir müssen da Einhalt gebieten, wir dürfen nicht Steigbügelhalter für einen Investor sein“, appellierte der BfW-Vertreter: „Wir brauchen die PV-Anlagen, aber die dürfen nicht alle in einer Gegend sein.“
Weitere 25 Hektar nötig, um Strombedarf zu decken
„Wenn ich solche Summen höre, ist das kein lokaler Investor mehr, sondern eine Heuschrecke“, fügte Stefan Zirngibl (CSU) an. Weil in der Folge in der Lichtenau womöglich auch die Errichtung großer Solarfelder einklagbar wäre, könne er auch der kleinen Anlage nicht zustimmen. Die Entscheidung habe in jedem Einzelfall die Stadt, entgegnete Bauverwaltungsleiter Stork, „auch zu den bereits angefragten Projekten können wir immer noch Nein sagen“. Für Stefan Emeis (Grüne) sind Solarmodule zudem mit Grünwirtschaft vereinbar: „Das ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.“ Und sein Parteifreund Karl-Heinz Grehl warnte davor, „ein Schreckensszenario aufzubauen“: Noch gebe es „so gut wie keine Freiflächen-Anlagen“ in Weilheim, so der Energiereferent des Stadtrates – „wenn wir mal zehn solche Anlagen haben, dann können wir weiter diskutieren“.
Aktuell gebe es in Weilheim etwa sechs Hektar Solarfelder, hatte Andreas Scharli von der „Energiewende Oberland“ im November im Stadtrat gesagt. Weitere 25 Hektar brauche es, um Weilheims Strombedarf aus erneuerbaren Quellen vor Ort zu decken. SPD-Vertreter Horst Martin regte nun an, in Anlehnung an diese Größenordnung eine Obergrenze für Freiflächen-Photovoltaik festzulegen.
Darüber wurde in dieser Sitzung freilich nicht entschieden. „Es geht jetzt nur um die Fläche an der Altvaterstraße“, mahnte Bürgermeister Markus Loth (BfW). Dieses Vorhaben wurde letztlich abgesegnet. Dagegen stimmten Romana Asam, Susann Enders (beide FW), Rüdiger Imgart (AfD), Rupert Pentenrieder (BfW) und Stefan Zirngibl (CSU).
