VonMagnus Reitingerschließen
Zwar sind die Sperrungen am Dietlhofer See seit 1. Juli passé. Doch im Stadtrat gab es ein Nachspiel - auch weil alles nicht-öffentlich beschlossen worden war.
Weilheim – „Vielleicht waren wir auch zu schnell“: Durchaus selbstkritisch blickte Bürgermeister Markus Loth (BfW) am Donnerstag im Stadtrat auf die vorübergehende Sperrung der Stege zurück: „Es tut mir leid um die Aufregung.“ Doch sei nach einem Zeitungsbericht über das Urteil des Bundesgerichtshofs zur verschärften Haftung „ein richtiger Hype auf uns zugerollt“, so Loth – und man dürfe auch „nicht vergessen, dass wir 2009 einen tödlichen Unfall am See hatten“.
Sperrungen am Dietlhofer See: „Wir machten da nichts aus Spaß“
Mehrere Ratsmitglieder verteidigten denn auch den Mehrheitsbeschluss im nicht-öffentlichen Teil der Stadtratssitzung vom 6. Juni, als „vorläufige Sicherheitsmaßnahme“ Floß und Kreuz zu entnehmen und die Stege zu sperren. Denn das erste Gutachten eines Anwalts (dem später entwarnende Stellungnahmen zweier weiterer Juristen folgten) habe ergeben, „dass man nicht vorsichtig genug sein kann“, so Alfred Honisch (Grüne). Laut Claus Reindl (BfW) gefährdete das erste Gutachten das Ziel, „dass der See rund um die Uhr für die Bevölkerung offen steht“; man habe handeln müssen. „Wir machten da nichts aus Spaß“, sagte auch Klaus Gast (CSU): „Die Rechtsauffassung wurde uns von mehreren Seiten dringlich gemacht.“
Stadtrat Grehl: „Das war schon gewaltiger Aktionismus“
Dagegen waren die Sperrungen aus Sicht von Karl-Heinz Grehl unnötig: „Das war schon gewaltiger Aktionismus, was wir da gemacht haben“, resümierte der Grünen-Vertreter und Vize-Landrat. Doch Loth verwies darauf, dass über das Thema bereits Anfang Mai im Bauausschuss diskutiert worden sei.
Dies allerdings – wie dann auch am 6. Juni im Stadtrat –in nicht-öffentlicher Sitzung. Und das kritisieren nun einige Ratsmitglieder. „Es gab keinen Grund für Nicht-Öffentlichkeit“, sagten am Donnerstag sowohl Susann Enders (FW) als auch Uta Orawetz (CSU). Letztere fügte an: „Es wäre sinn voll gewesen, wenn bei dieser Diskussion die Presse dabei gewesen wäre.“ Als Grund für die nicht-öffentliche Behandlung nannte Loth, „dass es um Haftungsfragen auf einem Grundstück der Stadt ging“. Auch hätte jeder Stadtrat beantragen können, den Punkt in die öffentliche Sitzung zu verlegen, so der Rathaus-Chef: „Das hat keiner gemacht.“ Und es habe wohl auch keiner mit solchen Wellen gerechnet.
Ärger über „Hasstiraden“ aus Bevölkerung
Klaus Gast zeigte sich in diesem Zusammenhang verärgert, dass der Stadtrat und die Verwaltung „gewaltige Hasstiraden“ aus der Bevölkerung hinnehmen mussten. Wohingegen Ingo Remesch (SPD) dafür dankte, dass „das Gros der Badegäste“ die Einschränkungen „relativ geduldig hingenommen“ habe. Ihnen allen versicherte Loth noch einmal: Der Dietlhofer See „soll unser Weilheimer Badesee bleiben“.
mr
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