Debatte nach der Hegeschau auf Gut Rieden

Wer Kitze retten darf – und wer nicht

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Ein Kitz in der Kiste: Die Rettung der Tiere vor der Mahd auf Feldern wird häufig von Kitzrettern wie dem Andechser Verein übernommen. Ohne die Jäger dürfen die Freiwilligen das aber nicht.
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Die Rettung von Kitzen ist ein sensibles Thema. Kreisjägerchef Hartwig Görtler bei der Hegeschau die privaten Kitzretter kritisiert. Die wehren sich.

Starnberg – Die erste Mahd der Landwirte steht unmittelbar bevor. Wenn das Wetter besser wird, rücken sie mit ihren großen Maschinen aus. Die meisten wollen vermeiden, dass dabei Rehkitze zu Tode kommen, die sich von April bis Juli im hohen Gras aufhalten. Daher geben die Bauern den zuständigen Jägern Bescheid, dass sie das Gebiet nach Jungtieren absuchen. „Wir sind hoheitlich beauftragt, uns um Wildtiere zu kümmern“, so Jägerschaftschef Hartwig Görtler. „So sieht es das Bundesnaturschutzgesetz vor.“

Bei der jüngsten Hegeschau auf Gut Rieden wies er auf diesen Punkt hin – und kritisierte im gleichen Atemzug private Kitzretter, die teils auf eigene Faust Drohnen steigen lassen und sich auf die Suche machen. Wer ohne Rücksprache mit den zuständige Jägern Kitze vor dem Mähtod retten will, macht sich nämlich möglicherweise der Wilderei strafbar. Diese besteht aus dem Nachstellen, Aufsuchen, Erlegen und Aneignen von Tieren. „Und zwar jeder Punkt für sich“, so Görtler. „Dafür muss ein Tier gar nicht getötet werden.“

Kitze unbefugt retten wollen, ist Wilderei

Freilich hat der Jäger Verständnis für den Wunsch, die Jungtiere zu retten. „Das kann ich total nachvollziehen.“ In einen gefährlichen Bereich gerate man nur, wenn sich plötzlich Privatpersonen oder gar Kinder an diese Aufgabe heranwagen. „Das ist nicht zu tolerieren.“ Ihm geht es auch um die Hierarchie. „Wir als Jäger sind der Tower. Und wenn jemand in unseren Luftraum eindringt, muss er sich mit uns verständigen.“ Mit anderen Worten: Wer Kitze retten will, soll sich bitte an den Jäger wenden. Und nicht umgekehrt.

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Jana Schmaderer, Erste Vorsitzende des Vereins Kitzrettung Andechs, hat die Ausführungen von Görtler als Polemik empfunden. „Die Kritik war unangemessen und ungerechtfertigt“, erklärt sie. Insbesondere verwahrt sie sich dagegen, in eine Reihe mit Querfeldeinläufern, Pilzesammlern, Gassigehern oder Radfahrern gestellt zu werden. „Gewissenhaft betriebene Kitzrettung erfordert Etliches an jagdlichem Wissen, Zeit, Geld, Kraft und selbstloser Aufopferungsbereitschaft.“ Tatsächlich seien die bewirtschafteten Flächen im Landkreis viel zu groß, um von wenigen Personen – sprich Jägern – auf konventionelle Weise ausreichend auf Jungwild abgesucht werden zu können. Genau dafür gebe es inzwischen Hunderte Organisationen deutschlandweit, meist ausgestattet mit Wärmebilddrohnen. „Als eingetragener Verein unterstützen wir als Verein auf Anfrage Landwirte und Jäger beim Schutz von Jungwild bei Jagdunfällen.“

Die Kitzretter stehen als Helfer jederzeit zur Verfügung

Schmaderer und ihre Mitstreiter haben sich außerdem vorgenommen, die Bevölkerung für den Schutz der Wildtiere zu sensibilisieren, etwa durch Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. So hat der Verein Kitzrettung Andechs vor wenigen Tagen Kindern der Carl-Orff-Grundschule die Suche per Drohne vorgeführt. Ein Foto von der Veranstaltung hat Görtler bei seinem Vortrag als warnendes Beispiel gezeigt. Seine Botschaft: Tierrettung ist nicht geeignet als Hobby. Es ist Sache der Jäger.

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Deren Autorität erkennt Jana Schmaderer durchaus an. „Die Kitzrettung ist eine jagdliche Tätigkeit, dafür bedarf es der Unterstützung und ausdrücklichen Erlaubnis des für die Fläche zuständigen Jägers.“ Ihr Ansinnen ist Kooperation. „Das A und O erfolgreichen Wildschutzes ist eine reibungslose Kommunikation und wohlwollende Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Jägern und nicht jagenden Tierliebhabern“, sagt sie. „Wir verfolgen ein und dasselbe Interesse: Den Schutz unseres Wildes vor dem Mähtod.“

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