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Die Wolfratshauser Stadtkapelle hat Personalnot und benötigt Unterstützung. Eine Generation fehlt fast komplett im Ensemble - vier Teenager spielen jetzt mit.
Wolfratshausen – Es sind Codes, in denen sich die sieben Jugendlichen und die drei Erwachsenen unterhalten. „Das F oben ist auf Null“, meint der Tubist. Und er möchte, dass seine jüngeren Kollegen „den Viertellauf nicht so schmieren“. Der Laie versteht das nicht. Die zehn Musikanten der Jugendstadtkapelle nicken zustimmend. Vor ihnen steht Christian Tomsu, der Dirigent. Er berichtigt ein paar kleinere Unsauberkeiten, blickt in die Gesichter der jungen Menschen und auf ein paar leere Stühle. Dabei sind die freien Plätze bei der Jugendstadtkapelle aber nicht seine Sorgenkinder. Es sind die fehlenden Erwachsenen, die den Vorsitzenden beunruhigen. Konkret geht es um die Generation zwischen 20 und 50 Jahren.
Teenager helfen in der Blaskapelle aus: „Wir sind eine Gemeinschaft - und wollen Musik spielen“
Weil erfahrene Musikanten fehlen, helfen vier Teenager aus der Jugendkapelle regelmäßig in der Stadtkapelle aus. Emilia (17) spielt das Euphonium, Hanna (18) sitzt am Schlagzeug, Malin (17) und Johanna (16) spielen Posaune. In beiden Kapellen zu spielen, ist für sie eine Umstellung. „In der Jugendkapelle spielen wir modernere Stücke“, sagt Johanna. Zum Beispiel Filmmusik wie bei der Probe am Mittwochnachmittag, bei der unsere Zeitung mit dabei ist. Im Liederbuch der Erwachsenen hingegen stehen Stücke wie Böhmischer Traum, die Luftballonpolka und Lieder über Wanderslust. Es sind nicht unbedingt Titel, an die Hanna dachte, als sie sich vor zehn Jahren das erste Mal an ein Schlagzeug gesetzt hat. AC/DC wollte sie spielen, oder Rockhymnen, erzählt sie zwischen den Proben der Jugend und der Erwachsenen.
Stadtkapelle Wolfratshausen: 18-Jährige Schlagzeugerin „hätte nicht gedacht, dass ich mal Blasmusik spiele“
Beim Spielen mit den Älteren ist es der Summernight-Rock, mit dessen Achtelpause sie ein wenig hadert. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal in einer Blaskapelle spiele“, räumt sie ein. Trotzdem kommt sie gerne. Zum einen, weil das gemeinsame Musizieren Spaß macht. Zum anderen, weil sich unter den Nachwuchstalenten der Stadtkapelle ein gewisser Teamgeist entwickelt hat, wie Emilia erklärt, die alle nur „E“ nennen. „Wir sind eine Gemeinschaft – und wir wollen Musik spielen“, sagt sie. Bei gemeinsamen Ausflügen festigten die Heranwachsenden ihre Freundschaft.
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Zum Beispiel bei Fahrten nach Altenkundstadt in Baden-Württemberg zu einer befreundeten Kapelle, oder nach Manzano in Italien, einer Freundschaftsstadt Wolfratshausens. Oder auf Festzügen, dem Starkbierfest und sommerlichen Almkonzerten. An einer Wand des Probenkellers am Hans-Urmiller-Ring hängen Fotos von Ausflügen und ein Gutschein für fünf Träger Bier zum 50. Geburtstag 2017. Der Wandschmuck zeugt von der langen Tradition der Kapelle. Auf den Stühlen sitzen junge Menschen, die sie weiterführen sollen.
Musikanten gesucht: Die Stadtkapelle hofft auf Unterstützung
Ein Problem gibt es da jedoch – es ist aus den vergangenen Jahren bekannt: Recht viele Schüler spielen Jahr für Jahr im Nachwuchs. Fangen die aber einmal ein Studium in einer anderen Stadt an, stehen mitten im Berufsleben oder gründen eine Familie, bleibt wenig Zeit für die wöchentlichen Proben und die Auftritte an den Wochenenden oder Feiertagen. „Die meisten anderen in der Kapelle sind schon über 50“, sagt Malin. Sie ist Jugendwartin des Vereins. Zwischen den Jugendlichen, die aushelfen, und den gestandenen Musikanten, die teilweise in der Rente ein altes Hobby wieder gefunden haben, fehlt fast eine ganze Generation.
Oldies und Jugendliche: Bunter Generationenmix spielt in der Blaskapelle
Aktuell spielen – inklusive Teenagern – 25 Aktive in der Erwachsenenkapelle. Am Mittwochabend sitzen sie alle im Keller des Trachtenheims und spielen auf Kommando von Dirigent Reiner Jorde die B-Dur-Tonleiter. „Ganz griabig“, findet er das. Es ist nicht mehr viel Platz im Raum. Vorsitzender Tomsu würde trotzdem gerne künftig ein paar mehr Stühle aufbauen. „Wir würden uns eine Stärke von 30 bis 35 Leuten wünschen“, sagt er. Hohe Hürden müssten Interessenten nicht nehmen. „Taktgefühl sollten sie haben und die Noten kennen“, meint Tomsu. „Alles andere können wir auffrischen.“
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Das macht der Waldramer Wolfgang Weichlein. Er hat seine Liebe zur Klarinette vor zwei Jahren wieder entdeckt. „Für den Anfang spiele ich auch bei den Jugendlichen mit, um wieder reinzukommen“, sagt der 54-Jährige. Er spielt als Oldie unter den jungen. Im Moment ist der umgekehrte Weg häufiger – und aus der Not geboren.
Stadtkapelle: Wer will mitspielen?
Wer in der Stadtkapelle oder der Jugend mitspielen möchte, meldet sich bei Christian Tomsu - unter der Telefonnummer 0179/2135702.
