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Tegernseer Bürgermeister schlägt Alarm: Keine Kapazitäten mehr für Geflüchtete

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In Tegernsee steht eine der drei Turnhallen des Landkreises, die als Notunterkunft genutzt werden.
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Seit Mitte November hängt die Ankündigung der Zuweisung von 50 Geflüchteten pro Woche wie ein Damoklesschwert über dem Landkreis. Grund genug für den Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn, zum Thema Migration Tacheles bei der Bürgerversammlung zu reden: Die Stadt habe keine Kapazitäten mehr für weitere Geflüchtete.

Tegernsee – Bevor Hagn die aktuelle Situation umriss, begrüßte er Veronika Bauer, Leiterin des Tegernseer Helferkreises. Ihr und den weiteren 25 Personen des Helferkreises galt sein Dank und später auch der Applaus. „Ohne Helferkreis keine Integration“, sagte Hagn. Der Helferkreis kümmere sich großartig und schier unermüdlich um die Menschen in den voll ausgelasteten Einrichtungen Bastenhaus und Turnhalle. Müsste die Stadtverwaltung die aktuell 260 Geflüchteten und Asylbewerber betreuen, hätten die Mitarbeiter keine Zeit mehr für ihre eigentliche Arbeit, meinte Hagn. Integration könnte dann mangels Kapazität nicht stattfinden.

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Damit der Helferkreis Sprachkurse für Kinder und das therapeutisches Gruppenangebot für die Aufarbeitung von Fluchttraumata anbieten kann, finanziere die Stadt dies soweit möglich über ihren Sozialfond, erklärte Hagn. „Wer von den Tegernseern helfen möchte, kann dorthin spenden“, sagte Hagn. Er bedanke sich für das bisherige Engagement, insbesondere bei einer Bürgerin, die jeden Monat großherzig 1000 Euro spende – ihr Name blieb ungenannt.

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Trauma-Therapien und Kindersprachkurse würden vom Staat nicht gefördert, erklärte Hagn. Ebenso wenig wie Kindergartenplätze. Die Begründung: Die Eltern wären ja daheim und könnten selbst auf ihre Kinder aufpassen. Eine ironische Bemerkung, dass die Integrationsidee für Kinder in einer Turnhalle so ad absurdum geführt werde, fand Hagn. In gar nicht ferner Zukunft dürften die im Bastenhaus und der Turnhalle untergebrachten Familien auch als asylberechtigt anerkannt sein. Dann bestehe für die Kinder Anspruch auf Betreuungsplätze. Dass die in Tegernsees jetzt schon rar sind, ist nicht neu. Hagn dankte Pfarrer Martin Weber, der durch Container für zwei zusätzliche Kinderbetreuungsgruppen gesorgt hat. Der Container, so die Überlegung, soll drei Jahre stehen bleiben, um Plätze für Kinder aus Flüchtlingsfamilien vorhalten zu können.

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Statt der einmal vereinbarten 200 hat Tegernsee aktuell 260 Asylbewerber aufgenommen. „Wir haben keine Kapazitäten mehr“, schloss Hagn und schüttelte nur den Kopf über die Aussicht weiterer Zuweisungen – zumal im Wochentakt. Er sprach von „jeder Menge St.-Florians-Prinzip“ anderer Kommunen, ohne den Bürgermeisterkollegen Unwillen zu unterstellen. Auch sie säßen nicht auf den Händen und seien bemüht, Asylsuchende ebenso wie Fehlbeleger unterzubringen. Aber die Kapazitäten seien nun mal limitiert.

„Wir Kommunen haben unsere Liegenschaften geöffnet. Jetzt appelliere ich an den Bund und das Land Bayern, ihre Liegenschaften zu öffnen“, sagte Hagn. Gemeint sind Schulungszentren des Freistaats, wie etwa das Bildungszentrum in St. Quirin. Die würden über lange Zeiten nicht genutzt. Dort gebe es noch Kapazitäten, ist der Bürgermeister sicher.

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