VonDieter Dorbyschließen
Die erste Hürde bei der Unterbringung von Fehlbelegern ist genommen, doch von Zufriedenheit oder gar Entspannung ist in Irschenberg keine Spur. Im Gegenteil. Das wurde nun im Gemeinderat deutlich.
Irschenberg – Wie berichtet, hat die Gemeinde 15 anerkannte Flüchtlinge – sogenannte Fehlbeleger – aus der Notunterkunft des Landkreises aufgenommen und untergebracht. Doch damit ist die Notwendigkeit, weiteren Wohnraum zu finden, nicht vom Tisch, wie Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) klarstellte: „Das wird nicht das Ende sein.“
Flüchtlinge in Irschenberg (Miesbach): „Es steht nichts zur Verfügung“
Diese Botschaft brachte Meixner von der jüngsten Bürgermeisterdienstbesprechung mit – verbunden mit der Aufforderung, weiter Wohnraum zu akquirieren: „Jeder soll etwas suchen.“ Wer eine Wohnung oder ein Haus wisse, solle sich melden. Dass sich die Reaktionen auf solche Aufrufe bislang sehr in Grenzen gehalten haben, ist für Meixner keine Überraschung: „Es steht halt nichts zur Verfügung.“ Hinzu komme die sprachliche Barriere, die es den anerkannten Asylbewerbern doppelt schwer mache.
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Die 15 Fehlbeleger im Gemeindegebiet unterzubringen sei unter höchstem Zeitdruck geschehen. „Am 31. Oktober um 8.30 Uhr haben wir per Mail erfahren, dass die Leute am 2. November um 14 Uhr vor dem Rathaus stehen“, berichtete Meixner. „Da kriegst du Druck drauf.“
Für den Bürgermeister ist diese Situation eine ernste Sache – nicht nur wegen des extrem kurzen Vorlaufs. Auch für die untergebrachten Menschen sei die Situation sehr schwierig, wenn nicht gar unzumutbar, denn von Irschenberg aus sei es schwieriger, zur Arbeit zu kommen. „Man kann über sie nichts sagen“, sagt er über die 20 bis 25 Jahre alten Männer. „Sie sind alle freundlich, anständig und wollen arbeiten. Und nach der Arbeit geht’s zum Deutschunterricht.“ Dass sie nun aber gewissermaßen „rausgeschmissen“ wurden aus der Berufsschulturnhalle in Miesbach, sei sehr kritisch. „So kann man mit den Leuten nicht umgehen – egal wo sie herkommen.“
Umso dringlicher appelliert Meixner an die Irschenberger, die Gemeinde bei der Suche nach Wohnraum zu unterstützen. „Es muss ja nicht das Beste sein. Wichtig ist, dass sie ein Dach über dem Kopf haben.“
Flüchtlinge in Oberbayern: „Die Leute werden dafür bestraft, dass sie arbeiten“
Zudem suche der Helferkreis vor Ort Unterstützung. „Die Gruppe hat Personalprobleme und sucht jemanden, der Fahrdienste machen kann“, erklärte Meixner. Wer hierbei helfen will, solle sich bei der Gemeinde melden.
Auch einige Ratsmitglieder kritisierten den Umgang mit den Flüchtlingen. „Im Prinzip werden diese Leute dafür bestraft, dass sie arbeiten, wenn man sie zu uns in die Pampa setzt“, stellte Klaus Waldschütz (parteilos) fest. Christian Harrasser (CSU) schloss sich an: „Ich verstehe nicht, wie man die da rausnehmen kann, wenn sie in Miesbach arbeiten.“
„Es ist eine ernste Sache“, betonte Meixner. Was er auf unbedingt verhindern will, ist eine Belegung der Turnhalle. „Das haben wir während der Corona-Pandemie gehabt. Das will ich nicht noch mal.“ ddy
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