- VonMonika Konnertschließen
Soll eine interkommunale Großküche künftig alle Kitas und Schulen in der Region versorgen? In Teisendorf prallten die Meinungen aufeinander. Es geht um Kosten, Logistik und die Angst vor einem „ökologischen Unsinn“. Trotzdem gab es eine knappe Mehrheit für den nächsten Schritt.
Teisendorf – Der mögliche Aufbau einer gemeinsamen Frischeküche zur regionalen und bioregionalen Mittagsverpflegung für Kinder in Kitas und Schulen der Kommunen in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel durch Gründung eines interkommunalen Unternehmens hat den Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung kontrovers diskutiert.
Mit elf zu sieben Stimmen wurde ein grundsätzliches Interesse an dem Gemeinschaftsprojekt beschlossen und der 1. Bürgermeister Thomas Gasser beauftragt, zusammen mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der interessierten Kommunen die nächsten Schritte einzuleiten. Diese bestehen in der Erstellung einer Machbarkeitsstudie mit Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein solches Unternehmen. Die Kosten für eine solche Prüfung werden auf rund 10.000 bis 15.000 Euro geschätzt. Sie sollen gleichteilig von den beteiligten Kommunen getragen werden. Bürgermeister Thomas Gasser betonte, dass der zu fassende Beschluss nur eine Interessensbekundung für das Projekt bedeutet. Ob Teisendorf als Kommune bei der Umsetzung dabei ist, werde erst entschieden, wenn genaue Zahlen zur Wirtschaftlichkeit eines solchen Unternehmens vorliegen. Denn auch viele der Gemeinderäte, die jetzt zugestimmt haben, sind nach wie vor skeptisch, ob eine solche Lösung funktionieren kann.
So sagte Gemeinderätin Gitti Leitenbacher (CSU), dass sie den Gedanken gut finde, aber vorab eine „saubere Analyse“ verlange. Wichtig sei ihr auch, dass nicht nur „bioregional“, sondern auch „regional“ geprüft und im Projekttitel festgehalten werde. Ähnlich äußerten sich auch die Gemeinderatsmitglieder Elisabeth Aschauer (Grüne), Andreas Neumeier, Gernot Daxer und Hans Helminger (alle CSU). Gleichzeitig betonten sie ihre Skepsis, dass ein solches Unternehmen funktionieren kann. „Wo ist hier für ein Unternehmen der wirtschaftliche Anreiz?“, fragte beispielsweise Daxer, und Helminger ergänzte: „Die Kommunen sind keine Unternehmer.“
Skeptisch waren auch die beiden SPD-Räte Johann Rauscher und Georg Quentin. Der gelernte Küchenmeister Quentin hatte sich mit dem Thema auch als berufserfahrener Fachmann intensiv auseinandergesetzt und sich in anderen Regionen dazu informiert. Ein solches Projekt sei ein negatives Zeichen für private Cateringbetriebe, sagte er. Er befürchtet eine deutliche Steigerung der Kosten für die Eltern allein durch das anfallende Kilometergeld für den Transport der Speisen. Auch dürfte es nicht einfach sein, Personal zu finden, weil der Markt in der Gastronomie jetzt schon leergefegt sei. Zudem habe sich das Essensverhalten älterer Schüler stark geändert; sie gehen lieber in den Supermarkt, als in einer Schulkantine zu essen. Er werde nicht zustimmen. Genau um solche und ähnliche Punkte zu klären, brauche man die Machbarkeitsstudie, erwiderte der Bürgermeister.
Welche Vorgaben wolle man dem Projektnehmer für eine solche Studie machen, fragte Rätin Anita Niederstrasser (FWG). „Was heißt regional, was heißt bio und wieviel bio muss es sein, wenn von einem ‚hohen Anteil‘ gesprochen wird? Das Essen täglich per Fahrzeug von Tittmoning nach Saaldorf zu transportieren, ist kein ökologischer Gedanke“, sagte sie. Man könne keine Studie in Auftrag geben, ohne genaue Information und Eckpunkte. Skeptisch zeigte sich auch Rat Christian Gschwender (FWG). Er befürchtet, dass es von einigen Kommunen, die das unbedingt wollen, schöngerechnet wird und die Kosten danach explodieren. Gemeinderat Fritz Gasser (FWG) fand den Grundgedanken zwar gut, war aber überzeugt, dass dies wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Dazu brauche man kein Geld für eine Wirtschaftlichkeitsprüfung auszugeben, sondern solle sich darauf konzentrieren, vor Ort gute Lösungen zu finden. Derselben Meinung war auch Rätin Ute Hogger (Grüne). Mit der Beteiligung an einem solchen Unternehmen würde sich der Markt Teisendorf nur wieder einen Haufen Schulden machen und in der Gastronomie die Personalsituation noch verschärfen.
Gemeinderat stimmt erstem Schritt zu
Für eine Prüfung, die ja keine Verpflichtung zur Teilnahme beinhalte, sprachen sich neben den bereits erwähnten noch die Gemeinderäte Felix Gasser und Markus Putzhammer (beide CSU) sowie Matthias Spiegelsperger (Grüne) aus. Letzterer wies noch darauf hin, dass für ein eventuelles zukünftiges Kommunalunternehmen auch der Standort ausschlaggebend sei. Dieser müsse auf jeden Fall zentral in der Region liegen.
Aktuell wird das Vorhaben neben Teisendorf in den Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Taching am See, Saaldorf-Surheim, Surberg, den Städten Tittmoning und Laufen und dem Markt Waging am See diskutiert. Einige Kommunen wie Fridolfing, Waging am See und Taching am See haben bereits Beschlüsse zugunsten einer Machbarkeitsstudie gefasst.