VonChristiane Mühlbauerschließen
Andreas Steppanschließen
Nach dem Knabenchorfestival im Mai 2019 in Tölz ist nun eine Diskussion entbrannt, ob das Hohe Defizit hätte verhindert werden können. Das zumindest ist die Ansicht von Ralf Ludewig - dem 2014 entlassenen Leiter des Tölzers Knabenchors. Der Tölzer Knabenchor und die Stadt nehmen zu den Vorwürfen Stellung.
Bad Tölz – Ist das Defizit beim Knabenchor-Festival unnötig hoch ausgefallen? Das zumindest stellt Ralf Ludewig, in den Raum. Auf die jüngste Berichterstattung im Tölzer Kurier hin meldete sich der 2014 entlassene Leiter des Tölzer Knabenchor zu Wort und behauptet: „Wir, der Münchner Knabenchor, hatten uns angeboten, zum Nulltarif einzuspringen.“
Wie berichtet hatte die kurzfristige Absage der Limburger Domsingknaben der Stadt als Veranstalter erhebliche Mehrkosten beschert. Weil für die Limburger ohne viel Vorlauf der Reutlinger Knabenchor Capella Vocalis und die Wiltener Sängerknaben einspringen mussten, galt es, Prospekte, Flyer und Radiospots anzupassen. Zudem fielen zusätzliche Kosten für Fahrten, Verpflegung und Übernachtungen an. Das Defizit des Festivals fiel daher mit 92 000 Euro um 23 000 Euro höher aus als kalkuliert.
Das hätte nicht sein müssen, meint nun Ludewig. Denn der 2014 gegründete Münchner Knabenchor hätte die entstandene Lücke ihm zufolge günstiger schließen können. „Außerdem wären die Säle voll gewesen, denn wir haben eine große Fangemeinde“, meint der Musiker. Immerhin gehöre der Chor „zu den besten der Welt“, sagt Ludewig. Das Ensemble habe weltweit schon 300 Konzerte gegeben, in China genauso wie in Kanada oder auch in der Hamburger Elbphilharmonie.
Auf sein an die Tölzer Tourist-Info sowie an Knabenchor-Geschäftsführerin Barbara Schmidt-Gaden gerichtetes Angebot habe ihn aber „niemand zurückgerufen“.
2014 hatten sich Ludewig und der Tölzer Knabenchor im Unfrieden getrennt. Mit seinem Angebot habe er beitragen wollen, „die Wogen zu glätten“, sagt Ludewig. Außerdem sei das Knabenchor-Festival für ihn so etwas wie sein „Baby“ – immerhin gehe es auf seine Idee zurück.
Die Tölzer Stadtverwaltung bestätigt, dass vonseiten des Münchner Knabenchors überraschend ein Angebot gekommen war. „Es wurde umgehend an den Tölzer Knabenchor weitergeleitet“, sagt Pressesprecherin Birte Otterbach. „Dass sich der Tölzer Knabenchor gegen eine Verpflichtung des Münchner Knabenchors entschied, wurde seitens der Stadt Bad Tölz uneingeschränkt akzeptiert.“
„Als Herr Ludewig am 4. April per Mail das Angebot unterbreitete, war sowohl der Vertrag mit den Wiltener Sängerknaben am 27. März als auch mit dem Chor aus Reutlingen am 3. April bereits abgeschlossen. Darum konnten wir seine freundliche Offerte schon aus terminlichen Gründen nicht annehmen“, nimmt Barbara Schmidt-Gaden, Geschäftsführerin des Tölzer Knabenchors, Stellung. „Dass wir auf seine hilfsbereite Initiative nicht wenigstens mit einer Absage reagiert haben, bedauern wir. Im Trubel der Ereignisse blieb seine Mail unbeantwortet liegen. Eine Einladung wäre jedoch organisatorisch zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr möglich gewesen.“
Man sei den Wiltener Sängerknaben und dem Reutlinger Knabenchor „sehr dankbar, dass sie bereit waren, uns in Bad Tölz auszuhelfen“, sagt Schmidt-Gaden. „Beide Chöre passten mit ihrer klanglichen Disposition ideal zum Festival, das ja ein möglichst breites Spektrum unterschiedlicher Knabenchöre präsentieren möchte.“ Aus diesem Grund sei es für den Tölzer Chor nicht naheliegend gewesen, beim „noch jungen Münchner Knabenchor“ anzufragen: „Er ist in seiner Anlage und in Teilen seines Repertoires dem Tölzer Chor recht ähnlich, so dass eine Einladung der Grundidee des Festivals, ganz unterschiedlichen musikalischen Stilen eine Bühne zu bieten, entgegengestanden hätte“, sagt Schmidt-Gaden.
Die Stadt Bad Tölz steht hinter Schmidt-Gadens Entscheidung. „Welche Kosten bei einer Verpflichtung des Münchner Knabenchors entstanden wären, ist aus heutiger Sicht nicht zu ermitteln, da die notwendigen Details hierfür nicht erörtert wurden“, so Pressesprecherin Birte Otterbach.
Die Mehrkosten fürs Marketing – also Neugestaltung von Plakaten, Anzeigen, Werbespots und Programmheften – wären auch bei der Verpflichtung des Münchner Knabenchors unvermeidbar gewesen, so Otterbach. Die Marketingkosten hätten einen erheblichen Anteil an der Kostensteigerung des Festivals.

