VonGabi Wernerschließen
Weihnachten und Lichterglanz – zwei, die zusammengehören. Doch ist die üppige Beleuchtung angesichts der Energiekrise noch vertretbar? Auch Orte am Tegernsee sind auf der Suche nach Einsparpotenzialen.
Tegernseer Tal – „Wir werden Weihnachten nicht abschaffen.“ So viel macht der Rottacher Bürgermeister Christian Köck (CSU) schon einmal deutlich. Nach zwei Jahren Corona wolle die Gemeinde dem stark gebeutelten Einzelhandel jetzt nicht auch noch einen Ortskern ohne weihnachtliche Atmosphäre zumuten. Zudem sei Rottach-Egern ein Urlaubsort, der auch in der dunklen Jahreszeit eine gewisse Aufenthaltsqualität bieten wolle.
Rottacher Gemeinderat wird sich mit Energiesparplan beschäftigen
Die Zeichen der Zeit seien dennoch erkannt, meint der Rathaus-Chef. Um Energie einzusparen, werde Rottach-Egern nach „verträglichen Lösungen“ suchen. Schon bei der nächsten Gemeinderatssitzung am Dienstag, 13. September, werde sich das Gremium auf Anregung der Grünen mit einem möglichen Energiesparplan beschäftigen. Die Verwaltung habe dazu bereits „einen Vorschlag in der Tasche“, so Köck.
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Möglicherweise werde Rottach-Egern heuer nicht jede einzelne Straßenlaterne mit einem beleuchteten Christbäumchen belegen, meint der Rathaus-Chef. Eine weitere Überlegung könnte sein, die Anzahl der großen Christbäume im Ort mit ihren vielen Lämpchen zu reduzieren. Bisher war es in Rottach-Egern üblich, dass an mehreren markanten Stellen – unter anderem vor dem Rathaus und im Kurpark – riesige Christbäume ihren weihnachtlichen Glanz verbreiteten. Das Einsparpotenzial halte sich hier allerdings stark in Grenzen, betont Köck. „Seit wir die Beleuchtung auf LED umgestellt haben, ist der Verbrauch bei Weitem nicht mehr so hoch.“
In Tegernsee ersetzen die Weihnachtssterne die normale Straßenbeleuchtung
Nur ein Tropfen auf den heißen Stein also? In den Augen von Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) machen durchaus auch die kleinen Maßnahmen Sinn – in der Gesamtheit würden auch sie ihren Teil zur Energieeinsparung beitragen. Was die Weihnachtsbeleuchtung anbelangt, tut sich Tegernsee allerdings schwer, auf einen Teil der Deko zu verzichten. Denn: Die Tegernsee-typischen Sterne würden in der Adventszeit eins zu eins die Straßenbeleuchtung ersetzen. „Wir müssen uns erst mit dem E-Werk unterhalten, ob es hier Einsparmöglichkeiten gibt – wenn ja, dann machen wir das“, sagt Hagn.
Beleuchtung an Straßen wird später an- und früher ausgeschaltet
Apropos Straßenbeleuchtung: An dieser Stelle haben die Kommunen rund um den See bereits Konsequenzen aus der Krise gezogen. Die Lichter werden mittlerweile 20 Minuten später ein- und 20 Minuten früher ausgeschaltet. Auch die Fassaden der öffentlichen Gebäude wie Rathäuser oder auch das Seeforum in Rottach werden nicht mehr angestrahlt. So schreibt es die neue Energiespar-Verordnung vor.
Tegernsee will möglicherweise Beleuchtung privater Gärten verbieten
Die Stadt Tegernsee möchte möglicherweise noch einen Schritt weiter gehen und auch bei privaten Anwesen eine Reduzierung der künstlichen Beleuchtung erreichen – Stichwort Lichtverschmutzung. Es sei schon erstaunlich, wie viele Bürger in Tegernsee ihre Gärten illuminieren würden, sagt der Bürgermeister. Es gebe daher den Vorschlag, einen Passus in die städtische Gestaltungssatzung mit aufzunehmen, der die Beleuchtung zu Dekorationszwecken auch bei privaten Anwesen untersagt. Ob das dann auch für die Weihnachtsbeleuchtung gilt, müsse der Stadtrat erst diskutieren, teilt Hagn mit. Die Stadt selbst habe ihren weihnachtlichen Lichterglanz „bereits in der Vergangenheit auf ein Mindestmaß runtergefahren“, so der Rathaus-Chef.
Adventsmärkte rund um den Tegernsee sollen wieder stattfinden
Bei allen Verzichtsüberlegungen: Die beliebten Adventsmärkte rund um den Tegernsee sollen nach zwei Jahren coronabedingter Pause heuer eigentlich wieder stattfinden. „Vor zwei bis drei Wochen haben wir gesagt: Ja, wir bereiten das Thema intern vor“, bestätigt Peter Rie, Veranstaltungsmanager der Tegenseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Ins Marketing und die Außenkommunikation werde man allerdings erst Ende September einsteigen. Immerhin bleibe abzuwarten, wie es ab Herbst mit der Corona-Situation weitergehe.
Wie die Beleuchtung anlässlich des Adventszaubers gestaltet werden solle, dazu müssten sich die Gemeinden und ihre Bauhöfe erst entsprechende Gedanken machen, sagt Rie. „Es ist definitiv noch zu früh, um dazu etwas zu sagen“, meint er. Allerdings: Eine vernünftige Beleuchtung bei den Märkten sei insgesamt unabdingbar – „da geht es ja auch um den Sicherheitsaspekt“.
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