Sie rügen „Planung von gestern“

Bürgerbefragung in Weilheim: Grüne warnen vor Umfahrung

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„Nein“ zur Weilheimer Umfahrung und zum geplanten Ausbau der B 2 sagen Brigitte Gronau und Manuel Neulinger, die Sprecher der Grünen-Stadtratsfraktion.
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Zum Start der Bürgerbefragung in Sachen „Umfahrung Weilheim“ sprechen sich die Grünen klar für ein „Nein“ zu einer Umgehungsstraße aus - und setzen auf eine Mobilitätswende.

Weilheim – Mit einem Zentrumstunnel hätten sich Weilheims Grüne „noch irgendwie anfreunden können“, sagt Fraktionssprecher Manuel Neulinger. Doch nachdem das Staatliche Bauamt diese Ausführung als „unwirtschaftlich“ aussortierte, kommt für den Ortsverband keine der verbliebenen Varianten in Frage. Zur Bürgerbefragung werben die Grünen, die derzeit sechs der 30 Stadtratsmitglieder stellen, für ein „Nein“ zum Bau einer Weilheimer Umgehungsstraße.

Entlastung durch Umfahrung wäre gering, der Schaden groß

Man habe sich diese Entscheidung, die in einem zweiseitigen Positionspapier erläutert wird, „nicht leicht gemacht“, betonte Neulinger am Dienstag bei einem Pressegespräch: Man sehe das Bedürfnis vieler Weilheimer, von Verkehr entlastet zu werden. „Auch wir wollen Autoverkehr aus der Stadt draußen haben – aber eine Umfahrung wäre nicht das richtige Mittel dafür.“ Die Entlastung durch eine solche wäre zu gering, der Schaden zu groß, so Neulinger, der als Verkehrsreferent des Stadtrates fungiert.

Jede Trasse, ob im Westen oder Osten, würde „wertvolle Natur- und Landschaftsflächen zerstören“, warnen die Grünen. Landwirtschaftliche Flächen wären „unwiederbringlich verloren“, betroffene Naherholungsgebiete „nicht mehr wiederzuerkennen“. Auch angesichts globaler Entwicklungen wie der Erderwärmung und zunehmendem Starkregen hält die Partei diese neue Straße für „Planung von gestern“.

Argumente pro Umfahrung Weilheim seien „nicht stichhaltig“

Die vorgebrachten Argumente pro Umfahrung Weilheim sind für die Grünen „nicht stichhaltig“. Der Durchgangsverkehr sei hier mit zwölf Prozent deutlich geringer als „in klassischen Durchgangsorten“. Der Hauptteil des Verkehrs würde „auch mit einer Umfahrung nicht aus der Stadt verschwinden“, die neue Straße indes „weiteren Verkehr und Lärm anziehen“. Fazit von Fraktionsvize Brigitte Gronau: Eine Umfahrung würde „das Problem verlagern, aber sie wäre keine Lösung“. Und sie wäre „frühestens in 15 Jahren fertig“ – so lange gäbe es „null Entlastung in Weilheim, aber jede Menge Belastung“.

Grüne sehen „Unwägbarkeiten“ bezüglich Osttunnel

An „paradiesische Zustände für Radler und Fußgänger“, wie sie manche Umfahrungsbefürworter versprächen, glauben die Grünen nicht, denn die jetzige B2 im Ort, die Schützenstraße oder Obere Stadt könnten „ziemlich sicher nicht in Ortsstraßen umgewidmet werden“. Und: Der verlockende „Osttunnel“, der in offener Bauweise realisiert würde, habe „viele Unwägbarkeiten“. Auch diese Form von Umfahrung, so Gronau, wäre keinesfalls unsichtbar.

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Die nicht zu negierende Verkehrsbelastung Weilheims sei freilich nicht allein durch Radwege zu lösen, betont Neulinger. Es brauche „eine Kombination vieler Maßnahmen, um einen Zustand zu erreichen, der okay ist“. Zur „Mobilitätswende vor Ort“ gehören für die Grünen (die auch dem neuen Aktionsbündnis „Nein zum Ausbau der B 2“ angehören) innerstädtisches Tempo 30, eine „konsequente Umsetzung des vom Stadtrat beschlossenen Radwegekonzeptes“, die Prüfung möglicher Einbahnregelungen an Hauptverkehrsachsen, „Wohnen ohne Auto“ bei großen Neubauprojekten, Stundentakt für den Regionalbusverkehr und ein Bahn- Ausbau.

Weitere Informationen unter www.gruene-weilheim-schongau.de. Am 17. und 24. September planen die Grünen Infostände ab 9.30 Uhr in der Innenstadt.

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