VonDieter Dorbyschließen
Der Finanzierungsbeschluss ist gefasst, doch die Frage, wie es mit den Wandgemälden aus dem ehemaligen Gasthof Altwirt in Parsberg weitergeht, rückt jetzt erst so richtig in den Mittelpunkt. Denn auch ein Enkel eines der Abgebildeten hat sich gemeldet.
Wie berichtet, will der Trachtenverein Parsberg die drei Wandgemälde von Kunstmaler Josef Stallhofer, die seit 1939 den Saal schmücken, abtragen und sichern lassen, da das Gebäude im März 2023 abgerissen wird. Um dies finanzieren zu können, hat der Verein einen Zuschuss beantragt, dem der Miesbacher Finanzausschuss in seiner Sitzung vergangene Woche zugestimmt hat. Dabei kam heraus, dass das Bild „Miesbacher Honoratioren“ wegen zweier Personen darauf von Stadtkurator Alexander Langheiter als „nicht unproblematisch“ eingestuft wurde angesichts einer NS-Zugehörigkeit.
Zweite Bürgermeisterin hält Grundschule für ungeeignet
Für Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) ist das Thema noch nicht erledigt. In einer Mail hat sie am Samstag Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU), den Mitgliedern des Finanzausschusses sowie Langheiter und dem Kulturamt mitgeteilt, dass sie dem bisherigen Plan, das „Honoratioren“-Bild in der Grundschule Parsberg aufzuhängen, unabhängig von einem möglichen NS-Hintergrund kritisch gegenübersteht. „Den Ausstellungsort zu bestimmen, gehört nicht in die Zuständigkeit des Finanzausschusses“, stellt die Zweite Bürgermeisterin fest. Das geeignete Gremium dafür sei der Kulturausschuss oder der Stadtrat „unter Einbeziehung eines Experten und des Trachtenvereins“.
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Die Entscheidung, das umstrittene Bild zu erhalten, zweifelt sie nicht an: „Ich bin immer noch überzeugt, dass die Entscheidung des Ausschusses richtig war, alle drei Bilder zu erhalten. Und ich finde es gut, dass die Stadt dafür Geld bereit hält.“ Es seien Zeitzeugnisse, und die solle man nicht einfach vernichten.
Gesprächsrunde geplant
Um die Frage zu klären, wo das „Honoratioren“-Bild künftig zu sehen sein soll, hat Bürgermeister Braunmiller für Mittwoch zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Mit dabei sind Andreas Schöttl, Vorsitzender des Trachtenvereins d’Rohnbergler, Vertreter der Grundschule und des Kulturamts sowie Stadtkurator Langheiter.
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„Nach der Sitzung war klar, dass wir eine Lösung suchen müssen“, sagt Braunmiller auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch wolle er hören, was der Verein als Eigentümer der Bilder zur neuen Situation sagt. Denn für Schöttl ist diese Entwicklung neu, wie er gegenüber unserer Zeitung erklärt: „Davon wussten wir nichts. Wir machen jetzt aber normal weiter. Dann sehen wir schon.“ So finde in den nächsten Tagen ein Gespräch mit einer weiteren Restauratorin statt. „Es ist wichtig, dass wir mehr erfahren, wie die Bilder von der Wand gelöst werden.“
Enkel widerspricht Partei-Vorwürfen
Braunmiller will auch mehr über das Ausmaß des NS-Verdachts wissen. Dies kommt dem Enkel von Emil Hinterdobler, einem der Abgebildeten, sehr entgegen. Der Nachfahre wohnt im südlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und hat aus unserer Zeitung von dem Fall erfahren. Er sagt: „Mein Großvater war ab Juni 1938 ein Lokalschriftleiter bei den Münchner Neuesten Nachrichten. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden sie umbenannt in NS-Zeitungsblock.“ Dort sei er bis zu seinem Tode 1943 angestellt gewesen.
Was dem Enkel wichtig ist: „Es gibt in meiner Familie keine Unterlagen zur Parteizugehörigkeit oder diverser Aktivitäten. Auch gibt es glaubwürdige Aussagen von Familienmitgliedern, dass Emil nicht Parteimitglied war.“ Dies habe er der Stadt Miesbach per Mail mitgeteilt. Auch diesen Punkt gilt es damit zu klären.
ddy
