VonGerti Reichlschließen
Mit ihrer Unterschriftenaktion haben fünf Tegernseer die Debatte um das alte Feuerwehrhaus wieder angeheizt. Warum steht das Haus nicht unter Denkmalschutz? Gibt’s Alternativen zum beschlossenen Abriss?
Tegernsee – Rings um den Tegernsee haben die Initiatoren Marcus Staudacher, Petra Schmid, Isotte Herb, Barbara Staudacher und Sabine Mandl Ende Juli die Unterschriftenlisten ausgelegt. Ihre Forderung: Das Feuerwehrhaus an der Hochfeldstraße dürfe keinesfalls abgerissen werden wie vom Stadtrat bereits beschlossen (wir berichteten). Seither tragen sich Bürger in die Listen ein. Wie viele es schon sind, dazu hält sich Marcus Staudacher bedeckt: „Das kann ich schlecht beurteilen, die Aktion läuft noch.“
Währenddessen wirft die Initiative jetzt weitere Argumente in den Ring. Über allen steht der Appell an den Stadtrat und die Feuerwehr, das Projekt auf das notwendige Maß zu beschränken und anstelle eines Abbruchs und eines Neubaus, der Kosten in Höhe von rund 6,25 Millionen Euro verursachen würde (plus Kosten für eine vorübergehende Unterbringung) einen Umbau und eine Erweiterung zu planen. Staudacher findet: „Diese Lösung gibt es.“ Die im Auftrag der Stadt angefertigte Machbarkeitsstudie belege, dass der Bedarf der Feuerwehr mit einem Um- und Erweiterungsbau auf dem heutigen Gelände gedeckt werden könne. Dies würde rund 1,8 Millionen Euro weniger Kosten verursachen. „Dass der Kinderspielplatz für zeitweilig dort geplante Autos geopfert werden soll, ist aus der Zeit gefallen“, so Staudacher. Der Spielplatz sei beliebt, er liege zentral und nah an Grundschule und Kindergarten und gewinne noch an Bedeutung, wenn die Wohnungen am Quartier Tegernsee bezogen seien. „Die Autos gehören in eine Tiefgarage, gleichgültig, für welche Lösung sich der Stadtrat entscheidet.“ Die Vorteile liegen für Staudacher und seine Mitstreiter auf der Hand: „Die Feuerwehr würde bekommen, was für ihre Arbeit notwendig ist, das Feuerwehrhaus bliebe erhalten, die Kinder hätten weiter ihren Spielplatz statt einer neuen Autofläche, bei Umbau und Erweiterung ließen sich durch die Einsparung der 1,8 Millionen auch die Tiefgarage problemlos finanzieren und die durchaus berechtigten Anliegen vieler Bürgerinnen und Bürger und Familien würden berücksichtigt.“
Sind das die Lösungen, die den Stadtrat womöglich dazu bringen könnten, die Entscheidung zu kippen? Wohl kaum. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hat bereits angekündigt, dass sich der Stadtrat nicht beeinflussen lassen und eine Rolle rückwärts machen werde.“
Kommandant Wolfgang Winkler wird dieser Tage immer wieder mit der Aktion konfrontiert: „Einige Tegernseer haben sich die Mühe gemacht und sich vor Ort über die Zustände im Feuerwehrhaus informiert. Und dann haben sie sich eben nicht in die Liste eingetragen.“
Lesen Sie dazu auch: Tegernseer wollen Feuerwehrhaus doch noch retten
und Jetzt also doch: Feuerwehrhaus kommt weg
Für Winkler steht fest: „Die Zustände im Feuerwehrhaus sind schon länger gefährlich.“ Immer wieder komme es bei Einsätzen zu Beinahe-Unfällen, weil der Platz vorne und hinten nicht reiche. Alle Einsatzfahrzeuge seien angeschlagen, hätten Blessuren. Die Mängelliste im Haus werde immer länger. Umbau und Erhalt seien für ihn keine Option. Und die Zeit drängt: „Spätestens in vier Jahren muss das LF 16, Baujahr 1990, ausgetauscht werden, auch der Einsatzleitwagen muss dringend erneuert werden.“ Die Stadt sei erfreulicherweise dahinter, dass die beschlossenen Pläne schnellstmöglich umgesetzt werden. Wie berichtet, wird sich der Stadtrat nach der Sommerpause mit der durchgeführten EU-weiten Ausschreibung befassen. Dann dauert’s immer noch mehrere Jahre, bis endlich ein Neubau steht. Und dann hänge alles von der Baustelle des Quartiers Tegernsee nebenan ab. „Erst wenn die fertig sind, können wir bauen.“
Das sagen die
Denkmalschützer
Warum steht das 1927 erbaute Feuerwehrhaus nicht unter Denkmalschutz? „Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat das ursprünglich eingetragene Gebäude bereit 1981 wegen mangelnden Denkmalcharakters wieder aus der Liste gestrichen“, erklärt Alexandra Beck, stellvertretende Pressesprecherin des Landesamts. 2014 habe es dann eine erneute Ortsbesichtigung des zuständigen Referenten mit Bürgermeister Johannes Hagn, Kreisbaumeister Werner Pawlovsky und dem Feuerwehrkommandanten gegeben. „Es zeigte sich“, so Beck, „dass die Erkenntnis, dass keine Denkmaleigenschaft vorliegt, gerechtfertigt ist.“ Verantwortlich dafür seien die mehrfachen Umbauten: Der Zubau einer Achse nach Norden, das Absenken des Niveaus zur Vergrößerung der Tore, die rückwertige Erweiterung und die Erneuerung einiger Ausbauelemente.
Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), deren Vorstand Staudacher angehört und die den Erhalt unterstützt, ist anderer Meinung: „Es gibt so viele Elemente, die noch aus der Original-Bauzeit stammen“, sagt Vorstandsmitglied Johannes von Miller. Die Haustür, das Treppenhaus, die Malerei. Das Argument der zahlreichen Umbauten kann nicht gelten. Denn a uch die Tegernseer Kirche wurde mehrmals umgebaut. Ebenso Bauernhöfe, die unter Denkmalschutz stehen.“
Wie passt dann die Abbildung eines Atomkraftwerks in der Lüftlmalerei dazu? „Sie entstand bei einem Anbau und bildet die Folge der anderen Abbildungen“, findet von Miller. Außerdem sei das Haus von Baumeister und Architekt Lorenz Hofmann (1866-1927) errichtet worden. Etliche Villen in Tegernsee und Rottach-Egern tragen seine Handschrift. Die SGT steht voll hinter der Unterschriften-Aktion. „Es ist spät, aber nie zu spät“, so von Miller.

