VonChristina Jachert-Maierschließen
Wo jetzt das Josefheim steht, soll das Oberland Hospiz errichtet werden. Vorgesehen ist ein Neubau mit Platz für zwölf Menschen am Ende ihres Lebenswegs. Geht alles nach Plan, kann das neue Haus im Herbst 2024 bezogen werden.
Bad Wiessee – Auch wenn es im Moment „eine wahnsinnig schwere Zeit“ sei: Die Realisierung des Oberland Hospiz will der Gmunder Rechtsanwalt Jasper von Hoerner, Vorstand der Marion-von-Tessin-Stiftung, zügig vorantreiben. Im März hatte Hoerner die Pläne, ein Hospiz in Bad Wiessee zu errichten, gemeinsam mit dem Hospizkreis Miesbach, dem Förderverein Hospiz und Bürgermeister Robert Kühn erstmals vorgestellt. Die Stiftung hat den Schwestern des Dritten Ordens des Heiligen Dominikus in Speyer das Josefheim am Löblweg abgekauft. Das alte Haus wird für den Hospiz-Neubau abgerissen. Dies allerdings erst „in letzter Minute“, wie Hoerner versichert. Schließlich diene das Haus aktuell noch als Flüchtlingsunterkunft.
Machbarkeitsstudie abgeschlossen
Hinter den Kulissen ist seit der ersten Bekanntgabe der Pläne viel passiert. „Im ersten Schritt haben wir eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen“, berichtet Hoerner. Wie hoch ist der Bedarf, wie sollen die Patientenzimmer aussehen, wie viele Räume sind insgesamt notwendig? „Wir haben uns auch eine ganze Reihe gut laufender Hospize angesehen“, meint der Stiftungsvorsitzende.
Inzwischen ist der Planungsauftrag an den Architekten erteilt. Vorgesehen sind zwölf Zimmer für Menschen in der letzten Lebensphase, dazu Büroräume für den Hospizkreis und Platz für eine Akademie. Auch Angehörige sollen hier geschult werden. Das Raumprogramm habe die Stiftung bereits mit dem Gemeinderat abgestimmt, in nicht öffentlicher Sitzung, berichtet Hoerner. Er rechne damit, dass die Pläne bald in der öffentlichen Sitzung Thema sein werden. Die Resonanz der Gemeinde habe er als sehr positiv empfunden, so der Stiftungsvorsitzende. „Aber Entscheidungen wurden noch nicht getroffen.“ Die Stiftung hoffe auf ein schnelles Genehmigungsverfahren und den Baubeginn im Jahr 2023.
Betreibergesellschaft gegründet
Mit dem Kauf des 3400 Quadratmeter großen Grundstücks und dem Neubau bereitet die Stiftung den Boden für den großen Traum des Hospizkreises. Schon seit 2017 suchen die Ehrenamtlichen – zum Vorstand gehören engagierte Ärzte – nach Möglichkeiten, ein Hospiz im Landkreis Miesbach zu realisieren. Ein Vorhaben, das auch die Waakirchnerin Gisela Hölscher bei der Gründung eines Fördervereins im Blick hatte, ebenso der Rottacher Josef Bogner. Jetzt fügt sich alles zusammen. Der Hospizkreis und der Förderverein haben gemeinsam mit der Stiftung die Oberland Hospiz gGmbH gegründet. Sie wird das Hospiz betreiben und hat bereits einen Geschäftsführer eingestellt.
Erfahrener Geschäftsführer für den Aufbau
Es handelt sich um Alexander Schwägerl, Geschäftsführer der Allgäu Hospiz gGmbH. „Ein absoluter Profi“, wie Hoerner sagt. Schwägerl bleibt auf seinem Posten im Allgäu, wird aber den Aufbau des Wiesseer Hospizes begleiten. Mit seiner Erfahrung und vielen Kontakten im Rücken kümmert sich Schwägerl um den Aufbau der Strukturen und die Gewinnung von Personal – die Rede ist von 25 Fachkräften. „Ich baue auch einen Geschäftsführer auf“, sagt Schwägerl. Läuft der Betrieb, wird sich Schwägerl wieder verabschieden. Wenn es gelinge, den Bau nächstes Jahr an den Start zu bringen, könnte das Hospiz im Herbst 2024 oder Frühjahr 2025 öffnen, meint Schwägerl.
Vorsitzender des Fördervereins ist Josef Bogner, Hölscher gehört als Schriftführerin dem Vorstand an. Bogner hatte erst in anderer Sache Kontakt mit dem Stiftungsvorsitzenden Hoerner und fädelte vieles ein. Die Begegnung mit dem Vertreter der Tessin-Stiftung sei „ein Glücksfall“ gewesen, sagt Bogner. Und die gemeinsamen Pläne „eine tolle Geschichte“.
Spendenaktion geplant
Um sie wahr werden zu lassen, plant der Förderverein im Verbund mit dem Hospizkreis eine Spendenaktion. Die Homepage www.foerder verein-oberlandhospiz.de ist online, bald wollen die Förderer auf breiter Front um Unterstützung bitten. Zwar sind die Betriebskosten größtenteils durch die Krankenkassen gedeckt und der Bau durch die Stiftung finanziert, aber für die Ausstattung und auch für den Betrieb bleibt eine Lücke. Das Spendenziel ist hoch gesetzt: Eine Million Euro soll zusammenkommen.
