Lenggries macht es vor: Dort betreibt Birgitta Opitz seit Jahren ihren Verein „Nur a bisserl Zeit“, um alten Menschen zu helfen. Die Gaißacher Bürger wollen nun nachziehen.
Gaißach – Das Interesse ist da. 17 Interessierte haben jetzt in Gaißach an einer Informationsveranstaltung teilgenommen, bei der es um die Gründung einer Privatinitiative ging, die alten und hilfsbedürftigen Menschen im Dorf bei der Bewältigung ihres Alltags hilfreich zur Seite steht. Eingeladen hatte dazu die Gemeinde, vertreten durch Bürgermeister Stefan Fadinger und die Gemeinderätinnen Susanne Merk und Renate Schlosser.
Einmütiger Tenor bei diesem Treffen: „Ja, wir machen das“. Und ein griffiger Name für das gemeinnützige Projekt für einen noch besseren Zusammenhalt im Dorf wurde auch schon gefunden: „Füreinander“. Es war zwar noch keine formelle Gründungsversammlung, doch man wurde dabei schon so konkret, dass man diesen 13. Dezember mit Fug und Recht als Start für eine Gaißacher Senioren- und Nachbarschaftshilfe ansehen kann. Gleichsam als Geburtshelfer für das Vorhaben waren Birgitta Opitz und Regina Weindl vom Lenggrieser Verein „Nur a bisserl Zeit“ gekommen, die die Anwesenden nicht nur umfassend informiert, sondern ihre Mission auch eindrucksvoll glaubwürdig verkörpert haben.
Selbst auf dem Land ist heute der familiäre Zusammenhalt nicht mehr in jedem Falle gegeben: Wohnmobilität, zunehmende Überalterung der Gesellschaft, Krankheit, Vereinsamung und Altersarmut bringen heute immer mehr Betroffene und Angehörige in seelische und finanzielle Nöte. Angesichts eines niedrigen Rentenniveaus und sehr hoher Mietkosten muss auch bei uns die Redensart vom „reichen Land“ vielen Menschen wie blanker Hohn vorkommen.
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Birgitta Opitz und Regina Weindl erläuterten die Grundsätze der Lenggrieser Initiative: „Es geht uns um die Würde des Menschen, wir helfen rein ehrenamtlich ohne Ansehen der Person, wir nehmen uns Zeit und schenken diese Zeit einem anderen Menschen.“ Finanzielle Hilfen gewähre ihre Organisation nur, wenn eine besondere Bedürftigkeit amtlicherseits bestätigt wird. Haushaltshilfen fallen nicht in ihren Bereich, aber sie helfen bei der Vermittlung solcher Kräfte. Und sie haben ein Spendenkonto mit dem Nachweis der vereinsrechtlichen Gemeinnützigkeit, bei dem „jeder Spender sicher sein kann, dass sein Geld bedürftigen Menschen zugutekommt und im Dorf bleibt“.
Die Gaißacher Gemeinderätinnen Susanne Merk und Renate Schlosser informierten darüber, dass es aus dem Dorf bereits erste Anfragen nach Unterstützung gäbe. Gewünscht würden zum Beispiel Besuchsdienste, Arztfahrten, Einkaufshilfen und Tagesmütter. Beide erklärten sich bereit, ab sofort unter ihren privaten Telefonanschlüssen als persönliche Ansprechpartner für Hilfesuchende zu fungieren: Merk unter 0 80 41/7 31 58 und Schlosser unter 0 80 41/4 13 42. Ihnen ist es wichtig, ein größeres Helferteam aufzubauen und die Hilfen auf möglichst viele Schultern zu verteilen.
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Dabei wollen sie auch die Empfehlungen von Birgitta Opitz und Regina Weindl übernehmen, mit möglichst vielen anderen Partnern zu kooperieren, zum Beispiel mit Ärzten, Ämtern, Pfarreien und dem VdK. Einen ganz hohen Stellenwert soll natürlich auch der Datenschutz haben: Anderen Menschen die eigene Hilfsbedürftigkeit einzugestehen, fordere viel Überwindung und setze ein hohes Maß an Vertrauen voraus, betonte Susanne Merk und machte deutlich, dass bei allen Kontakten, Beratungen und Hilfeleistungen der „Grundsatz der absoluten Verschwiegenheit“ gelten müsse.
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rbe