Nach der Signa-Pleite

„Ewig furchtbar“: Stadträte verzweifeln an Benko-Schandfleck – Partei will Sofortmaßnahme

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Wenig Aufwand, große Wirkung: Die ÖDP-Fraktion will die Brachfläche vor der Benko-Ruine mitten in der Fußgängerzone wiederbeleben.

München – Es geht voran. Zwar nur langsam, aber stetig. Gerade erst kann Norbert Abel, der Insolvenzverwalter der Signa Prime, einen neuen Erfolg verbuchen. Das Kaufhaus „Tyrol“ in René Benkos Heimatstadt Innsbruck hat einen neuen Besitzer gefunden. Er stammt, wie es die Immobilien Zeitung nennt, „aus dem Dunstkreis der Eigentümerfamilien von Peek & Cloop Düsseldorf“. Der Deal ist gut für die Tiroler Alpenmetropole. Für München bleiben solche guten Nachrichten weiter aus.

Links die Realität, rechts der ÖDP-Vorschlag im Stadtrat für die brachliegende Baustelle in der Fußgängerzone.

An den Stillstand nach dem Zusammenbruch des Signa-Imperiums wird jeder erinnert, der durch Fußgängerzone bummelt. Dort liegt die Signa-Prime-Baustelle der Alten Akademie seit November 2023 brach. Dieser traurige Zustand wurde nicht viel besser, als 2024 die Container weggeräumt wurden.

Trauriger Ist-Zustand: So sieht es derzeit in der Fußgängerzone aus.

ÖDP schlägt eine schnelle und pragmatische Lösung für die Münchner Fußgängerzone vor

Ein Anblick, den die ÖDP im Stadtrat nicht länger ertragen mag. Sie hat einen Antrag eingereicht, um die tristen Flächen im Herzen der Stadt aufzuhübschen und besser zu nutzen – mit einer „schnellen und pragmatische Lösung“. Die Lokalpolitiker schlagen vor, die Aufenthaltsqualität mit modularen, kostengünstigen Elementen zu verbessern. „Portable Kleinbäume könnten Schatten spenden und das Mikroklima verbessern. So würde die Innenstadt wenigstens punktuell wieder lebenswerter“, heißt es in dem Antrag. Eine Grafik zeigt anschaulich, was möglich wäre.

Der Vorschlag der ÖDP-Fraktion: mehr Aufenthalts-Qualität durch Bäume und Bänke.

Auf tz-Anfrage holt ÖDP-Fraktionschef Tobias Ruff nochmal aus: „Der Vorplatz der Alten Akademie schaut schon ewig einfach furchtbar aus.“ Viele Bürger würden sich für den Zustand der Innenstadt schämen. „Dank Herrn Benko gibt es in der guten Stube der Stadt Bauzäune, Beton, Dreck und Stillstand statt Lebensqualität. München darf nicht länger unter den privaten Renditeinteressen von Spekulanten leiden!“ Vor allem, weil völlig unklar ist, wie lange Bürger und Touristen die hässlichen Benko-Hinterlassenschaften noch ertragen müssen. Das gilt für den historischen Hertie am Bahnhof wie für den alten Karstadt an der Schützenstraße und auch die Alte Akademie.

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Noch bis 2079 liegt auf dem Gebäudekomplex eine Erbpacht

Wie berichtet, laufen hinter den Kulissen Gespräche zwischen dem Freistaat, den Gläubiger-Banken Sparkasse und Bayern LB und den möglichen Investoren, die mit weniger als einer Hand abgezählt werden können. Das Problem: Auf dem Gebäudekomplex liegt eine bis 2079 laufende Erbpacht. 2013 hatte es der damalige Finanzminister und heutige Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an die Signa verpachtet.

Schluss mit klassischem Wohnen und Hausbau: Acht alternative Wohnformen in Bayern

Der Wohnraum wird knapper und teurer. Hinzu kommt das steigende Bedürfnis der Menschen nach Nachhaltigkeit und Autarkie. Als Lösung entstehen die verschiedensten alternativen Wohnformen – auch in Bayern. Von den auf Nachhaltigkeit und Autarkie ausgelegten Ökodörfern und Earthships über schnell aufgebaute Fertighäuser bis hin zu Tiny House Siedlungen, die Wohnraum maximal effizient nutzen: Hier finden Sie eine Reihe alternativer Wohnformen, die auch im Freistaat am Kommen sind.
Der Wohnraum wird knapper und teurer. Hinzu kommt das steigende Bedürfnis der Menschen nach Nachhaltigkeit und Autarkie. Als Lösung entstehen die verschiedensten alternativen Wohnformen – auch in Bayern. Von den auf Nachhaltigkeit und Autarkie ausgelegten Ökodörfern und Earthships über schnell aufgebaute Fertighäuser bis hin zu Tiny-House-Siedlungen, die Wohnraum maximal effizient nutzen: Hier finden Sie eine Reihe alternativer Wohnformen, die auch im Freistaat am Kommen sind. © Rolf Poss / teamwork / Stephan Görlich / Westend61 / IMAGO / Merkur-Collage
Im Jahr 2022 kam fast jedes vierte Einfamilienhaus vorgefertigt aus der Fabrik (Quelle: Statistisches Bundesamt).
Im Jahr 2022 kam fast jedes vierte Einfamilienhaus vorgefertigt aus der Fabrik (Quelle: Statistisches Bundesamt). Der Trend der Fertighäuser ist damit unverkennbar, er disqualifiziert sie fast für diese Fotostrecke der kuriosen Wohnmöglichkeiten. Aber eben nur fast – denn kurios mutet es noch immer an, wenn das Eigenheim für die Familie aus der Fabrik kommt und zusammengesetzt wird wie die Legosteine in den Kindheitstagen. Doch genau darum geht es bei den Fertighäusern: Sie werden in Einzelteilen zum gewünschten Ort gebracht, dort fix zusammengesetzt – von Vertragsunterzeichnung bis Montage dauert es gerade einmal sechs bis acht Monate – und fertig ist das Haus. Günstiger als die klassische Variante ist es auch noch. Schnell, preiswert und unkompliziert: die beliebten Stichworte des heutigen Wohnungsmarktes. © Rolf Poss / IMAGO
Dieses Haus ist noch schneller fertig als das Fertighaus – denn es kommt direkt aus dem 3D-Drucker. Im schwäbischen Weißenhorn stand 2021 das erste Mehrfamilienhaus Europas, das aus dem 3D-Drucker kam – inzwischen wohnen Menschen darin. Der Vorteil eines Hauses aus dem Drucker ist vor allem, dass es deutlich schneller geht als beim klassischen Bau. Hinzu kommt, dass umständlichere Designs leichter umzusetzen sind und die Isolation für gewöhnlich deutlich besser ist: In Zeiten hoher Energiekosten ein nicht unwichtiger Faktor. Nur beim Preis scheiden sich die Geister – zwar stimmt es, dass ein Haus aus dem 3D-Drucker grundsätzlich kostengünstiger wäre, nur die hohe Nachfrage nach den so notwendigen wie raren Fachkräften treibt die Preise in die Höhe.
Dieses Haus ist noch schneller fertig als das Fertighaus – denn es kommt direkt aus dem 3D-Drucker. Im schwäbischen Weißenhorn stand 2021 das erste Mehrfamilienhaus Europas, das aus dem 3D-Drucker kam – inzwischen wohnen Menschen darin. Der Vorteil eines Hauses aus dem Drucker ist vor allem, dass es deutlich schneller geht als beim klassischen Bau. Hinzu kommt, dass umständlichere Designs leichter umzusetzen sind und die Isolation für gewöhnlich deutlich besser ist: In Zeiten hoher Energiekosten ein nicht unwichtiger Faktor. Nur beim Preis scheiden sich die Geister – zwar stimmt es, dass ein Haus aus dem 3D-Drucker grundsätzlich kostengünstiger wäre, nur die hohe Nachfrage nach den so notwendigen wie raren Fachkräften treibt die Preise in die Höhe. © teamwork / IMAGO
Earthships (hier am Beispiel eines Fotos aus Puerto Rico) ist ein Konzept, wonach die Gebäude völlig autark sind. Sie bestehen ausschließlich aus natürlichen und recycelten Materialien (zum Beispiel Autoreifen) und sind in Bezug auf Wärme, elektrische Energie, Wasser und Abwasser völlig autark. Das Konzept, ursprünglich in den USA aufgekommen, gibt es inzwischen in immer mehr Ländern. Auch im mittelfränkischen Erlangen befinden sich Earthships in Planung.
Earthships (hier am Beispiel eines Fotos aus Puerto Rico) ist ein Konzept, bei dem die Gebäude völlig autark sind. Sie bestehen ausschließlich aus natürlichen und recycelten Materialien (zum Beispiel Autoreifen) und sind in Bezug auf Wärme, elektrische Energie, Wasser und Abwasser völlig autark. Das Konzept, ursprünglich in den USA aufgekommen, gibt es inzwischen in immer mehr Ländern. Auch im mittelfränkischen Erlangen befinden sich Earthships in Planung.  © Pond5 Images / IMAGO
Auch in Bayern gibt es sogenannten Ökodörfer (Foto zeigt die Gemeinde Beetzendorf in Sachsen Anhalt), zum Beispiel die Gemeinschaft Sulzbrunn. Hier bilden Menschen eine Wohngemeinschaft, bei der Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Bei einem Ökodorf ist es zudem wichtig, dass die meisten Lebensbereiche – wenn nicht gar alle – im Rahmen des Gemeinschaftslebens stattfinden. Also zum Beispiel Arbeit, Bildung, Freizeit, soziale Absicherung, Produktion usw. Fast immer sind Ökodörfer daher landwirtschaftlich ausgerichtet und unterscheiden sich stark von den etablierten arbeitsteiligen Gesellschaften der westlichen Welt.
Auch in Bayern gibt es sogenannten Ökodörfer (Foto zeigt die Gemeinde Beetzendorf in Sachsen-Anhalt), zum Beispiel die Gemeinschaft Sulzbrunn. Hier bilden Menschen eine Wohngemeinschaft, bei der Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Bei einem Ökodorf ist es zudem wichtig, dass die meisten Lebensbereiche – wenn nicht gar alle – im Rahmen des Gemeinschaftslebens stattfinden. Also zum Beispiel Arbeit, Bildung, Freizeit, soziale Absicherung, Produktion usw. Fast immer sind Ökodörfer daher landwirtschaftlich ausgerichtet und unterscheiden sich stark von den etablierten arbeitsteiligen Gesellschaften der westlichen Welt. © Wolfram Weber / IMAGO
In den letzten Jahren waren sie so oft in den Medien vertreten, wie kaum eine andere alternative Wohnform: Tiny Houses. Meist gibt es sie im Rahmen ganzer Siedlungen. Sinn und Zweck des Ganzen sind platzsparendes und damit vor allem preiswertes Wohnen, oft verbunden mit weitgehender Energie-Autarkie, beispielsweise durch installierte Solarpanel auf dem Dach. Tiny Houses biten flächenmäßig nur wenig Wohnraum, durch eine effiziente, oft mehrstöckige Aufteilung sowie mittels multifunktionaler Möbel, die sich im Handumdrehen verstellen oder verschieben lassen, holen die Bewohner das Maximum aus dem Platz heraus. Für viele Experten stellen Tiny Houses daher das Wohnen der Zukunft dar.
In den letzten Jahren waren sie so oft in den Medien vertreten, wie kaum eine andere alternative Wohnform: Tiny Houses. Meist gibt es sie im Rahmen ganzer Siedlungen. Sinn und Zweck des Ganzen sind platzsparendes und damit vor allem preiswertes Wohnen, oft verbunden mit weitgehender Energie-Autarkie, beispielsweise durch installierte Solarpanele auf dem Dach. Tiny Houses bieten flächenmäßig nur wenig Wohnraum, durch eine effiziente, oft mehrstöckige Aufteilung sowie mittels multifunktionaler Möbel, die sich im Handumdrehen verstellen oder verschieben lassen, holen die Bewohner das Maximum aus dem Platz heraus. Für viele Experten stellen Tiny Houses daher das Wohnen der Zukunft dar. © Stephan Görlich / IMAGO
Auch ein Trend, der gerade auf der Überholspur unterwegs ist: Kleingärten, beziehungsweise Schrebergärten. Die Flucht ins Grüne, auch mitten in der Stadt, ist für viele Menschen verlockend. Hinzu kommt, dass der Garten rund um die Laube feines, selbst angebautes Gemüse ermöglicht. Ein Stück Autarkie im konsumgeprägten Leben. Die Nachfrage nach den Lauben in Kleingartensiedlungen ist daher enorm hoch, da die Pachtkosten meist sehr niedrig sind. Einen Haken gibt es aber: Dauerhaft wohnen dürfen die Besitzer und Mieter in den Schrebergärten nicht – das verbietet das Gesetz. Wie viele Menschen sich daran halten, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier.
Auch ein Trend, der gerade auf der Überholspur unterwegs ist: Kleingärten, beziehungsweise Schrebergärten. Die Flucht ins Grüne, auch mitten in der Stadt, ist für viele Menschen verlockend. Hinzu kommt, dass der Garten rund um die Laube feines, selbst angebautes Gemüse ermöglicht. Ein Stück Autarkie im konsumgeprägten Leben. Die Nachfrage nach den Lauben in Kleingartensiedlungen ist daher enorm hoch, da die Pachtkosten meist sehr niedrig sind. Einen Haken gibt es aber: Dauerhaft wohnen dürfen die Besitzer und Mieter in den Schrebergärten nicht – das verbietet das Gesetz. Wie viele Menschen sich daran halten, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier. © Westend61 / IMAGO
Quadratmeter und Besitz reduzieren und ab auf den Campingplatz – für viele Menschen in Bayern wird dieser Schritt regelmäßig zur Realität. Als Dauercamper leben sie dann neben anderen Dauercampern und Touristen. Auf der einen Seite hat man so das ganze Jahr über ein vielfältiges Freizeitangebot, eine oft eingeschworene Nachbarschaft und lebt meist nah an der Natur. Auf der anderen Seite steht natürlich der Verzicht auf verschiedene Komforts, im Winter gibt es zum Beispiel oft kein fließendes Wasser auf Campingplätzen. Im Gegensatz zum Wohnen im Schrebergarten ist das Dauercamping aber – wenn auch bürokratisch kompliziert – ganz legal.
Quadratmeter und Besitz reduzieren und ab auf den Campingplatz – für viele Menschen in Bayern wird dieser Schritt regelmäßig zur Realität. Als Dauercamper leben sie dann neben anderen Dauercampern und Touristen. Auf der einen Seite hat man so das ganze Jahr über ein vielfältiges Freizeitangebot, eine oft eingeschworene Nachbarschaft und lebt meist nah an der Natur. Auf der anderen Seite steht natürlich der Verzicht auf verschiedene Komforts, im Winter gibt es zum Beispiel oft kein fließendes Wasser auf Campingplätzen. Im Gegensatz zum Wohnen im Schrebergarten ist das Dauercamping aber – wenn auch bürokratisch kompliziert – ganz legal. © Kickner / IMAGO
Auch Hausboote gibt es in Bayern – zwar nicht so verbreitet, wie beispielsweise in Hamburg oder den Niederlanden, doch an den meisten größeren Gewässern sind auch im Freistaat welche zu finden. Meistens werden sie aber als Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber angeboten. Vereinzelt gibt es aber auch Menschen, die dauerhaft in einem Hausboot wohnen. Für sie sind die Nähe zu Natur und Wasser, die gute Luft und die meist preiswerten Miet-/Wohnkosten die Hauptgründe für das Leben im Hausboot.
Auch Hausboote gibt es in Bayern – zwar nicht so verbreitet, wie beispielsweise in Hamburg oder den Niederlanden, doch an den meisten größeren Gewässern sind auch im Freistaat welche zu finden. Meistens werden sie aber als Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber angeboten. Vereinzelt gibt es aber auch Menschen, die dauerhaft in einem Hausboot wohnen. Für sie sind die Nähe zu Natur und Wasser, die gute Luft und die meist preiswerten Miet-/Wohnkosten die Hauptgründe für das Leben auf dem Hausboot. © imagebroker / IMAGO

Damals flossen 230 Millionen Euro. Würde der Freistaat die Akademie zurücknehmen, müsste er dem Vernehmen nach etwa 200 Millionen zurückzahlen. Der mögliche Vorteil: Der Freistaat könnte das Gebäude dann frei verkaufen und sich leichter tun als der Signa-Insolvenzverwalter, der an den alten Pachtvertrag gebunden ist. Aber: Verluste sind wohl nicht zu vermeiden. Zuletzt soll ein Angebot über 180 Millionen für die Alte Akademie vorgelgen haben. Zum Vergleich: Beim Kaufhaus „Tyrol“ sollen 140 Millionen Euro geflossen sein. 100 Millionen weniger als der Wert, der laut IZ noch im Jahr 2022 geschätzt wurde.

Rubriklistenbild: © ÖDP

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