Wie es mit der Waakirchner Ortsmitte weitergeht, entscheiden am 7. Juli die Bürger. Die Gemeinde hat nun eine Informations-Offensive zu ihren Plänen gestartet. Dabei kam es auch zu einem heftigen Schlagabtausch.
+++ Bürgerentscheid in Waakirchen zur Dorfmitte: Ergebnis und Infos im Live-Ticker +++
Waakirchen – Es ist im wahrsten Sinne ein zentraler Punkt: die Frage nach der Neugestaltung der Waakirchner Ortsmitte. Die Gemeinde plant auf dem Areal zwischen Bäckervoitl-Anwesen und Sparkasse – bislang eine Wiese mit altem Baumbestand – einen Dorfplatz mit Wohn- und Geschäftsgebäuden sowie einer Tiefgarage. Kritiker des Projekts halten die Bebauung für zu massiv und haben einen Bürgerentscheid erwirkt, der die aktuelle Planung stoppen soll. Mit einem Ideenwettbewerb sollen angemessenere Möglichkeiten gefunden werden. Dem hat der Gemeinderat ein Ratsbegehren entgegen gestellt, das die Fortführung der Planung vorsieht. Zum Auftakt des Ratsbegehrens lud Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) jetzt zu einem Informationsabend unter dem Motto „Dialog Neue Dorfmitte“. Ein Modell und ausgehängte Pläne vermittelten den Bürgern ein Bild von der neuen Dorfmitte.
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„Unser Ziel ist die Gestaltung eines Dialogprozesses mit den Bürgern“, betonte Projektleiter Daniel Schreyer vom Münchner Kommunikationsunternehmen Hendricks & Schwartz. Man wolle Kritik und Ideen der Bürger aufnehmen. Zu diesem Zweck sind bis zum Abstimmungstag insgesamt zehn Termine angesetzt: Ortsbegehungen, zwei Themenabende und vier Stammtische in den einzelnen Ortsteilen. „Die Bürger müssen nicht zu uns kommen, sondern wir kommen zu ihnen.“ Auch auf der Internetseite der Gemeinde werden ab sofort Informationen und Pläne zugänglich gemacht, Broschüren werden verschickt.
Den Standpunkt des Bürgerbegehrens erläuterte anschließend Michael Futschik: „Das Gelände ist zu wertvoll, um es unbedacht und ohne Weitsicht zu bebauen.“ Allenfalls eine mäßige Bebauung halten er und seine Mitstreiter für angemessen: zwei bis maximal drei Wohnhäuser; die Einrichtung eines Bürgerhauses mit einem Café und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Sinne von Coworking. Oder ein Heimatmuseum mit Café und Wohnungen in Kombination mit einem Dorfplatz. Ein anderer Entwurf sieht den gänzlichen Verzicht auf Gebäude vor. Stattdessen würde hier ein Plateau als Begegnungsstätte und ein dazugehöriger Parkplatz geschaffen. „Die geplante Bebauung entspricht nicht dem dörflichen Charakter“, kritisierte Futschik das Projekt der Gemeinde. Für Wohnraum stünden alternative Flächen zur Verfügung; die Kosten seien zudem unverhältnismäßig hoch.
Eine Lanze für die neue Ortsmitte brach CSU-Gemeinderat Georg Rausch. „Wir wollen durch das ergänzende gewerbliche und soziale Angebot den Ortskern beleben“, erklärte er. Arztpraxen, Läden, ein Restaurant und Café sollen auch Kunden von außerhalb anlocken. Ausstellungsräume und ein Jugendtreff oder eine Bibliothek sollen ebenfalls Platz finden. Man erhoffe sich auch positive Wirkung auf den Tages- und Fahrradtourismus, sagte Rausch. Mit der Schaffung von 24 bis 27 Wohnungen entstehe zudem bezahlbarer Wohnraum für junge Leute, Familien und besonders für Senioren. „Wir reden immer von einem Ortskern: Das ist aber nur ein Straßenzug. Einen Dorfplatz hat Waakirchen nicht“, argumentierte Rausch. Platzkonzerte oder der Adventsmarkt könnten in der neuen Ortsmitte attraktiver ausgerichtet werden. „Das Projekt ist durchgerechnet, die Finanzierung gesichert“, versicherte Rausch.
Abschließend erläuterte Architekt Hans Hagleitner die Details der aktuellen Pläne. Dabei kam es eingangs zu einem heftigen Wortwechsel, als Hagleitner Futschik eine wiederholte Falschdarstellung von Fakten vorwarf. „Ich lasse mich nicht angreifen und provozieren“, war dessen hitzige Reaktion. Projektleiter Schreyer hatte Mühe, die Situation wieder zu beruhigen. „Als ‚grüne Lunge‘ war das nie gedacht“, rechtfertigte der Architekt seine Planung; die Fläche sei außerdem heute der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Zwar müssten neun Bäume für das Projekt gefällt werden, dafür würden anschließend 19 Großbäume nachgepflanzt.
Stefan Gernböck