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Pendler mussten am Montag starke Nerven beweisen. Die Bahnstreiks legten auch im Landkreis viele Strecken lahm.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Vier Stunden. So lange brauchte am Montagmorgen eine Pendlerin vom Tölzer Bahnhof in die Münchner Innenstadt. Auch sonst waren die Auswirkungen des Bahn-Streiks auf den Zugverkehr der Bayerischen Oberlandbahn „massiv“, wie es Christopher Raabe formulierte.
Nach Angaben des BOB-Sprechers fuhren am Montagmorgen nur vereinzelt Züge. Die meisten Verbindungen zwischen Lenggries und dem Münchner Hauptbahnhof fielen dem Warnstreik zum Opfer, zu dem die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) aufgerufen hatte. Zwar traten die Angestellten der BOB nicht in den Ausstand. „Aber weil die DB Netz AG unter anderem alle Fahrdienstleiter stellt, konnten auch die Züge der privaten Unternehmen nicht wie gewohnt fahren.“ Auch die Stellwerke waren bestreikt worden.
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Der Tölzer Florian Holnburger und andere Pendler konnten deshalb ihr Glück kaum fassen, als am Montagmorgen pünktlich um kurz vor 6 Uhr die BOB in den Tölzer Bahnhof einfuhr. Doch die Freude währte nicht lange: Eine Schaffnerin erklärte, dass der Zug nur bis Holzkirchen fahren könne. „Ich habe mich dann spontan dazu entschieden, von zuhause aus zu arbeiten“, sagte Holnburger. Einige folgten seinem Beispiel, andere stiegen auf das Auto um. Eine Pendlerin aber wagte die Bahnreise nach München. Über eine WhatsApp-Gruppe erfuhr Holnburger später, dass die Frau vier Stunden lang brauchte, bis sie in München ankam. „Eine echte Odyssee.“
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Auch nach dem Streikende um 9 Uhr kam es bis in den Nachmittag hinein zu Verspätungen und weiteren Ausfällen. „Die Züge mussten erst wieder in die nach Fahrplan vorgegebene Position gebracht werden“, sagte Raabe. Besonders ärgerlich für viele Pendler: Die Verbindungsauskunft in einer App der BOB war zeitweise wegen einer technischen Störung nicht verfügbar.
Hart getroffen hat es auch Zugreisende, die am Montagmorgen von Kochel am See aus mit der Deutschen Bahn nach München fahren wollten. „Die Regionalzüge waren komplett eingestellt“, sagte ein Sprecher der Bahn. Allein im Münchner Großraum hatten etwa 400 Fahrdienstleiter ihre Arbeit niedergelegt. „Es tut uns natürlich leid um die Fahrgäste. Aber uns blieb nichts anderes übrig“, sagte EVG-Sprecher Isidoro Peronace.
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Kochels Bürgermeister Thomas Holz ist hin- und hergerissen, wenn er solche Äußerungen hört. Zwar hätten Streiks ihre Berechtigung. Sie förderten aber nicht gerade die Bemühungen des Landkreises, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen. „Das ärgert mich ein bisschen.“ Auch die Pendler würden auf eine „harte Geduldsprobe“ gestellt. Die meisten Betroffenen aus Kochel zeigen Holz zufolge kein Verständnis dafür, dass die Tarifverhandlungen auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden.
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