Performance

Warum sich in der Wandelhalle Studenten in Badekleidung auf dem Boden räkeln

+
Die gut einstündige Performance in der geschlossenen Wandelhalle war ungewöhnlich, aber eindrucksvoll. Unter anderem wurde der Vorraum der Halle zur Liegewiese, inklusive des Geräuschs von plätscherndem Wasser.

In der Tölzer Wandelhalle wurde nun wieder „gewandelt“. Anlass war ein Kunstprojekt, durchgeführt von 28 Studenten der Hamburger Hochschule für bildende Künste unter der Leitung von Professorin Michaela Melián aus Eurasburg.

Bad Tölz – Zwölf Tage lang hatten ihre Studenten in Bad Tölz ortsbezogene Performances und Aktionen entwickelt, die sie unter dem Titel „Drinking and Loitering with/Trinken und Wandeln mit. . .“ am Freitag der Öffentlichkeit präsentieren. Den Zugang zur Wandelhalle ermöglichte ihnen die „Galerie für Landschaftskunst“ von Florian Hüttner und Stephan Dillemuth. Melián freute sich, in der geschichtsträchtigen Halle ein Seminar abhalten zu können. Die Studenten, junge Frauen und Männer aus aller Welt, seien „megabegeistert“ gewesen. Für die Performance habe man nur Materialen benutzt, „die wir hier vorfanden“, sagte Melián.

Lesen Sie auch: Hunde üben im ehemaligen Alpamare den Ernstfall

Die gut einstündige Performance war ungewöhnlich. Handtücher hingen rund um die Quelle der Göttin der Gesundheit, Hygieia. Immer mehr Studenten in Badekleidung legten sich zu Füßen der Statue auf Handtücher, lasen oder dösten. Ein kleiner Lautsprecher, aus dem Wasserplätschern ertönte, wurde auf die Brust der Göttin gesetzt, so dass sie zum bronzenen Resonanzkörper wurde.

Besucher, noch spontan auf der Ludwigstraße eingeladen, kamen herein und tauchten in die Ruhe des Raumes ein. Das Areal wurde zur Liegewiese – ein Raum voller Licht und plätscherndem Wasser, die perfekte Illusion. Dann gingen die Akteure in die Wandelhalle. Auf dem Boden lag ein Band aus Salz mit dem Alpamare-Logo, und Stellwände versperrten den Besuchern den Weg. Nach einiger Zeit rollten die Studenten die Stellwände beiseite, sodass der Blick in die Wandelhalle frei wurde.

Lesen Sie auch: Filmer steigen ins verlassene Alpamare ein

In einer Nische stand ein Chor aus acht Personen. Er sang nur einen Ton, dazu ein Text auf Englisch über Wahrnehmung. Daneben malten Sonnenlicht und der Schatten von Fenstersprossen ein filigranes Bild auf eine Wand. Schließlich gab es an einem Tisch mit Laptop und Lautsprecher einen „Erzähler“. Die Vorstellung: Yannis auf dem Roller versucht, zur Quelle zu kommen. Mehrere Musikkapellen wurden gleichzeitig eingespielt – ohrenbetäubend laut. Ein Wasserfall aus Musik flutete die Halle, verzweifelte Rufe nach Yannis, der einsam in der Tiefe verschwand. Ein DJ spielte deutsche Schlager aus vergangenen Zeiten. Die Musik wurde dann zerschrammt, ja zerfetzt. Heintje schien wie in einer Achterbahn zu singen. Passend dazu gingen die Leuchter an und aus – eine unheimliche Beschwörung vergangener Zeiten.

Dann ertönten Glockenschläge. Eine lange Prozession zog durch die Halle zurück zur Quelle und beging eine Art Requiem für die alten Zeiten. An dem Band aus Salz fuhr eine Studentin mit Bechern durch das Weiß. Aus diesen Gefäßen tranken die Besucher mit den Studenten Wasser.

Eindrucksvoll hatten die Künstler dem Geist des ehemaligen Kurheilbades nachgespürt und ihn in moderner Kunst mit neuen Deutungen wiederbelebt.

Birgit Botzenhart

Kommentare