VonDieter Dorbyschließen
Die Situation ist zermürbend. Seit gut einem Jahr dient die Turnhalle des Gymnasiums in Miesbach als Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine. Und seit dieser Zeit heißt es für die Sportfachschaft der Schule wieder: Improvisieren ist angesagt.
Miesbach – „Wir haben mit großem Aufwand nach Alternativen gesucht“, sagt Fachschaftsleiter Markus Arnold. Und gefunden, wenngleich nicht um die Ecke. Für die Oberstufe (Q11/12) gibt es Schwimmen in Schliersee, Klettern in Weyarn sowie Sport in der Landkreis-Turnhalle in Hausham sowie auf deren Außenanlage. In Miesbach dienen der Sportpark Am Windfeld und die Halle der benachbarten Realschule als Ersatz. Dazu die Turnhalle des TV und Eislaufen in der Eishalle des TEV.
Der Organisationsaufwand ist groß, sagt Arnold, ebenso die Kosten. „Das Problem ist das Hinkommen. Es gibt nur wenige Busse, und die sind recht teuer.“ Deshalb schicke man gerade die älteren Schüler selbstständig nach Hausham und Schliersee. 70 Prozent des Sportunterrichts am Gymnasium konnte in die Realschulhalle verlegt werden.
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„Das vergangene Schuljahr war holprig“, sagt Arnold. Diesmal sei man besser vorbereitet. So werde das Eislaufen sechs Wochen am Stück angeboten und dann zur nächsten Klasse gewechselt. Insgesamt seien die Kollegen an der Belastungsgrenze, aber man wolle den Sport nicht ausfallen lassen. „Das wäre gerade nach Corona und zwei Jahren ohne regulären Sportunterricht ein großer Schaden“, erklärt Arnold, der als Physiotherapeut bei manchen die Folgen fehlender Bewegung erkennt.
Realschule hilft mit 50 Prozent Hallenkapazität
Betroffen von der Belegung der Gymnasiumshalle ist auch die Realschule. 50 Prozent der eigenen Dreifach-Turnhalle habe man dem Gymnasium überlassen, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Oksana Schnegelberg. Die Einschränkungen seien spürbar. So gehen die 10. Klassen zu Fuß in den Miesbacher Sportpark, da die Busmiete mit 720 Euro pro Tag bei zwei Tagen pro Woche zu teuer sei. Die 9. Klassen hätten nun nachmittags Sport, und die 7. und 8. Klassen wechselten durch: drei Wochen Sport, die vierte Woche im Klassenzimmer. In der 5. und 6. Klasse wurden die vier Wochenstunden auf zwei reduziert, „aber Sport findet statt“, sagt Schnegelberg. „Das ist uns in diesem Alter besonders wichtig.“ Die zwei anderen Stunden nutze man für Projekte wie „Lernen lernen“.
„Sport ist wichtig“
„Sport in der Schule ist wichtig“, betonen Schnegelberg und Arnold unisono und danken allen, die das Ausweichprogramm unterstützen. Man wolle, dass der Sportunterricht stattfindet – nicht nur auf dem Papier. „Viele Kinder sitzen ja nur noch am PC“, warnt Schnegelberg. „Ohne Sport geht es nicht.“ Deshalb müsse man weiter miteinander die Probleme besprechen und nach guten Lösungen suchen – „für die Schüler und die Flüchtlinge“.
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Dass das nicht einfach ist, ist Arnold bewusst. Auch dass schnell keine Änderung zu erwarten ist. „Es wird wohl noch Jahre so gehen.“ Bis in der Ukraine Frieden herrsche. Bis dahin wünscht er sich für den Unterricht eines: „Mehr Planungssicherheit wäre gut.“
ddy
