Studie eines Experten

Weilheim: Grundwasser-Pegel sinken - trotz mehr Niederschlags

+
Fachmann für Wetter und Klima: Peter Winkler aus Weilheim, der langjährige Leiter des Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg (hier bei einem Vortrag im Jahr 2019).
  • schließen

Noch ist Weilheim vergleichsweise gut mit Wasser versorgt. Doch der Grundwasserspiegel sinkt ab, warnt Dr. Peter Winkler, der langjährige Leiter der Wetterstation auf dem Hohen Peißenberg. Die Stadt müsse deshalb rechtzeitig gegensteuern.

Weilheim – Die Erforschung des Klimawandels beschäftigt Peter Winkler schon seit Jahrzehnten. Noch ehe er 1993 die Leitung des meteorologischen Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg übernahm, hatte er beispielsweise Ozonmessungen auf Forschungsschiffen initiiert. Bis zu seiner Verabschiedung aus der weltweit ältesten Bergwetterstation im Jahr 2005 veröffentlichte er fast 100 wissenschaftliche Arbeiten.

Klimawandel stellt auch Weilheim vor unerwartete Herausforderungen

Und natürlich lässt den promovierten Meteorologen dieses Thema auch im Ruhestand keine Ruhe. Im Rahmen seines Engagements bei der Weilheimer Agenda 21 hat der 81-Jährige in den vergangenen Wochen eine – wie er selbst sagt – „kleine Studie zur Niederschlags- und Grundwasserentwicklung“ vor Ort angefertigt. Und die zeigt klar: Der Klimawandel stellt auch Weilheim vor „neue und unerwartete Herausforderungen“.

Auch interessant: Nach diesem Mann wird die neue Straße im Weilheimer Westen benannt

Anhand von Daten des Deutschen Wetterdienstes und des Bayerischen Landesamtes für Umwelt untersuchte Winkler, wie sich der deutlich festzustellende Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte auf die Grundwasserstände in der Region auswirkt. Und traf dabei auf einen scheinbaren Widerspruch: Zwar ist die jährliche Niederschlagsmenge an der Station Hohenpeißenberg seit 1900 im Anstieg begriffen – was plausibel sei, da die Erwärmung der Ozeane zu erhöhter Verdunstung führe und die Niederschlagsmenge sich erhöhe. Doch die Grundwasserstände steigen paradoxerweise nicht an, so Winkler, sondern zeigen etwa seit dem Jahr 2000 eine Tendenz zur Abnahme.

Starkregen bringen wenig fürs Grundwasser

Die Zahl der Tage mit ergiebigen Regenmengen hat deutlich zugenommen, wie ein Vergleich der Jahre 1992-2022 gegenüber 1900-1930 zeigt. Ergiebige Niederschläge treten früher im Jahr auf und erreichen im Sommer und Herbst höhere Maxima, fasst der Meteorologe zusammen. Aber: „Starkregen im Sommer und deren größere Häufigkeit tragen offenbar kaum zur Grundwasserneubildung bei. Mit fortschreitendem Klimawandel bilden sich seltener Schneedecken im Winter, die Wasser bis ins Frühjahr speichern; das Wasser fließt früher ab.“ Ausgetrocknete Böden könnten den Niederschlag nicht rasch aufnehmen, weshalb ein Teil oberirdisch abfließe und nicht ins Grundwasser gelange. Zudem erhöhe die früher einsetzende und später endende Wachstumsperiode den Wasserbedarf der Pflanzenwelt.

Womöglich erscheint die Lage noch besser, als sie wirklich ist

Winkler verweist auch darauf, dass Weilheims Grundwasser nicht aus Niederschlag am Ort entstehe, sondern überwiegend mit den vom Alpenrand wegführenden Grundwasserströmen hierher gelange – mit einer Zeitverzögerung von bis zu 20 Jahren. „Wenn wir heute eine abnehmende Tendenz des Grundwasserspiegels erkennen, kann es sich sogar erst um ein Frühwarnsignal handeln, das sich mit Fortschreiten des Klimawandels verstärkt“, folgert der Forscher. Womöglich wähne man sich „zu lange auf einem besseren Stand, als er wirklich ist“.

Stadt Weilheim müsse sich „ein sorgfältigeres Bild machen“

Die abnehmenden Grundwasserpegel – so heißt es in der Studie, die dieser Tage der Stadtverwaltung und allen Stadtratsmitgliedern zuging – sollten Anlass sein, sich zu deren Entwicklung „ein sorgfältigeres Bild zu machen“. Aktuell sei die Wasserversorgungssicherheit in Weilheim „vergleichsweise gut, doch sind auch hier Engpässe mit fortschreitendem Klimawandel nicht auszuschließen“. Laut Winkler fördern Weilheims Trinkwasserbrunnen Wasser aus 18 Metern Tiefe, die Wielenbacher Brunnen reichen in 25 Meter Tiefe. Durch Trinkwasserverbünde könnten kritische Situationen beherrscht werden, „doch gibt es im Oberland Gemeinden, deren Versorgungssicherheit derzeit kritisch einzustufen ist, da sie nicht in einen Verbund integriert sind“. Winklers Fazit: „Die Tatsache, dass trotz gestiegener Niederschlagsmengen die Grundwasserspiegel die Tendenz zur Abnahme zeigen, muss nachdenklich stimmen und dazu anregen, Konzepte für den Fall zu entwickeln, wenn sich der Trend fortsetzt.“

Die Untersuchung zeige, „dass die Ressource Wasser in 20 bis 30 Jahren nicht mehr so unbegrenzt verfügbar sein wird, wie wir es aus der Vergangenheit gewohnt sind“, betonen Winkler und AK-Sprecher Peer Prechtel im Begleitschreiben des Agenda-Arbeitskreises „Stadtentwicklung“ ans Rathaus. Deshalb sollten für Weilheims Stadtentwicklung „rechtzeitig langfristige Überlegungen vorgenommen werden, wie durch Entsiegelung, Versickerung und Anlage von Zisternen die Grundwasserbildung gefördert und der Verbrauch von Grundwasser geschont werden kann“.

Kommentare