VonMagnus Reitingerschließen
Für das Wärmenetz, das in Weilheim derzeit aufgebaut wird, brauche es bereits jetzt „alternative Planungen“ – jenseits des Brennstoffs Holz. Das fordert eine lokale Initiativgruppe, der vor allem Naturwissenschaftler angehören. Diese haben eine Reihe von Fragen an die Stadt.
Weilheim – Bereits im Juni warnte die „Initiativgruppe ökologisch nachhaltige Fernwärmeversorgung Weilheim“ vor einer Übernutzung der regionalen Wälder durch das hiesige Fernwärmenetz (wir berichteten). Die Reaktion der Stadt und der Stadtwerke darauf war „mehr als enttäuschend“, kritisieren die Aktiven nun in einem weiteren Offenen Brief unter der Überschrift „Wegducken ist keine Lösung“. Stadtwerke-Chef Müller, so ihr Vorwurf, ignoriere schlicht die Kernaussage ihrer Studie, die auf Untersuchungen renommierter Wissenschaftler und Institutionen beruhe: dass nämlich weit mehr Holz für die Fernwärmeversorgung verbraucht werde als nachwachse.
Auch die Initiativgruppe ist für ein Wärmenetz in Weilheim
Man stehe hinter „dem Vorhaben der Stadtwerke, ein Wärmenetz aufzubauen“, betont die Gruppe von fünf Natur- und Forstwissenschaftlern, die teilweise auch beim „Aktionsbündnis Grüngürtel Weilheim“ aktiv sind. Doch bedürfe es „im Vorfeld einiger Weichenstellungen, damit das Netz auch dauerhaft ökologisch nachhaltig, energieeffizient und wirtschaftlich betrieben werden kann“.
Damit Holzhackschnitzel – die in der Region auf Dauer nicht ausreichend zur Verfügung stünden – tatsächlich eine „Übergangstechnologie“ für die geplanten Energiezentralen bleiben, müsse nach Ansicht der Initiativgruppe unter anderem folgende Fragen „zwingend im Vorfeld geklärt werden“: Wie wirkt sich ein durch bessere Dämmung verringerter Wärmebedarf auf die Wirtschaftlichkeit des Fernwärmenetzes aus? Aus welcher Quelle, in welcher Menge und zu welchem Preis wollen die Stadtwerke flüssiges Biomethan beziehen? Woher bezieht Gut Gossenhofen die Holzhackschnitzel, mit der es die Stadtwerke beliefern wird, und wie sollen Hackschnitzel aus dem überwiegend privaten Waldbesitz in der Region mobilisiert werden? Dazu fragt die Initiative auch: „Wie ist die resultierende Monopolstellung von Gut Gossenhofen zu bewerten? Welche Preissteigerungen sind realistisch zu erwarten?“
Fragen zu möglichen Preissteigerungen
Um nicht „Millionenbeträge für falsch ausgelegte und installierte Technik zu vergeuden“, so heißt es in dem Brief an die Stadtrats- und Kreistagsmitglieder weiter, seien „bereits jetzt ,alternative’ Planungen erforderlich“. Man müsse auch den Bedarf anderer Hackschnitzelnutzer und die mögliche Rückzahlung von Fördergeldern bei Wechsel des Energieträgers berücksichtigen. Zudem gelte es „alle Einsparpotentiale von Energie“ zu nutzen und Bürgern dafür Anreize zu bieten.
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Vom Stadtrat fordert die Gruppe, einen Arbeitskreis „Fernwärme“ in Weilheim zu bilden und dabei alle Experten für erneuerbare Energien einzubeziehen. „Es gibt viele Ingenieure, Naturwissenschaftler, Heizungsbauer und sonstige Fachleute, die gerne zu einer funktionierenden Energiewende beitragen würden.“ Der Initiative selbst gehe es „um die Erhaltung eines guten ökologischen Zustandes unseres Waldes mit seiner Biodiversität, seinem Wasser- und Nährstoffspeichervermögen sowie um unser sauberes Trinkwasser“ – und darum, „dass eine klimaneutrale, nachhaltige Wärmeversorgung Weilheims technisch und wirtschaftlich gelingt“.
