Zwischen Altstadt und Ammer

Weilheim bekommt Skulpturenweg von überregionaler Bedeutung

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Das „Geschichtsband“ von Andrea Kreipe am Mittleren Graben ist der Startpunkt für den künftigen Skulpturenweg Weilheim.
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Weilheim bekommt einen Skulpturenweg: Er soll eine künstlerische Verbindung zwischen Altstadt und Ammer schaffen und immer wieder erneuert werden. Zum Auftakt wird ein Wettbewerb für zehn Kunstwerke ausgeschrieben, die extra für Weilheim entwickelt werden.

Weilheim – Es fließen viele Energien zusammen für dieses in der Kreisstadt bislang einzigartige Projekt: Die CSU-Stadträtinnen Marion Lunz-Schmieder und Angelika Flock hatten die Idee, das Kunstforum Weilheim fing sofort Feuer und erarbeitete ein Konzept, mittlerweile sind alle nötigen Stellen und Behörden im Boot. Bereits am 3. Oktober 2023 soll feierliche Eröffnung des Skulpturenwegs Weilheim sein, der nach Überzeugung der Beteiligten überregionale Bedeutung haben wird.

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Für die Initiatorinnen wurzelt das Projekt in der 2018 gescheiterten Bewerbung Weilheims für eine Landesgartenschau. Um wenigstens die Idee zu retten, Altstadt und Ammer besser zu verbinden, wurden damals schon Haushaltsmittel für ein Kunstprojekt reserviert. Nach der Pandemie-Unterbrechung wird dieses nun Wirklichkeit – unter Federführung des Kunstforums, das immer schon Kunst in den öffentlichen Raum und nicht nur ins Museum bringen will, wie Gründer Wolf Schindler bei einem Pressegespräch im „ZwischenRaum“ erläuterte. Man wolle „zufällige Begegnungen mit der Kunst“ ermöglichen, Leben und Natur verbinden. Und man sei glücklich, dass die Idee zu diesem Skulpturenweg „direkt aus dem Stadtrat kommt“.

Bürgerpark in der Au soll durch die Kunst neu belebt werden

Bildhauerin Andrea Kreipe, vielfältig erfahren als Künstlerin wie auch als Organisatorin der Kunstmesse Weilheim, hat das Konzept dafür ausgearbeitet. Der Weg beginnt am bereits bestehenden „Geschichtsband“ am Mittleren Graben, das Kreipe selbst 2001 geschaffen hat, und führt über die „Engelssäule“ vor der Stadtpfarrkirche und die Bach-Skulptur an der Musikschule in die Au. Auf der Strecke könnten etwa bei der Kreuzkapelle und an der Kastanienallee zur Ammer neue Werke aufgestellt werden. Durch mehrere Stationen soll der 1870 angelegte Bürgerpark in der Au „durch die Kunst neu belebt und noch attraktiver werden“, so Kreipe.

Der Skulpturenweg führt in den Park in der Au

Zum Auftakt startet nun ein Wettbewerb, an dem sich alle professionell arbeitenden Künstler mit Sitz in Bayern beteiligen können. Eine Jury, der Marion Lunz-Schmieder, Wolf Schindler sowie die Bildhauer Ilse Bill, Marinus Wirtl und Josef Lang angehören, wählt Anfang März zehn Teilnehmer aus. Diese fertigen dann jeweils eine Skulptur, die mit der Stadt Weilheim und ihrer Geschichte, mit der Au, dem Wasser, der Ammer oder der Holztrift an dem Fluss zu tun haben muss. „Der Bezug zu Weilheim ist uns sehr wichtig“, betonte Bürgermeister Markus Loth beim Pressetermin.

Voller Vorfreude auf den Skulpturenweg Weilheim sind die Vertreter der Stadt und des Projektteams: (v.l.) Kunstforum-Vize Christian Bolley, Ragnhild Thieler, Wolf Schindler, Kulturamtsleiterin Jutta Liebmann, Klaus Gast, Angelika Flock, Marion Lunz-Schmieder, Bürgermeister Markus Loth und Projektleiterin Andrea Kreipe.

Die Werke bleiben im Besitz der Künstler, müssen aber mindestens zwei Jahre auf dem Skulpturenweg stehen. Die Bildhauer bekommen dafür jeweils maximal 4300 Euro Unterstützung, was laut Kreipe hauptsächlich Materialkosten bedeutet. Die Fundamente und die Aufstellung übernehmen die Stadtwerke Weilheim, unterstützt wird das Projekt zudem von der Stadt, dem Gewerbeverband und der Standortförderung. Fördermittel erhofft man sich unter anderem vom Bezirk Oberbayern, vom Landkreis und von Sponsoren aus der Wirtschaft.

Auch Schulen und Kitas sollen auf der Route wandern

Der Skulpturenweg Weilheim werde breit beworben, versprechen die Organisatoren. Eine eigene Website ist bereits freigeschaltet, darauf soll laufend über den Fortgang des Projekts und die entstehenden Werke informiert werden. Es werde einen Flyer zum Skulpturenweg, nach Möglichkeit Beschilderungen vor Ort, einen Katalog und Führungen geben. Auch Schulen und Kitas will Kreipe auf die Route locken: „Das ist lebendigster Kunstunterricht, besser kann ich mir’s nicht vorstellen.“

„Endlich haben wir uns jetzt zu diesem Schritt entschlossen“, freut sich Ragnhild Thieler, die Kulturreferentin des Stadtrats: „Ich hab’ die zeitgenössische Kunst immer im öffentlichen Raum gesehen.“ Und Kreisheimatpfleger Klaus Gast lobt, dass so „die lange Tradition Weilheims als Kunststadt, insbesondere im Bereich Skulptur, in die Zukunft geführt wird“.

Geplant ist, dass alle zwei oder drei Jahre neue Kunstwerke auf dem Skulpturenweg aufgestellt werden, entweder einzeln oder gruppenweise. Und das Projektteam, dem neben den Genannten auch der Kunstforum-Vorsitzende Stefan König sowie Finanz-Spezialistin Christine Fremmer angehören, ist sicher, dass das Angebot nicht nur eine Attraktion für Besucher von weit her sein wird. „Ich sehe es nicht nur für den Tourismus“, so Kulturreferentin Thieler. „auch die Weilheimer werden ihre Stadt wieder aus einem anderen Blickwinkel sehen“.

Nähere Informationen mitsamt der Wettbewerbs-Ausschreibung finden sich online unter skulpturenweg. kunstforum-weilheim.de

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