Gemeinschaftsausstellung des Kunstforums

Kulturell bestens aufgestellt: Werkschau im Weilheimer Stadtmuseum eröffnet

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Reiner Heidorn hielt die Einführungsrede. Rechts neben ihm stehen dritte Bürgermeisterin Angelika Flock und Susanne Kohler, die Sprecherin des Kunstforums.

Bald muss man Sorge um Plastiken haben, die bei Vernissagen im Hauptraum stehen. So eng nämlich geht es im Stadtmuseum in Weilheim zu, wenn eine Gemeinschaftsausstellung des Kunstforums eröffnet wird.

Weilheim Die Besucher staunten über die Begrüßung von Angelika Flock. Weilheims dritter Bürgermeisterin, die einen deutungsreichen Satz über die geplante Sanierung des Museums sagte: „Vielleicht gelingt es ja doch, ein Schaufenster zeitgenössischen Schaffens hier noch hinein zu bringen.“

Nach Flocks Lobeshymne aufs Kunstforum – „ein Highlight nach dem anderen“ – hielt Weilheims Großformate-Spezialist Reiner Heidorn eine Einführungsrede, welche die Perspektive weiter spannte. Er fokussierte auf Unterschiede zu den 80er Jahren, als es nur vereinzelte Künstler gab. Heute dagegen finde sich alle paar Kilometer eine Künstlervereinigung. Dies zeige: Es gehe uns kulturell so gut wie nie zu vor, aber auch wirtschaftlich, da es uns möglich ist, „unser Künstlerhobby“ zu entwickeln und öffentlich zu präsentieren. Dies erntete ein einzelnes, dafür verärgert gezischtes „Das ist kein Hobby“ im Zuhörermund.

Die Qualität der rund 50 Werke ist nicht einheitlich. Mindestens 90 Prozent des Querschnitts durchs Kunstforum (rund 70 Mitglieder) sind aber mehr als sehenswert.

Faszinierende Plastiken und poetische Glasmosaike á la Gustav Klimt

Bei den Fotos gibt es das Kanzleramt, das in Schwarz-Weiß-Verfremdung bedrohlich wirkt wie ein Raumschiff aus „Alien“ (Horst Esser), es gibt ein nicht zu enträtselndes Stahlgerüst, das himmelwärts führt (Reinhard Giebelhausen), oder irdische Naturaufnahmen, die durch Mehrfachbelichtungen zum Nachdenken anregen (Monika Propach-Voeste). Kunstforums-Sprecherin Susanne Kohler steuert den Schattenriss eines Zweiges bei, der durch seltsam-außerweltliches, blaues Licht Teil einer Filmszene sein könnte.

Faszinierend ist die Plastik „Schwebling“: In Acrylscheiben geritzte Muster wirken wie eine 3D-Gespinstwolke (Getrud von Winckler). Poetische Glasmosaiken à la Gustav Klimt schmücken die Plastik des sich umarmenden Paares von Irene Orecher. Kraftvoll dem Feuer entstiegen scheinen die Bronzen von Meike von Arndt, während „Getragen“ von Berndt Schweizer eine Figur auf den Schultern der anderen zeigt: zur Großausführung in Geretsried vorgesehen. Surreal ist das Marmor-Ei von Jakob Lukas, das in seinen halbierten Teilen einen Säugling zeigt.

Bei der Vielzahl an Gemälden ist eine Gesamtdarstellung unmöglich. Mindestens heften sich die Blicke länger an Jos Hubers Palastwand, vor deren loderndem Feuer zwei hoch elegante Figuren stehen: An Schmädls Rast-Altar orientiert und natürlich zwei „Feuer-Heilige“, Agathe und Vitus. Viele Bilder sind diesmal Linien-Strukturen verpflichtet – bunt wirbelnd bei Laszlo von Racz, geritzt bei Aloisia Fischer und zart schwebend bei Andrea Silberhorn. Zur konkreten Form findet Frank Fischer („FreiFrank“), dessen in sich gekuschelte Figur perfekt den Schlaf eines Engels abbilden könnte.

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Werkschau mit zwei besonderen Installationen

Die Vielfalt der Werkschau wird durch zwei Installationen betont: Ein Fundstücke-Kästchen blauer Objekte konfrontiert die Farbe der Romantik mit der Plastikgesellschaft (Renata Hirtl) und dadaistische Sinnsprüche auf Pappdeckeln (Thorsten Fuhrmann) verwirren. Zu lesen ist „Geh wir haben grobe Sinne“, oder schlicht „Ois“.

Info

Bis 25. August 10-17 Uhr, Sonn- und Feiertage nur 14-17 Uhr, montags geschlossen.

Von Andreas Bretting

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