Weilheim

Weg frei für Großprojekt der Handwerkskammer auf grüner Wiese

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Zwischen  Münchener Straße und FOS/BOS ist derzeit der größte Teil des Bildungszentrums Weilheim untergebracht. Jetzt will die Handwerkskammer einen großen Neubau am Narbonner Ring errichten.
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Nach einer hitzigen Diskussion hat Weilheims Stadtrat am Donnerstag den Weg frei gemacht für das Vorhaben der Handwerkskammer, am Stadtrand ein riesiges Berufsbildungszentrum zu bauen. Die Grünen stimmten geschlossen gegen das Projekt.

Weilheim – Den Neubau „braucht’s nicht“. So brachte Grünen-Vertreter Karl-Heinz Grehl die Haltung seiner Fraktion auf den Punkt. Denn auch beim jetzigen Bildungszentrum der Handwerkskammer zwischen Münchener Straße und FOS/BOS handle es sich um „eine Riesenfläche“. Es müsse „möglich sein, dort etwas zu entwickeln, was ausreicht“. Für Grünen-Sprecher Manuel Neulinger ist zwar „nachvollziehbar“, dass der Bauherr auf die grüne Wiese will, weil das einfacher sei als Um- und Neubauten im Bestand: Aber angesichts des Flächenverbrauchs sei es „gesellschaftlich nicht hinnehmbar“.

Grüne: Den Neubau „braucht’s nicht“

Die Grünen stört zudem das Vorgehen um den geplanten Neubau nördlich des Narbonner Rings, auf einem Areal, das noch größer ist als jenes der benachbarten Berufsschule: Indem die Handwerkskammer die Grundstücke bereits gekauft hat, habe sie gewissermaßen „für uns die Bauleitplanung gemacht“, kritisierte Neulinger.

Diese Argumente der Grünen brachten einen Teil der Ratsmitglieder regelrecht in Wallung. Vor allem Stefan Zirngibl (CSU), der als damaliger Kreishandwerksmeister bis 2021 selber noch in die Überlegungen der Kammer für einen Neubau involviert war, wies die Kritik vehement zurück. Die Handwerkskammer habe alle Alternativen geprüft, doch der nötige Ausbau sei am jetzigen Standort „unmöglich“. Und eine gemeinsame Nutzung von Werkstätten und Räumen mit der Berufsschule sei schon zeitlich nicht machbar, „weil diese fünf Tage pro Woche von früh bis spät belegt ist“. Deshalb sei die Kammer bereits 2017 wegen eines möglichen Neubaus außerhalb an die Stadt herangetreten. Die Flächen dafür habe man sich freilich vor der Bauleitplanung sichern müssen, „sonst wären sie nicht mehr bezahlbar“.

Unverständnis für die Einwände der Grünen

Auch Bürgermeister Markus Loth (BfW) zeigte Unverständnis für die Einwände der Grünen: „Ich verstehe nicht, mit welcher Vehemenz Sie einem neuen Bildungsstandort dagegenhalten.“ An den jetzigen Standorten im Stadtgebiet sei die Handwerkskammer „so zerfleddert, dass es nicht zielführend ist“. Gute, moderne Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Handwerker seien wichtig –und der gewünschte Standort neben der neuen Berufsschule richtig. „Wenn wir hier nicht zugreifen, wird es eine andere Stadt tun“, so der Rathaus-Chef, „das wäre ein Riesenverlust für Weilheim“.

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Tillman Wahlefeld (BfW) ergänzte, er sehe die Chance, hier einen „Handwerks-Campus“ von überregionaler Bedeutung zu bekommen, mit Ausbildung vom Lehrling bis zum Meister. Mit dem Know-How über Zukunftstechnologien lernten Handwerker dort auch „die praktische Umsetzung der Energiewende“, betonte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder. Bedenken ob der Flächenversiegelung könne er zwar verstehen, erklärte SPD-Vertreter Horst Martin. Dennoch stimme er überzeugt zu – „wegen dem, was wir damit für Handwerker in unserer Region erreichen“.

Parkplatz gemeinsam mit benachbarter Berufsschule?

Letztlich segnete die Stadtratsmehrheit den Entwurf zur Flächennutzungsplan-Änderung ab. Damit werden die Flächen für ein „Berufsbildungszentrum Narbonner Ring“ offiziell ausgewiesen. Dagegen stimmte alle sechs Grünen-Vertreter sowie Ullrich Klinkicht (WM Miteinander). Auf Drängen der ÖDP wird der Hinweis aufgenommen, dass Investor und Planer für die nötigen Autostellplätze eine Kooperation mit der Berufsschule „sorgfältig prüfen“ sollen. Ein Parkdeck dort wäre „sinnvoller und günstiger“ als eine eigene Lösung.

Rüdiger Imgart (AfD) hatte angeregt, auch eine freie Fläche zwischen Berufsschule und geplantem Handwerkskammer-Bau einzubeziehen und den Plan damit abzurunden. Doch davon riet Loth dringend ab: „Das weckt nur Begehrlichkeiten.“ Für den Neubau werde der Investor übrigens „wahrscheinlich sogar einen Wettbwerb“ ausschreiben, so der Rathaus-Chef.

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