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Nahe der Ammer in Weilheim könnte eine kleine Siedlung mit Tiny-Häusern entstehen. Auf einem städtischen Grundstück will die Stadt dort versuchsweise eine Bebauung mit den gefragten Minihäusern möglich machen.
Weilheim – Noch sind keine Details bekannt, die Planung steht erst ganz am Anfang. Doch dass im Rathaus daran gearbeitet wird, „auf städtischem Grund versuchsweise eine Tiny-Haus-Bebauung zu ermöglichen“, das verriet Stadtbauamt-Mitarbeiter Stefan Kirchmayer in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung. In dieser wurde über die Anfrage eines privaten Grundeigentümers diskutiert, ob auf seinem Grundstück am nördlichen Ende des Schießstattweges auch eine Bebauung mit drei bis vier Tiny-Häusern vorstellbar wäre. Da waren die Ausschussmitglieder eher skeptisch – nicht, weil sie solche Minihäuser grundsätzlich ablehnen würden, sondern weil an dieser Stelle, nahe den großen Wohnblocks an der Merckstraße, „eher Geschosswohnungsbau angebracht“ sei, wie es hieß (eigener Bericht folgt).
Gar nicht weit entfernt, auf der anderen Seite der Ammer, kann sich die Stadt aber sehr wohl auch Tiny-Häuser vorstellen. Und zwar im Gebiet des Bebauungsplans „Adlhochstraße“, der die Baumöglichkeiten auf einer bisher zumeist landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen der Straße „Eichtweide“ und dem „Pumpenhäuserl“ an der Ammer, nördlich der Winterstraße, regelt – und derzeit „generalüberholt“ wird. Noch im Juli sollen die Unterlagen öffentlich ausgelegt und das Änderungsverfahren somit eingeleitet werden. Ein Teil davon ist ein städtisches Grundstück, laut Stadtbauamt etwa 800 Quadratmeter groß, auf dem Tiny-Häuser ermöglicht werden sollen.
Ein Versuch, „diese neue Wohnform in Weilheim zu etablieren“
„Das ist unser Versuch, diese neue Wohnform in Weilheim zu etablieren“, sagte Kirchmayer im Bauausschuss. In den vergangenen beiden Jahren habe es im Rathaus immer wieder Anfragen in dieser Hinsicht gegeben, erläuterte der Bauamt-Mitarbeiter auf Tagblatt-Anfrage, „mit Corona ist das losgegangen“. Man wolle eine solche Bebauung „bewusst mal auf einem städtischen Grundstück ausprobieren“, so Kirchmayer weiter, „um wirklich das zu bekommen, was wir wollen“ – nämlich „eine wirkliche Wohnalternative“. Wichtig sei deshalb eine Abgrenzung zu reiner Freizeitnutzung in Form von Mobile Homes oder Ferienwohnungen.
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Für Tiny-Häuser als tatsächliche Wohnform sei man offen, bestätigt auch Bürgermeister Markus Loth (BfW) gegenüber der Heimatzeitung: „Das ist ein bisserl ein Zeittrend.“ Wie das Ganze beim Versuchsballon „Adlhochstraße“ konkret ausgestaltet werden soll, ob die Stadt den Grund dafür etwa im Erbbaurecht vergibt oder temporäres Baurecht schafft, das sei erst noch zu diskutieren. „Da sind wir noch nicht so weit“, so Loth.
Wie nachhaltig sind Tiny-Häuser eigentlich?
Laut Stadtbauamt könnte es in der September-Sitzung des Bauausschusses so weit sein. Über den Bebauungsplan „Adlhochstraße“ hinaus, gelte es grundsätzlich zu überlegen, „wo man sich Tiny-Häuser im Stadtgebiet vorstellen kann, so Kirchmayer .
Bei aller Sympathie für solche Minihäuser, die teils mobil sind und in der Regel kaum mehr als 25 Quadratmeter Wohnfläche haben, gab es auch leicht kritische Töne in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung. So sei durchaus fraglich, „wie nachhaltig Tiny-Häuser sind“, sagte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder. Und laut Stadtbaumeisterin Katrin Fischer ist bei den Planungen auch zu berücksichtigen, dass Tiny-Häuser „meist nur Wohnen auf Zeit“ seien.

