VonFranziska Konradschließen
Zehn Jahre ist seit der Wiedereinführung des WOR-Kennzeichen vergangen. Nun blickt der Verkehrsamtsleiter des Landratsamts blickt zurück.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist im Schnitt 13 Zentimeter breit und 50 Zentimeter lang: das Nummernschild mit WOR-Kennzeichen. Gerade in der Loisachstadt hat dieser Registrierungsnachweis eine besondere Historie. Inzwischen liegt die Wiedereinführung des besagten Nummernschilds zehn Jahre zurück. Georg Fischhaber, Leiter des Verkehrsreferats im Landratsamt, hat damals alles miterlebt – und aus diesem Anlass das Ganze für unsere Zeitung noch einmal Revue passieren lassen.
Ein Landkreis, zwei Kennzeichen: Wenig Bedarf an WOR-Nummernschildern – Verkehrsamtleiter zieht Bilanz
Alles begann mit der Gründung des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen 1972, im Zuge der Gebietsreform. Die Ausgabe von WOR-Kennzeichen wurde gestoppt. Ab diesem Zeitpunkt gab es nur noch TÖL-Schilder. Knapp vier Jahrzehnte später, im Sommer 2013, ging für hiesige Lokalpatrioten ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung: 60 Kfz-Altkennzeichen – darunter das Wolfratshauser – wurden im Freistaat Bayern wieder zugelassen. Hintergrundgedanke war „eine Art Identifizierung mit der Heimat“, wie Fischhaber erklärt.
Er verteilte bei einer Sonderaktion am 11. Juli 2013 in der Wolfratshauser Kfz-Stelle die ersten WOR-Nummernschilder. „Damals herrschte eine gewisse Euphorie, das Thema war in aller Munde“, erinnert sich der Leiter des Verkehrsreferats zurück. „Mit der Aktion wollten wir vom Landratsamt zeigen: Wir sind bereit und am Start.“ Der Andrang war zunächst groß. Als einer der ersten Bürger der Loisachstadt griff der damalige Rathauschef Helmut Forster zum Schraubenzieher – und montierte ein WOR-Blechschild an seinen Wagen. Seinem Beispiel folgten binnen weniger Tage gut 900 WOR-Fans. Ein Jahr später ergab eine erste Bilanz: 3710 Mal WOR und 17 104 Mal TÖL wurden innerhalb von zwölf Monaten vergeben. „Aber die Nachfrage ist relativ schnell wieder abgeflacht.“
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Junge Generation zeigt kaum Interesse an WOR-Kennzeichen – „Können sich damit eher nicht identifizieren“
Auch ein großer Umtausch hat laut Fischhaber nicht stattgefunden. Diejenigen, die ihr TÖL-Kennzeichen gegen eines mit WOR auswechselten, „kann ich an zwei Händen abzählen“. Bis heute verlangen die meisten nur nach einem Wolfratshauser Nummernschild, wenn sie ein neues Kennzeichen brauchen, etwa nach einem Autokauf. Dies sind vor allem Bürger, die den Altlandkreis noch kennen. „Jüngere können sich damit eher nicht identifizieren“, berichtet Fischhaber.
Stand heute rollen 17 553 Autos, Lkw und Motorräder mit WOR-Kennzeichen über die Straßen. Das entspricht einem Verhältnis von etwa 1:5 – mit TÖL-Kennzeichen sind aktuell 105 094 Fahrzeuge unterwegs. Bis auf den Tag existieren übrigens noch ein paar wenige Exemplare mit den Original-WOR-Nummerschildern – aus der Zeit vor der Gebietsreform 1972. Zum Beispiel in Sauerlach oder Otterfing. Beide Gemeinden gehörten ursprünglich zum Alt-Landkreis Wolfratshausen. Zum Alt-Landkreis Weilheim hingegen zählte damals etwa die Gemeinde Schlehdorf. Fischhaber verrät: „Ganz vereinzelt findet man dort deshalb noch WM-Kennzeichen, vor allem an Traktoren.“
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