Zulassung abgeschlossen

Herzkasperlzelt wieder nicht auf der Wiesn dabei – wegen eines Punktes

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Beppi Bachmaier in seinem Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn
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    Sascha Karowski
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Beppi Bachmeier und sein Herzkasperlzelt werden dieses Jahr wieder nicht auf der Oidn Wiesn beim Oktoberfest dabei sein. Im Zulassungsverfahren fehlte ein Punkt.

München – Es hat sich ausgekasperlt! Zumindest für die diesjährige Wiesn. Auch heuer soll Beppi Bachmaier sein Herzkasperl-Zelt nicht aufstellen dürfen. Laut unseren Informationen ist das Vergabe-Verfahren abgeschlossen. Die Boandlkramerei, mit der Petra und Peter Schöniger letztes Jahr ihre Premiere auf der Oidn Wiesn gefeiert hatten, hat wieder das Rennen um das Platzerl auf dem traditionellen Oktoberfest-Areal gemacht. Ganz knapp – mit einem Punkt mehr!

Oktoberfest in München: Herzkasperlzelt unterliegt der Boandlkramerei im Zulassungsverfahren

Wirte bewerben sich bekanntlich um eine Wiesn-Zulassung. Der Stadtrat entscheidet auf Grundlage eines strengen, nicht unumstrittenen Bewertungskatalogs: Wer die meisten Punkte hat, kriegt den Zuschlag. „Stammbeschicker“ etwa sind Neubewerbern gegenüber stets im Vorteil: Für fünf Wiesn-Zulassungen gibt es in dieser Kategorie je einen Punkt. Das Herzkasperl-Zelt stand seit 2010 auf der Oidn Wiesn, seit deren Geburtsstunde. Trotzdem konnten die Schönigers heuer in der Gesamtbewertung wohl einen Punkt mehr er ergattern.

Bachmaier versteht die Welt nicht mehr: „Sollten wir den Zuschlag wirklich wegen eines Punktes nicht bekommen, wäre das sehr komisch.“ Offiziell habe die Stadt ihm und seinem Geschäftspartner Martin Jonas, künstlerischer Leiter im Herzkasperl-Zelt, Anfang Mai zu- oder absagen wollen. Auf Nachfrage äußert sich das zuständige Referat für Arbeit und Wirtschaft noch nicht zum noch laufenden, nicht-öffentlichen Verfahren. Doch der Punkte-Kampf scheint entschieden. Wie unsere Redaktion erfahren hat, soll die Stadt das Ergebnis sogar nochmal durch die Revision prüfen haben lassen. Eben weil es sakrisch-knapp ist. Doppelte Absicherung für den Fall, dass der Herzkasperl-Wirt wieder alle Register zieht?

Oktoberfest in München: Herzkasperlzelt unterliegt Boandlkramerei – Wirt will sich 2026 wieder bewerben

Immerhin hatte Bachmaier vor dem Verwaltungsgerichtshof geklagt, als er nicht für die Wiesn 2024 zugelassen wurde. Der stellte aber fest, dass die Stadt mit der Zulassung der Schönigers rechtmäßig gehandelt hatte. Zudem warf Bachmaier den Schönigers vor, sich mit Musikern beworben zu haben, die nicht zugesagt hatten oder gar nicht erst gefragt worden waren. Das Paar nannte das „Rufschädigung“. Die Schlammschlacht war eröffnet. Dass sich 12.000 Menschen per Petition gegen den Stadtratsbeschluss „pro Boandlkramer“ wehrten, half Bachmaier auch nichts.

Für sein Wiesn-Comeback hatte der Fraunhofer-Wirt seine Bewerbung heuer richtig aufgemotzt: „Eigentum zählt bei der Vergabe viel, also habe ich mir ein eigenes Zelt zugelegt. Wer als Gastronom nicht Volksfest um Volksfest beschickt, leiht sich das eigentlich.“ 300.000 Euro kostet allein das Zelt – ohne Inventar, Auf- und Abbau. Damit nicht genug: Im Herzkasperl kommen Wurst- und Fleischwaren in Bio-Qualität fortan aus Bayern. Regionalität punktet, genau wie Ökologie. Also gibt's Brathendl, keine Grillhendl, die im offenen Gasgrill viel Energie verpuffen lassen. Apropos Energie: „Sollte ich die Zulassung heuer wieder nicht kriegen, werde ich mich für 2026 erneut bewerben“, so Bachmaier. „Das ist zwar eine permanente Belastung, aber am Herzkasperl hängen über 100 Mitarbeiter, die ich nicht enttäuschen will.“

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