Weilheim

Was die Corona-Pandemie im Stadttheater Weilheim verändert hat

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Kabarettist Django Asül kommt am 7. Mai ins Weilheimer Stadttheater.
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Nach einem eher verhaltenen Start ins Jahr lockt das Weilheimer Stadttheater in den nächsten Wochen mit einem vielfältigen Programm. Doch Theaterleiter Andreas Arneth betont: Es werde nicht mehr alles wie früher – und das liegt nicht nur an den Nachwirkungen der Pandemie.

Weilheim – Die ungewohnt spärlich bestückte Homepage stadttheater-weilheim.de hat es in letzter Zeit ebenso gezeigt wie die Tatsache, dass man in der Kreisstadt kaum Plakate für Veranstaltungen sah: Im Stadttheater gab es seit Jahresbeginn vergleichsweise wenige Veranstaltungen. Theaterleiter Andreas Arneth leiht sich einen Begriff aus der Musik, um die vergangenen Monate zu beschreiben: Nach den kräftezehrenden Corona-Jahren sei ein „Ritardando“ nötig gewesen, eine Verlangsamung des Tempos.

Bisherige Gastspiel-Partner haben in der Pandemie aufgegeben

Gründe dafür gibt’s reichlich. Die Gelder fürs Kulturprogramm sind erst bewilligt, wenn der Stadtrat den Haushalt fürs laufende Jahr verabschiedet hat, erklärt Arneth – was erst Ende März geschah. Dazu kommt, dass es in Weilheim keine Vorverkaufsstrukturen mehr gibt und Ersatzangebote personalintensiv sind. Auch hätten Personalausfälle und nötige Fortbildungen im kleinen „Drei-Frau/Mann-Betrieb Stadttheater“ (Zitat Arneth) dazu geführt, dass ein Teil der Veranstaltungstage nicht freigegeben werden konnte.

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Direkt mit der Pandemie hat ein inhaltliches Problem zu tun: Die bisherigen Partner im Gastspielprogramm der Stadt stehen nicht mehr zur Verfügung. „Entweder haben sie ihr Tun aufgegeben – wie das Turmtheater Regensburg – oder sie können Gastspiele nicht mehr mit vertretbaren Kosten anbieten“, erklärt Arneth. Nebenbei greift noch ein neues EU-Steuerrecht, das erhebliche Strukturveränderungen auch im Kulturbereich verlangt. So brauche es etwa bei der Abo-Abrechnung ein neues System.

Stadttheater Weilheim: Fast wieder die Quoten aus der Vor-Corona-Zeit

Resümee des Weilheimer Theaterchefs: „Die Erwartung, dass es jetzt eigentlich wie früher weitergehen muss, kann ich nur enttäuschen.“ Dennoch solle aus dem „Ritardando“ nun ein „Crescendo“ werden, nutzt Arneth im Gespräch mit der Heimatzeitung noch einmal die Musiksprache. Für solches „Anschwellen“ sorgt das Programm der kommenden Monate gewiss, wenngleich damit zu einem guten Teil erst mal nur die Ausfälle der Jahre 2020 bis 2022 kompensiert werden können. Er wolle den Veranstaltern, die lange nicht spielen konnten, den Rücken frei halten, sagt Arneth. Denn erst heuer könne man wieder „von einer halbwegs stabilen Ausgangslage sprechen“ – auch wenn das Stadttheater die ganze Zeit über ein stabiles Kulturangebot gewährleistet habe: „2022 und 2023 erfüllen wir mit gut 80 Veranstaltungen pro Jahr fast die Quoten aus der Vor-Corona-Zeit.“

Das Hoftheater Bergkirchen gastiert am 14. Mai im Stadttheater mit dem Operettchen „Madame Nitouche“.

So stehen heuer etwa die Veranstaltungen des Kabarett-Abos von Wolfgang Ramadan und die Gastspiele des Münchner Theaters für Kinder im Mittelpunkt. Weilheims Theaterleiter hebt aber auch die Opern- und Operettenreihe von „Voilà! Opera!“, die Veranstaltungen der „Freunde des Weilheimer Theaters“ und die Produktionen hiesiger Musikgruppen, Theatervereine oder Tanzschulen hervor. Oder die besonderen Abende mit dem Weilheimer Musiker Florian Appel, „der unserer Bühne neue Horizonte erschließt“.

Bewegendes Drama bei den „Weilheimer Festspielen“ im Herbst

Wie gewohnt, wird es auch zwei Eigenproduktionen der „Weilheimer Festspiele“ geben: Im Oktober Brian Clarks bewegendes Drama „Ist das nicht mein Leben?“ und im Dezember eine „klassische, bekannte Boulevardkomödie“ – welche genau, das ist noch offen. Im Mai bietet das Stadttheater als Ersatz für die nicht mehr möglichen Gastspiele der Regensburger Bühnen zwei kleine, feine Stücke des Hoftheaters Bergkirchen (siehe unten). Auch eine Art Theater-Abo will Arneth noch improvisieren. Abonnenten der Vorjahre werden darüber in den nächsten Tagen informiert, wie er verspricht.

Auf Improvisationen werde man sich in der nächsten Zeit ohnehin einstellen müssen, sagt der Theaterleiter und fügt optimistisch hinzu: „Das ist in der Kunst nicht immer das Schlechteste.“ Ab 2024 soll es dann wieder ein funktionierendes Abo mit größeren Produktionen geben – auch, um „Pflöcke einzuschlagen für die Zukunft“, betont Arneth, der heuer seinen 60. Geburtstag feiert: „Irgendwann geht’s auch darum, wie es langfristig weitergeht und welche Jüngeren das Theater entern werden. Auch das müssen wir im Blick haben.“

Die nächsten Veranstaltungen im Weilheimer Stadttheater

Folgende Veranstaltungen sind bis zur Sommerpause im Stadttheater geplant:

Samstag, 29. April, 19 Uhr: Konzert des Salonorchesters „Concerto Weilheim“.

Sonntag, 30. April, 18 Uhr: „Dreieinhalb Wochen im Münchner Frühling“, dokumentarisches Theaterstück zur Zeit der Münchner Räterepubliken mit Livemusik und Videoprojektionen.

Sonntag, 7. Mai, 18 Uhr: Kabarett mit Django Asül, „Offenes Visier“ – im Rahmen des Kabarett-Abos von „BrotZeit & Spiele“; Tickets: www.kartenengl.de.

Sonntag, 14. Mai: Gastspiel Hoftheater Bergkirchen, „Madame Nitouche – Ein(e) entzückende(s) Operett(ch)e(n)“.

Samstag, 20. Mai: Benefizkonzert zugunsten der Weilheimer Mariensäule mit Joachim Heberlein & Duo Gruber.

Sonntag, 21. Mai: Gastspiel Hoftheater Bergkirchen, „Das Glas Wasser“ (Lustspiel von Eugène Scribe).

Freitag, 26. Mai: Projekt des Weilheimer Vereins „smART – faireinte Bühne“.

Sonntag, 11. Juni: „Spielsinglas“, Jugendensemble für Neue Musik (Leitung: Florian Appel), Werke von John Cage u.a.

Samstag, 17. Juni: Chanson-Abend mit Anna Veit und Michael Gumpinger, „Gold und Fische“.

Dienstag, 20. Juni: Gastspiel des Münchner Theaters für Kinder, „Aladin und die Wunderlampe“.

Samstag, 24. Juni: „Drum Days“, Konzert der Musikschule Weilheim.

Im Juli sind Aufführungen der Tanz- und Balettschulen „TanzArt“ Peißenberg und „TanzStudio Flora Almeida“ Tutzing geplant; dazu kommen unter anderem Multivisions-Reisevorträge.

Info: www.stadttheater-weilheim.de

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