VonCarl-Christian Eickschließen
Seit August 2020 gibt‘s den Kunstturm am Schwankl-Eck in Wolfratshausen. Doch der Kulturverein Isar-Loisach musste den Mietvertrag kündigen, der Kunstturm schließt.
Wolfratshausen – Im August 2020 lüftete der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) das bis dato gut gehütete Geheimnis: Mit der Ausstellung „Die Welt der Frau“ der ägyptischen Karikaturistin Doaa El-Adl weihte der Verein den Kunstturm am Schwankl-Eck in der Wolfratshauser Altstadt offiziell ein. Die Initiatoren und viele Kulturschaffende waren euphorisch, doch es gab auch Skeptiker, die dem Projekt nur eine kurze Lebenszeit vorhersagten. Nun, gut zwei Jahre später, verkündet KIL-Vorsitzende Assunta Tammelleo: Der Kunstturm in Wolfratshausen schließt, der Verein kann den Betrieb nicht mehr finanzieren.
Das Aus für den Kunstturm: Darum hat der Kulturverein Isar-Loisach den Mietvertrag gekündigt
„Es war eine supertolle Zeit“, bilanzierte Daniela Satzinger, Kuratorin des Vereins am Schwankl-Eck, am Freitagnachmittag bei einem Pressegespräch. Rund 30 Ausstellungen, Konzert- und Theaterveranstaltungen fanden in dem geschichtsträchtigen Gebäude statt, gut 2500 Besucher nutzten das Angebot. Etwa 1000 Arbeitsstunden investierten die Ehrenamtlichen – und müssen nun kapitulieren.
Halbvoll ist das neue ausverkauft.
In der Corona-Hochzeit konnte sich der KIL am Schwankl-Eck finanziell noch über Wasser halten – aufgrund der Teststation, die im Gebäude betrieben wurde (wir berichteten). Doch die Lockdowns machten allen Veranstaltungsplänen einen Strich durch die Rechnung. Bis dato sind die Besucherzahlen bei Livekonzerten (der Verein bespielt auch den Hinterhalt in Gelting) überschaubar. „Halbvoll ist das neue ausverkauft“, merkte der Geretsrieder Musiker und Filmkomponist Titus Vollmer sarkastisch an. Mit dem Tag des Überfalls Russlands auf die Ukraine am 24. Februar vergangenen Jahres seien zudem die Spenden „dramatisch eingebrochen“, so KIL-Mitglied Thorsten Thane.
Laut Wolfratshausens Bürgermeister fehlen Belege für Zuschussantrag
Eine Finanzspritze der Stadt für das laufende Jahr – beantragt waren 12.000 Euro – wird’s auch nicht geben. Laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner „hat der Kulturverein noch keine Belege für seinen Zuschussantrag 2021 vorgelegt“. Ein Versäumnis, das Tammelleo beim Pressegespräch auf Nachfrage einräumte, verantwortlich dafür sei der Steuerberater des KIL. „Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung für den Zuschussantrag 2023 liegt aktuell auch noch nicht vor“, stellt der Bürgermeister fest. Ergo werde heuer kein Geld fließen.
„Da es keine Planungssicherheit gebe, erklärte Tammelleo, schließe der Kunstturm nach der letzten Ausstellung im Februar. Gezeigt werden Werke aus der „Schule des Ungehorsams“ des österreichischen Karikaturisten Gerhard Haderer.
„Wir gehen mit einem weinenden Auge“, sagte Satzinger. Aussteller und Musiker seien vom Kunstturm sehr angetan gewesen, „wir hatten hier auch ein tolles Verhältnis mit allen Nachbarn“. Das Projekt sei ein sichtbares Zeichen „für den Zusammenhalt in Wolfratshausen“ gewesen, meinte Tammelleo. „Ich bin sehr traurig, dass das hier alles endet“, sagte Vermieterin Monika Schille.
Gerhard Polt und die Well-Brüder gastieren in der Loisachhalle
Der Kulturverein Isar-Loisach blickt mit „gemäßigtem Optimismus“ (Tammelleo) in die nahe Zukunft. Kultur sei „unverzichtbar für die Lebensqualität“. Der Verein sei daher „nicht tatenlos“, betonte Thane, für die Livekonzerte im Geltinger Hinterhalt werde ein neues Konzept erarbeitet. Darüber hinaus ist eine Straßenausstellung geplant – gezeigt werden Fotos, die in der Corona-Zeit entstanden sind und die zeigen, „dass die Kultur in dieser Zeit nicht tot war“. Nicht zu vergessen: Gerhard Polt und die Well-Brüder gastieren am 28. Februar um 19 Uhr in der Loisachhalle in Wolfratshausen, Veranstalter ist die Kulturbühne Hinterhalt.
„Wir haben alles versucht, doch am Ende geht’s immer ums Geld“, so Tammelleo mit Blick auf das bevorstehende Aus für den Kunstturm. Sie bedankte sich im Namen des Vereins bei allen Sponsoren, Unterstützern und den ehrenamtlichen Helfern ausdrücklich. Mutmaßlich in Folge der Corona-Krise und den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs gebe es mittlerweile weniger helfende Hände. Tammelleo: „Nicht nur der katholischen Kirche laufen die Mitglieder weg, sondern auch vielen Vereinen.“ (cce)
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