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Die Pläne liegen seit neun Jahren auf dem Tisch, umgesetzt wurden sie nie. Der Verein Lebendige Altstadt möchte Bewegung um Loisachufer sehen.
Wolfratshausen – Der Laie sieht Parkplätze, eine Fahrbahn und zwei Bänke entlang des Fußwegs. Klaus-Peter Scharf blickt auf das westliche Loisachufer und sieht etwas, was nur auf Plänen existiert: eine hübsche Stadtidylle mit einem Spielplatz, schattigen Sitzgelegenheiten, vielleicht einem Zugang zum Wasser und vielen netten Querverbindungen in die Stadt. Scharf ist Architekt in Wolfratshausen und Vorstandsmitglied des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW). Seit Jahrzehnten pocht der Verein auf eine Umgestaltung des Loisach-Westufers, Scharf tut das auch. Passiert ist nicht viel. Um das Projekt ist es ruhig geworden. Sehr ruhig.
Wolfratshausen: „Das Westufer nicht vergessen“ - Verein pocht auf Umgestaltung in der Altstadt
„Seit 40 Jahren wird über dieses Thema gesprochen“, sagt Scharf. Baulich verändert habe sich in dieser Zeit nur wenig. Eine Kleinigkeit fällt jedoch ins Auge: Seit 2014 präsentiert der Verein auf einer Schautafel die Pläne, wie die Promenade einmal aussehen könnte. Präsentiert werden viele Ideen. So sollten nach dem 2013 entstandenen Entwurf des Architekturbüros Adldinger die Verbindungen zwischen Marktstraße und Westufer deutlicher betont werden. Eine geschwungene Ufermauer sollte den Uferbereich an manchen Stellen aufweiten. Die Loisach würde auf dem Abschnitt in verschiedene Bereiche aufgeteilt – mit steinernen Balkonen, Veranstaltungsflächen, Gastronomie, einer grünen Promenade, „großzügigen Loisachwiesen“ und Spielmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene.
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Pläne für das Loisachufer in Wolfratshausen: „Man hätte bereits beginnen können“
Ein großer Plan ist das. „Aber es sind viele kleine Bestandteile, die man hier umsetzen könnte“, erklärt Scharf, der in Wolfratshausen ein Architekturbüro betreibt. Er ist der Meinung: „Man hätte mit einigem davon bereits beginnen können.“ Der Stadtrat hat sich vor dem ganz großen Wurf aber eine Bedingung gestellt: Bevor der Plan am Westufer der Loisach umgesetzt wird, muss ein Ersatz für die Parkflächen geschaffen werden, die derzeit auf dem Abschnitt zur Verfügung stehen. „Dafür gibt es bis heute keine Lösung und es wird weiterhin als Ausrede verwendet“, sagt LAW-Chef Ernst Gröbmair. Wirkliche Bewegung in der Sache könne er aktuell nicht wahrnehmen. „Wir sehen es aber als Notwendigkeit an, dass hier etwas passiert.“
Aufwertung der Altstadt Wolfratshausen - Verein möchte anderes Projekt nicht aus den Augen verlieren
Dem Duo ist klar, dass sich die Stadt mit der Aufwertung der Altstadt bereits eine große Aufgabe auferlegt hat, um die Aufenthaltsqualität in diesem Bereich zu verbessern. „Wir wissen, dass nicht alles auf einmal geht“, sagt Gröbmair – wegen der angespannten Haushaltslage sei das verständlich. „Die Stadt sollte das Westufer aber nicht vergessen.“ Nur die Markstraße aufzuhübschen, das Entree an der Loisach aber außer Acht zu lassen, „würde bedeuten, es nur halb zu machen“, so Gröbmair. Diplom-Ingenieur Scharf sieht’s ähnlich: „Wenn nächstes Jahr die Maßnahmen in der Altstadt losgehen, sollte die Stadt mit der Planung des Ufers anfangen. Sonst stockt das Projekt wieder.“ Es wäre nicht das erste Mal, das Duo hat jedoch die Sorge, „dass es sonst gar nicht mehr gemacht wird“.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses hat die Stadt zumindest einige Ideen aufgegriffen, das Flair der Loisach in den Mittelpunkt zu rücken. Die Sitzstufen am Hang beispielsweise werden viel genutzt. „Eigentlich sollten die Leute, die dort sitzen, auf die schöne Altstadt-Silhouette blicken“, sagt Scharf. Wer heute dort Platz nimmt, sieht das Rathaus und geparkte Autos. „Schön ist das nicht.“
„Sensationelle Bedingungen“: Fluss direkt an der Marktstraße
Vielleicht könnte die bisherige Planung „eine gute Grundlage für eine Bürgerbeteiligung sein“, meint Gröbmair. Das tut der Architektenplan nun schon seit neun Jahren. Damals hatte die Stadt einen Ideenwettbewerb ausgerufen. Den Siegerentwurf des Wolfratshauser Büros Adldinger kann man seit 2014 am Loisachufer sehen, direkt neben den Parkplätzen. Seither ist ein bisschen was passiert: Das Architekturbüro ist seit Ende 2018 geschlossen. „Und vor Kurzem wurde die Tafel mal entstaubt“, meint Gröbmair.
Aus den „sensationellen Bedingungen“, die ein Fluss direkt an der Markstraße darstelle, habe die Stadt nicht allzu viel herausgeholt, findet Gröbmair. Scharf möchte den Glauben an eine Umgestaltung am Ufer nicht verlieren. Der Aufwertungsprozess in der Altstadt zeige ja, dass die Kommune bereit sei, ihre gute Stube aufzumöbeln. „Ich glaube, man kann schon optimistisch sein“, meint der Architekt. Der LAW habe das Projekt nicht vergessen, sagt Gröbmair, „und wir werden dafür werben“.
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