Bürgermeister ist skeptisch

Flöße durch die Altstadt: Stadtrat Fraas meldet private Floßfahrten an

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Seit 1999 ungenutzt: Die Stadt lässt prüfen, was die Instandsetzung der Floßrutsche am Kastenmühlwehr kostet. Zuvor muss jedoch klar sein, ob Floßfahrten auf der Loisach rechtlich überhaupt zulässig sind.
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Flöße sollen künftig über die Loisach durch die Wolfratshauser Altstadt fahren – das wünscht sich Alfred Fraas. Der CSU-Stadtrat hat bereits „zwei private Fahrten“ beantragt. Der Bürgermeister ist skeptisch.

Wolfratshausen – „Für was haben wir seit 1999 eine Floßrutsche?“ Alfred Fraas, Kulturreferent des Stadtrats, möchte, dass die Rutsche am Kastenmühlwehr ertüchtigt wird (wir berichteten). Das könnte die Möglichkeit eröffnen, dass künftig Flöße über die Loisach durch die Wolfratshauser Altstadt fahren. Eine Idee, die bei den alteingesessenen Flößereibetrieben auf Ablehnung stößt.

Dennoch hat der Stadtrat am Dienstagabend mit 16:8 Stimmen beschlossen, das die Ertüchtigung der Floßrutsche geprüft und mit belastbaren Kosten hinterlegt wird. Zuvor soll jedoch eruiert werden, ob Floßfahrten auf der Loisach – zwischen dem Wertstoffhof und Weidach – von der Gewässeraufsichtsbehörde, das heißt, dem Landratsamt in Bad Tölz überhaupt erlaubt werden.

Fraas überraschte Bürgermeister Heilinglechner (Bürgevereinigung) am Dienstag mit der Information, dass er, Fraas, bereits einen entsprechenden Antrag bei der Kreisbehörde eingereicht habe. Er habe die wasserrechtliche Genehmigung für zwei Flöße beantragt, die im nächsten Jahr „rein privat“ über die Loisach fahren sollen, konkretisierte er. Eines bis nach Icking, das zweite bis Thalkirchen. Auf Nachfrage des Fraktionschefs der Bürgervereinigung, Josef Praller, blieb Fraas vage. „Ein erfahrener Flößer wird die Flöße fahren“, sagte der CSU-Stadtrat. Details könne er aufgrund der noch laufenden Gespräche noch nicht preisgeben.

Wiederbelebung stößt nicht bei allen Räten auf Zustimmung

Fraas ist überzeugt, dass die Floßrutsche am Kastenmühlwehr, die 1999 einmal und seither nie wieder genutzt worden ist, mit relativ geringem Aufwand instand gesetzt werden kann: „Das kostet keine halbe Million.“ Er habe intensiv in die Planung einsteigen wollen, doch habe er die Baupläne im Rathaus zwar einsehen, aber nicht fotografieren beziehungsweise kopieren dürfen.

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Die Wiederbelebung der Floßrutsche stieß nicht bei jedem Stadtrat auf ungeteilte Zustimmung. „Da fließt viel Geld, ohne dass wir wissen, ob sich ein Floßbetrieb findet“, meinte Gerlinde Berchtold (SPD). Solange keine Kostenschätzung auf dem Tisch liege und Fraas keine Namen genannte habe, könne sie dem Antrag nicht zustimmen.

Rathauschef Heilinglechner gab zu bedenken, dass die Floßgasse am östlichen Loisachufer als Standort für ein Schachtkraftwerk vorgesehen sei. 250 Haushalte sollen auf diesem Weg mit Strom versorgt werden. Aus diesem Grund werde er der Ertüchtigung der Rutsche für zwei „private“ Floßfahrten nicht zustimmen: „Von einem Kraftwerk hätten mehr Menschen etwas, das ist meine persönliche Meinung.“

„Es geht nicht um Entweder/Oder“, stellte Grünensprecher Dr. Hans Schmidt fest. Nach seinem Wissen wäre die Westseite des Kastenmühlwehrs für ein Schachtkraftwerk sogar der bessere Standort. „Ein Schachtkraftwerk auf der westlichen Seite würde laut Ingenieuren mehr Strom liefern“, pflichtete ihm Richard Kugler (parteifrei für die CSU) bei.

Genau genommen sei die Entscheidung, die Floßrutsche wieder betriebsbereit zu machen, schon in der Juni-Sitzung des Stadtrates gefallen, betonte CSU-Fraktionsvorsitzender Günther Eibl. Mit Hinweis auf die „Rücklagen“, über die die Kommune verfüge, könne sich die Stadt die Prüfung des Sachverhalts „durchaus leisten“, so Eibl. Dass der Stadtrat beschließe, die Floßgasse „grundsätzlich“ zu erhalten, um Flöße dadurch gleiten zu lassen, bedeute nicht, „dass es gemacht werden muss“, erklärte Dr. Manfred Fleischer. Das sah Wirtschaftsreferent Helmut Forster (Bürgervereinigung) genau so: Erst müsse das Floßrecht abgeklopft und Sanierungskosten ermittelt werden – dann falle im Stadtrat die endgültige Entscheidung. cce

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