VonVolker Ufertingerschließen
Ludwig Hartmann hat am Montag bei seinen Parteifreunden in Wolfratshausen einen Zwischenstopp eingelegt. Und ihnen gezeigt, dass es anderswo in Bayern Lösungen für Probleme gibt, die die Stadt plagen.
Wolfratshausen – Der öffentliche Nahverkehr hat seine Tücken, das hat Ludwig Hartmann, neben Katharina Schulze Spitzenkandidat der bayerischen Grünen, am Montag am eigenen Leib zu spüren bekommen. Eigentlich wollte er den Parteifreunden in Wolfratshausen einen Besuch abstatten, kam aber versehentlich in Holzkirchen raus und war gezwungen, sich gegen seine Überzeugung mit dem Taxi ins Wirtshaus Flößerei bringen zu lassen. Dort warteten der Fraktionssprecher der Grünen im Stadtrat, Dr. Hans Schmidt, Stadtrat Rudi Seibt sowie der Landtagskandidat für den Stimmkreis 111, Hans Urban, schon auf ihn. Sie wollten mit ihm über die Themen reden, die die Menschen beschäftigen und beunruhigen. Eine Stunde saß man beisammen.
Hans Urban beklagte, dass die Verkehrsbelastung in der Metropolregion München unerträglich geworden sei. „Wir stehen jeden Tag im Stau, der Kluge fährt inzwischen in der Nacht“, sagte er sarkastisch. Den Glauben, dass der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs – etwa durch die S 7 Verlängerung – Abhilfe schaffen könnte, könne man ohne Weiteres verlieren, bei der Langsamkeit, mit der die Projekte vorangetrieben werden. „Der Speckgürtel von München hat die Grenzen des Wachstums erreicht“, stimmte Hartmann zu. Seine Partei strebe an, speziell für Schüler und Jugendliche ein Gratis-Bayernticket einzuführen, auch, um die nächste Generation an die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu gewöhnen. Auch ein einheitliches Tarifsystem sei kein Ding der Unmöglichkeit: „Die Hessen haben es hinbekommen.“
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Der nächste Punkt, der die kleine Runde in der Flößerei umtrieb: der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Als abschreckendes Beispiel diente München. „Da können sich bestimmte Berufsgruppen bestimmte Viertel einfach nicht mehr leisten, so weit sind wir schon“, erzählte Hartmann. Und kritisierte in diesem Zusammenhang die Staatsregierung, die selbst Flächen in der Landeshauptstadt meistbietend verkauft, mit der logischen Folge, dass dort extrem hochpreisig gebaut wird. „Ganz so schlimm ist es in Wolfratshausen noch nicht“, wandte Dr. Hans Schmidt ein, auch dank der Stäwo und der Baugenossenschaft. Die Runde war sich einig, dass es sinnvoll ist, wenn Kommunen bei Baulandausweisungen ein Drittel reservieren, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Beim Thema Verödung der Innenstädte empfahl der Gast einen Blick nach Unterfranken, genauer zu der Gemeinde Allianz Hofheimer Land. Dort wird alles getan, um die Bürger im Zentrum zu halten. Wenn also jemand mit dem Gedanken spielt, an der Peripherie zu bauen, stellt ihm die Allianz einen Architekten, der ihm Wege aufzeigt, für das gleiche Geld ein altes Haus in der Ortsmitte zu renovieren. Und den Rewe-Supermarkt hat man sogar dazu bewegen können, ins Zentrum zurückzuziehen, auf eine leere Brache. „Das funktioniert natürlich nur, weil die Nachbargemeinden mitspielen“, erzählt Hartmann. Sonst sei es für Supermärkte ja ein Leichtes, ein Dorf weiter zu ziehen. Damit sprach er speziell Hans Schmidt aus der Seele.
Blieb das Thema Landwirtschaft, das speziell Hans Urban also Bio-Bauern beschäftigt. Er forderte, dass Schluss sein müsse mit einer ausschließlich auf Effizienz ausgerichteten Landwirtschaft. „Wir müssen uns fragen, wie es weitergeht.“ Hartmann stellte fest, dass derzeit alle unzufrieden sind: Landwirte, Verbraucher, Umweltverbände. „Und das“, sagte er, „ist doch der perfekte Zeitpunkt, auszusteigen.“
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