Stadt Wolfratshausen

Stadt verteilt Zuschüsse an Vereine: Wer bekommt wie viel - und wer geht leer aus?

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Auch die Stadtkapelle Wolfratshausen (hier beim diesjährigen Starkbierfest in der Loisachhalle) beantragte bei der Kommune einen Zuschuss fürs Haushaltsjahr 2024. Der Fachausschuss des Stadtrats bewilligte 9000 Euro.
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Es ist eine stets mit Spannung erwartete Sitzung: Der Kulturausschuss des Wolfratshauser Stadtrats hat über die Zuschussanträge von 15 Vereinen und Organisationen entschieden.

Wolfratshausen – Für jeden Stadtrat sind die Zuschussanträge örtlicher Vereine und Organisationen ein heikles Thema. Auf der einen Seite gilt es, den Stadtsäckel nicht über Gebühr zu strapazieren. Andererseits leisten die Ehrenamtlichen wertvolle Arbeit fürs Gemeinwohl, entlasten so die Kommune – und sollten tunlichst gleichbehandelt werden. Nicht zu vergessen: Die Vereinsmitglieder sind potenzielle Wählerinnen und Wähler. Über 15 Zuschussanträge entschied der Ausschuss für Kultur, Jugend, Sport und Soziales des Stadtrats in seiner Sitzung am Donnerstagabend – nicht jeder Wunsch wurde von den Stadträten erfüllt.

Musikwerkstatt Jugend

20 000 Euro Zuschuss für die Durchführung von fünf Konzerten, darunter ein Konzert des Jugendorchesters „Sinfonietta Isartal“ in der Loisachhalle, waren beantragt. Fürsprecher in der Sitzung war der Kulturreferent des Stadtrats, Sepp Schwarzenbach (CSU). Die Musikwerkstatt Jugend leiste „hervorragende Arbeit im Hochkulturbereich für Wolfratshausen“. Schwarzenbach schlug einen Zuschuss in Höhe von 12 000 Euro vor – dem stimmte das Gremium einhellig zu.

Stadtkapelle Wolfratshausen

Ohne Diskussionen passierte der Zuschussantrag der Stadtkapelle den Fachausschuss. Seit 2016 bekam die Stadtkapelle jährlich 8800 Euro, für das Jahr 2024 legten die Stadträte noch 200 Euro oben drauf.

ArbeiterwohlfahrtWolfratshausen

Nach kontroverser Debatte (siehe Infobox unten) bewilligte der Ausschuss mit 7:3 Stimmen der AWO Wolfratshausen pauschal 100 Euro pro Seniorenveranstaltung – der Zuschussbetrag ist auf 4100 Euro gedeckelt.

Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen

50 Cent pro Wolfratshauser Einwohner, unterm Strich 9622,50 Euro, beantragte das Kreisbildungswerk für „Maßnahmen der Erwachsenenbildung“. „Die Volkshochschule Wolfratshausen leistet auch Bildungsarbeit“, stellte Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) fest. Jennifer Layton (Grüne) gab zu bedenken, dass das Kreisbildungswerk kürzlich nach Beuerberg umgezogen ist (wir berichteten). Sie rechne damit, dass es künftig mehr Veranstaltungen geben werde, die für Wolfratshauser interessant sein könnten. Ihre Fraktionskollegin, Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth, wollte das Angebot der Vhs („thailändisch Kochen und Zumba“) nicht mit den „hochkarätigen Veranstaltungen“ des Kreisbildungswerks vergleichen. „Werteorientierte Erwachsenenbildung“ sei wichtig, Heinloth schlug daher 4000 Euro Zuschuss vor. „Das wären 400 Prozent mehr als bisher“, begründete Wolfgang Weichlein (CSU) seine Ablehnung – bis dato bekam das Kreisbildungswerk 1000 Euro. Mit 6:4 Stimmen entsprach der Ausschuss dem Kompromissvorschlag von Ingrid Schnaller (SPD) – zugesagt wurden 2000 Euro.

Sozialkreis Waldram

Gegen die Stimmen der drei Grünen-Vertreter bewilligte der Fachausschuss dem Sozialkreis Waldram 100 Euro pro Seniorenveranstaltung – maximal 10 200 Euro. Diese Summe hatte der Sozialkreis auch beantragt.

1. FC Weidach

Zur Förderung des Kinder- und Jugendsports beantragte der 1. FC Weidach für das Haushaltsjahr 2024 einen städtischen Zuschuss in Höhe von 10 000 Euro. In der Begründung wies der Verein unter anderem darauf hin, dass 2018 und 2021 der Mitgliedsbeitrag erhöht und zusätzlich 2022 ein Spartenbeitrag erhoben worden sei. Aufgrund „deutlich gestiegener Gesamtkosten“ sei der Sportbetrieb dennoch gefährdet. Für Maximilian Schwarz (BVW), Sportreferent des Stadtrats, waren die Argumente schlüssig, er brach eine Lanze für den FC Weidach. Das Ergebnis: 10:0 für 10 000 Euro Zuschuss.

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Partnerschaftsverein Barbezieux

Der Besuch einer Reisegruppe aus der Partnerstadt Barbezieux, eine Reise einer Delegation aus der Loisachstadt nach Frankreich, eine Fahrt zur „Comice Agricole“ (Landwirtschaftsmesse) sowie die Unterstützung des Schüleraustauschs des Ickinger Gymnasiums mit dem Lycée in Barbezieux: Das steht für 2024 auf der Agenda des Partnerschaftsvereins. Vor diesem Hintergrund beantragte er 16 000 Euro Zuschuss, bis dato gab’s jährlich 7700 Euro. Es war Tenor im Ausschuss, dass die Völkerverständigung wichtiger denn je sei, „mein Herz schlägt für alle Freundschafts- und Partnerschaftsvereine“, sagte Stadtrat Fleischer. Schnaller erschien die Zuschussbitte als „zu hoch“, weil der Verein über ein „solides Guthaben“ verfüge. Fazit: Einstimmig bewilligte der Ausschuss 12 000 Euro – wie für alle anderen Vereine gilt: Die Verwendung des Geldes muss nachgewiesen werden.

Volkshochschule Wolfratshausen

Die Bildungseinrichtung leiste „hervorragende Arbeit“, konstatierte Fleischer. Ohne Debatte fiel der Beschluss: Die Vhs bekommt wie beantragt 50 000 Euro aus dem Stadtsäckel. Das entspricht dem Betrag in den Vorjahren.

Konzertverein Isartal

Für den Konzertverein gelte dasselbe wie für die Musikwerkstatt Jugend, warb Kulturreferent Schwarzenbach für die finanzielle Unterstützung des Vereins. Manfred Menke (SPD) gab den Verantwortlichen allerdings mit auf den Weg, „auch mal über die Erhöhung der Abo-Preise nachzudenken“. Der Konzertverein plant für 2024 nach eigenen Angaben sechs „hochkarätige Konzerte“ im Rahmen der Abo-Reihe „Klassik pur im Isartal“. Um 16 000 Euro Zuschuss hatte der Verein gebeten – 12 000 Euro bekommt er.

Klecks-Schule der Phantasie

Wie schon fürs laufende Jahr bekommt die Klecks-Schule für 2024 laut einstimmigem Beschluss des Fachausschusses des Stadtrats 12 000 Euro Zuschuss.

Bürger fürs Badehaus Waldram

Fünf Abendveranstaltungen zu den Themen Flucht, Vertreibung, Erinnerung und Extremismus-Bekämpfung, zwei Sonderausstellungen zur jüdischen Mädchenschule und zu Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine, zwei Kunstausstellungen sowie eine „Gedenkwanderung“ durch die Alpen sowie ein Nachbarschaftsfest auf dem Kolpingplatz in Waldram: 5000 Euro Zuschuss beantragte der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald. Diesem Wunsch entsprach das Gremium einhellig.

Förderverein der BRK-Bereitschaft

Um zahlreiche Anschaffungen – darunter ein Mehrzweckanhänger – sowie Instandsetzungsarbeiten bezahlen zu können, beantragte der Förderverein der BRK-Bereitschaft Wolfratshausen einen Zuschuss in Höhe von 3750 Euro. Diese Summe gab’s auch für 2023 – daran wird sich im kommenden Haushaltsjahr nichts ändern.

Der Verein Brimbamborium

Der in Wolfratshausen beheimatete Verein Brimbamborium (Veranstalter des gleichnamigen Festivals in Eurasburg) stellte erstmalig einen Zuschussantrag: 4200 Euro fürs nächste Festivalevent. 2000 Euro wurden einstimmig bewilligt – Kulturreferent Schwarzenbach nahm an der Beratung und Abstimmung nicht teil. Der CSU-Stadtrat gehört dem Brimbamborium-Vorstand an.

Freundschaftsverein Manzano

Ohne Wenn und Aber sagten die Räte Ja zum Antrag des Vereins zur Förderung der Städtefreundschaft zwischen Manzano/Italien und Wolfratshausen: 5000 Euro werden überwiesen.

Organisations-Team Kunstturm

Das Orga-Team des Kunstturms am Schwankl-Eck (der Wolfratshauser Künstler und Galerist Hamit Cordan, der ehemalige Vorsitzende des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen, Hans-Werner Kuhlmann, und Hauseigentümer John Schille) ging am Donnerstagabend leer aus. 10 000 Euro hatte Kuhlmann beantragt. Nur 1500 Euro erschienen Stadtrat Fleischer als „legitim“, denn als „Mietfremdfinanzierer“ dürfe die Stadt nicht auftreten.

Ähnlich sah’s Dritte Bürgermeisterin Heinloth. Hinter dem Antrag stehe kein Verein, sondern „das sind Privatpersonen“. Die Tatsache, dass der Hauseigentümer zum Orga-Team gehöre, bereitete Schwarzenbach „Bauchweh“, wenngleich er nachdrücklich betonte: Das Projekt Kunstturm „darf auf keinen Fall sterben“. Der Ausschuss stellte den Antrag zurück, mit Kuhlmann soll über andere Fördertöpfe (Stichwort Innenstadtfonds) gesprochen werden. (cce)

Dritte Bürgermeisterin: „Es muss noch mal nachgeschärft werden“

„Wir sind in eine Falle getappt“, sagte Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) am Donnerstagabend in der Sitzung des Kulturausschusses des Stadtrats. Denn: Sowohl die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Wolfratshausen als auch der Sozialkreis Waldram beantragten städtische Zuschüsse in Höhe von 4100 beziehungsweise 10 200 Euro – und bezogen sich beide auf das Beispiel der Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger. Mit dem Verein einigte sich die Stadt wie berichtet nach langem Hin und Her auf das Subventionsmodell: Die Nachbarschaftshilfe bekommt für jede durchgeführte Seniorenveranstaltung pauschal 100 Euro. Rund 300 solcher Veranstaltungen bietet der Verein pro Jahr an, das heißt: 30 000 Euro Zuschuss fließen.

„Die Stadt kauft Leistungen ein“, verteidigte Heinloth den Beschluss im Oktober 2022. Stadtrat Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) gab damals zu bedenken: „Nach dieser Vereinbarung könnten auch andere Vereine auf die Stadt zukommen, um in den Genuss einer Förderung zu kommen.“ Fleischer plädierte daher am Donnerstag dafür, die Zuschussanträge der AWO und des Waldramer Sozialkreises in voller Höhe zu bewilligen – was unter anderem Heinloth und ihr Fraktionskollege Peter Lobenstein nicht wollten. „Gleichberechtigung“ müsse herrschen, so Fleischer, bei der Wertschätzung von Seniorenarbeit dürfe nicht differenziert werden, welcher Verein sie leiste.

Absicht der Kommune ist es, durch Bezuschussung defizitäre Vereinsveranstaltungen finanziell abzufedern. Das konterkariert die Lex Nachbarschaftshilfe. „Dass jeder ein Anrecht auf pauschal 100 Euro pro Veranstaltung hat, das war nicht der Plan“, so Heinloth. Für Fleischer steht fest, dass das Thema noch einmal auf die politische Agenda kommt, denn: Vereine, denen für Seniorenarbeit besagte Pauschale nicht gegeben würde, könnten „clever“ sein: Sie würden flugs Ehrenamtliche „in 520-Euro-Kräfte umwandeln“, so in die roten Zahlen rutschen – und bei der Stadt einen Ausgleich beantragen. „Wir müssen uns grundsätzlich noch einmal unterhalten“, sagte Fleischer.

„Es muss noch mal nachgeschärft werden“, stimmte Heinloth zu. „Wir müssen noch mal drauf schauen, wie wir das zukünftig behandeln wollen“, sagte Grünen-Fraktionssprecher Lobenstein – „wie von der Stadt Aufträge verteilt werden“. Dieser Meinung war auch Helmuth Holzheu (Bürgervereinigung). Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, „dass Seniorenarbeit immer größere Bedeutung bekommt“. Holzheu wünscht sich „eine Lösung für eine einheitliche Unterstützung der Seniorenarbeit“. Fleischer konstatierte, dass der Nachbarschaftshilfeverein Bürger für Bürger „keine Monopolstellung hat“. In seinen Augen wäre es „ungerecht“, andere örtliche Sozialvereine wie die AWO in puncto Bezuschussung „abtropfen zu lassen“. (cce)

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