„Hatten Glück im Unglück“

Terror und Krieg am Reiseort: Kurz vor Israel-Besuch hat Erinnerungsort Badehaus „Reißleine gezogen“

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Bereits im April besuchte eine Badehaus-Delegation Israel. Hier (v. li.) Vize-Vorsitzender Jonathan Coenen, Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft und ihr Kameramann André Mitschke bei den Interview-Vorbereitungen.
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Wegen des Terrorangriffs der Hamas stornierte eine Badehaus-Delegation ihre zehntägige Forschungsreise nach Israel.

Waldram – Tausende Raketen flogen in der Nacht auf Samstag über die Grenze von Palästina nach Israel. Kurze Zeit später griffen Milizen der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf dem Luft-, Wasser- und Landweg an. Die Attacke traf Israel unvorbereitet und forderte bereits jetzt tausende Todesopfer, wie mehrere Agenturen übereinstimmend berichten.

Zeitzeugen-Interviews geplant: Kurz vor Israel-Besuch hat Erinnerungsort Badehaus „Reißleine gezogen“

Zur gleichen Zeit liefen im Erinnerungsort Badehaus Waldram-Föhrenwald die letzten Vorbereitungen für eine Reise in das Land, das gerade im Kriegszustand versinkt. „Wir hatten Glück im Unglück“, sagt die Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft. Am Samstag, wenige Stunden nach der ersten Attacke, stornierten die Badehäusler kurzfristig eine zehntägige Forschungsreise nach Israel. Geplant waren Interviews mit Zeitzeugen und deren Nachfahren. Ein halbes Jahr liefen die Vorbereitungen. Flüge, Unterkünfte und Kameraequipment waren organisiert, so Krafft. Am Sonntagmorgen wäre eine Delegation des Erinnerungsorts zum Flughafen gefahren. „Aber dann haben wir mitbekommen, welche Dimension der Angriff besitzt. Als die Reisewarnung des Auswärtigen Amts kam, zogen wir die Reißleine.“

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Ursprünglich wollte eine sechsköpfige Gruppe aus Wolfratshausen für die Forschungsreise nach Tel Aviv fliegen, inklusive vier junger Badehäusler des Bundesprogramms „Jugend erinnert“. Nachdem auch noch die Entführung von Shani Louk, einer 22-jährigen Deutschen mit Familie in Baden-Württemberg bekannt geworden ist, ist Krafft erleichtert, dass sich ihr Verein gegen die Reise entschieden hat. „Unsere Freunde und Kontakte vor Ort haben jetzt sowieso ganz andere Probleme als die Interviews“, so die Badehaus-Vorsitzende.

Ihr Verein stehe in stetem Austausch mit den Isralis. Erst Anfang September hatte eine israelische Reisegruppe den Erinnerungsort besucht. Einer aus der Delegation erinnerte sich, wie er 1948 in einem Kibbuz, einer ländlichen Solidargemeinschaft, seine Familie wiedergefunden hatte. Ein Kibbuz gehörte nun auch zu einem der ersten Angriffsziele der Hamas. Über den Kontakt mit befreundeten Israelis erfuhr Krafft auch, dass manche junge Interviewpartner – Nachfahren von Zeitzeugen – von der israelischen Armee eingezogen worden sind. „Und alle anderen sind in ständiger Alarmbereitschaft.“

Wenn schon nicht persönlich, sind die Mitglieder des Badehauses aktuell zumindest in Gedanken bei ihren Freunden. „Wir können nur auf ein schnelles Ende hoffen“, so Krafft. Wann die Forschungsreise ins gelobte Land nachgeholt werden könne, „ist Stand jetzt nicht absehbar“.

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