Gewitter und Starkregen

60 Liter in einer Stunde: Unwetter setzt Bremen unter Wasser

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Der Concordiatunnel in Schwachhausen ist überschwemmt. Autofahrer wagen sich vorsichtig hindurch, das Wasser spritzt hoch.
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Gewitter und Starkregen setzen Bremen unter Wasser: 400 Einsätze für die Feuerwehr sind die Folge, politische Reaktionen gibt es ebenfalls. Die Grünen fordern einmal mehr den Umbau Bremens zur „Schwammstadt“.

Bremen – Blitz und Donner, Starkregen-Sturzbäche und unterspülte Unterführungen: Die Folgen des Unwetters vom Mittwochabend haben auch am Donnerstag noch den Berufsverkehr in Bremen beeinträchtigt; etliche Umland-Pendler bekamen das zu spüren.

Binnen einer Stunde waren etwa 60 Liter Regenwasser pro Quadratmeter heruntergekommen. „Das entspricht den durchschnittlichen Regenmengen eines gewöhnlichen Monats“, sagte Feuerwehr-Sprecher Michael Richartz. Am Ende standen allein bei der Feuerwehr etwa 400 Einsätze in der Bilanz. Verletzte gab es nicht, hieß es am Donnerstag.

Die Kräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) waren vor allen Dingen damit beschäftigt, vollgelaufene Keller leerzupumpen. „Alle verfügbaren Einheiten der Freiwilligen Feuerwehren sowie das THW befinden sich im Unwettereinsatz. Von den Einheiten der Berufsfeuerwehr wird der Grundschutz im Stadtgebiet sichergestellt“, so Richartz am Mittwochabend, während es hier und da noch blitzte und donnerte. Über verschiedene Medien rief die Feuerwehr zudem dazu auf, nur in dringenden Notfällen den Notruf 112 zu wählen. Die Einsatzschwerpunkte lagen nach Feuerwehrangaben in Woltmershausen, in der Neustadt, in Kattenturm sowie im Bremer Westen (Walle, Gröpelingen und Oslebshausen).

Linie 4 fährt durch überschwemmten Tunnel

Etliche Busse und Bahnen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) mussten Umleitungen fahren, da mancherorts Gleise und Unterführungen unter Wasser standen. Auf mehreren Linien war der Betrieb zeitweilig unterbrochen, hieß es – betroffen waren beispielsweise die Linien 10, 20, 24, 25 und 26, so BSAG-Sprecher Andreas Holling. Anderswo ging es zwar voran, aber nur sehr langsam, was zu Rückstaus führte – am Concordiatunnel (Schwachhausen) zum Beispiel, der vollgelaufen und überschwemmt war. Straßenbahnen etwa der Linie 4 fuhren allerdings hindurch, aber immer einzeln und mit sehr geringem Tempo. Auch Autofahrer konnten im Concordiatunnel vorsichtig durch das Wasser fahren.

In der Nacht auf Donnerstag hat es zudem einen Blitzeinschlag auf der Bahnstrecke zwischen Bremen und Bremerhaven gegeben. Dadurch kam es auch am Donnerstag noch zu Verzögerungen und Problemen. Bahnübergänge mussten manuell gesichert werden, weil auch die Leit- und Sicherungstechnik betroffen war.

Abwasser-Kontrolle: Sensoren steuern Wehrklappen

Hansewasser, so Sprecherin Rebecca Stöcker, hatte sich nach den entsprechenden Wettervorhersagen und der Unwetterwarnung für Bremen und Niedersachsen auf den Starkregen eingestellt. „Das Kanalnetz in Bremen ist 2.300 Kilometer lang. Es muss bei Trockenwetter und bei Regenwetter funktionieren“, so die Sprecherin. „Gerade bei Unwetter mit Starkregen steigt die Menge des abzuleitenden Abwassers schnell um mehr als das Hundertfache. Um diese großen Wassermassen zügig abführen zu können, wurden alle technischen Möglichkeiten eingesetzt: Die Leistung der Abwasserpumpen wurde planmäßig hochgefahren, umgehend wurden Entlastungskanäle und Regenwasserüberlaufbecken gefüllt.“

Ohne moderne Computertechnologie wäre das nicht möglich. Stöcker: „Kanalwasserstände und Niederschlagsmengen werden automatisch erfasst und ausgewertet, Wehrklappen in Steuerbauwerken der Kanäle sensorgesteuert bewegt, um das Abwasser möglichst schnell abzuleiten. Nur so können die gewaltigen Mengen Abwasser gezielt gesteuert und kontrolliert werden.“ Gleichwohl ließen sich Überflutungen an einigen Orten nicht verhindern. Deshalb war der Hansewasser-Notdienst unterwegs, um „neuralgische Punkte wie Unterführungen“ zu kontrollieren, hieß es weiter.

Grüne fordern Umbau Bremens zur „Schwammstadt“

Auch auf politischer Ebene sorgt das Extremwetter einmal mehr für Gesprächsstoff – so beispielsweise bei den Grünen. Nicht zum ersten Mal habe „ein heftiges Starkregenereignis Bremen getroffen“, sagte beispielsweise am Donnerstag der Bürgerschaftsabgeordnete Philipp Bruck, klimapolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Es zeige sich, dass „solche Unwetterereignisse mit der sich verschärfenden Klimakrise regelmäßig bittere Realität sind und bleiben werden“, so Bruck. „Bremen muss sich darauf einstellen und nachhaltig vorbereiten: Klimaanpassungsmaßnahmen gehören zur Daseinsvorsorge des Staates für seine Bürger.“

Dem Leitbild der „Schwammstadt“ folgend, müsse Bremen so umgebaut werden, dass die Stadt bei heftigem Regen „so viel Wasser wie möglich aufnimmt und versickern lässt, statt es als Abwasser in die überforderte Kanalisation leiten“, erklärte der Grünen-Abgeordnete weiter. Und, so Bruck: „Die wichtigste Aufgabe ist dafür die Entsiegelung von Straßenräumen, von Parkplätzen, von öffentlichen Plätzen und privaten Flächen: Je mehr Wasser dort versickern kann, desto weniger Wasser landet in den Kellern.“

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