VonThomas Kuzajschließen
Bremen soll eine „Klimastraße“ bekommen. Die Bauarbeiten beginnen Ende des Jahres.
Bremen – „Unter dem Pflaster liegt der Strand.“ Der Sponti-Spruch aus den 70ern gewinnt in der Bremer Innenstadt eine ungeahnte Aktualität. Steine und Pflaster weg, um Platz für Sand und Natur zu schaffen, das ist das Motto: Bremen will die Dechanatstraße in der Altstadt zur ersten Bremer „Klimastraße“ umbauen – ein Pilotprojekt, das durch den Bund gefördert wird; die Rede ist von 860.000 Euro aus dem Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“.
Aus verschiedenen Gründen ist die Dechanatstraße ohnehin in den Fokus der Stadtplaner gerückt. Vom Bereich des Knotenpunkts Domsheide aus betrachtet, soll sie stärker als bislang wie ein „Tor zum Schnoor“ wirken. Zudem hatte der Senat jüngst beschlossen, für dem Vernehmen nach etwa 3,5 Millionen Euro das Postgebäude an der Domsheide zu kaufen, dessen Rückseite einen weiten Teil der Dechanatstraße prägt. Bevorstehende Arbeiten an diesem Gebäude sind der Grund dafür, dass praktisch nur die Hälfte der Dechanatstraße zur „Klimastraße“ werden soll. Dennoch versprechen sich die Planer davon Impulse für die Stadtentwicklung.
Für das Pilotprojekt – für einen, wie es heißt, „modellhaften Umbau in Richtung klimaangepasster Stadtraum“ – waren auch andere City-Straßen im Gespräch, so beispielsweise die kleinere Museumstraße zwischen Schüsselkorb und Wall. Mit Blick auf „thermische Belastung und Starkregen“ gebe es auch hier Handlungsbedarf, hinzu komme die bevorstehende Öffnung der Museumstraße zum Wall durch die Passage im neu gebauten „Wallkontor“, heißt es in einer Vorlage für die Baudeputation.
Klare Empfehlung für die Dechanatstraße in der Bremer Innenstadt
Doch am Ende des Entscheidungsprozesses stand eine „klare Empfehlung für die Dechanatstraße“, denn hier gebe es den „mit Abstand am besten geeigneten Pilotraum für den klimaangepassten Umbau“. Und das nicht zuletzt auch wegen der „Strahlkraft der Umbaumaßnahme hinsichtlich der Relevanz für die Innenstadtentwicklung“ eben an diesem Ort. Von einem Umbau der Dechanatstraße profitiere – neben der St.-Johannis-Schule und der Hochschule für Künste – ein „großes Spektrum von innenstadtrelevanten Bevölkerungsgruppen“: Touristen, Kunsthandwerk und Einzelhandel, Innenstadtbewohner, Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs, Radfahrer. Nicht erwähnt: Autofahrer.
Was ist eine „Klimastraße“? Es geht darum, urbane Räume besser an herausfordernde Wetter-Extreme anzupassen – an Hitzewellen und Dauer-Trockenheit im Sommer, an Starkregen, an Dauerregen. „In der Stadt Bremen war das Jahr 2020 mit 11,14 Grad das Jahr mit der höchsten jemals gemessenen Jahresdurchschnittstemperatur“, heißt es in der Vorlage. „Sehr wahrscheinlich ist, dass die Durchschnittstemperatur weiter ansteigen wird und dass zukünftig öfter höhere Extremtemperaturen auftreten werden.“
Gerade im Stadtzentrum aber sind viele Flächen versiegelt. Steine speichern die Hitze. Regenwasser wiederum kann nur in begrenztem Maße abfließen und auf versiegelten Flächen nicht versickern. Offene Böden mit Bäumen und Grünflächen hingegen können das Regenwasser für trockene Perioden speichern – und damit dann bei Hitze buchstäblich für ein besseres Klima am Ort sorgen. Die „Klimastraße“ in der Dechanatstraße werde zudem auch das Kanalnetz des Schnoors entlasten, heißt es. Denn bei Starkregen bestehe das Risiko, dass der Schnoor überflutet wird. Die Arbeiten für die „Klimastraße“ mit mehr schattenspendenden Bäumen, mit Beeten und Grünflächen sollen Ende des Jahres beginnen. Dem Modellprojekt in der Dechanatstraße sollen später weitere Innenstadt-Straßen folgen.
