Offizielle Einweihung

Bremer City: Wallpassage öffnet neue Wege

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Bremens neuer Innenstadt-Durchgang: Die Wallpassage, hier in Blickrichtung Wall und Wallanlagen.
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Neue Wege in der Bremer City: Am Montag ist die Wallpassage eröffnet worden. Für Bürgermeister Bovenschulte ist sie „ein weiteres Puzzleteil zur Entwicklung der Innenstadt“.

Bremen – Auf dem Weg zu den von Planern und Einzelhändlern seit Jahren geforderten besseren Rundläufen in der Bremer Innenstadt ist am Montag ein Durchbruch erzielt worden. Mit der nun offiziell eröffneten Wallpassage gibt es eine neue und direkte Verbindung vom Wall zum City-Kernbereich mit Schüsselkorb, Domshof und Domshof-Passage. Neben Investor Marco Bremermann erschien am Mittag auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zur Eröffnung.

Die Wahl des Termins hatte es in sich: Auf den Tag genau vor neun Jahren – am 6. Mai 2015 – ist das Gebäude mit dem Textilhaus „Harms am Wall“ abgebrannt. Das Bauwerk war 1909 errichtet worden; wer das Feuer gelegt hat, ist nach wie vor ungeklärt. Wo die Brandruine stand, ist jetzt alles neu und schick – Bauherr Marco Bremermann (Müller & Bremermann) hat hier für eine zweistellige Millionensumme („25 bis 30 Millionen Euro“) das Wallkontor errichtet, einen Neubau mit Flächen für Einzelhandel und Büros, wie es anfangs hieß. Einzelhandel ist nun nicht dabei. Ja, es gab Gespräche mit einem Herren-Oberbekleidungs-Anbieter, der sich mit Blick auf die Verkehrspolitik in der Innenstadt dann aber anders entschieden habe, heißt es.

Die Wallkontor-Gewerbefläche war zunächst mit 5.500 Quadratmetern angegeben worden, jetzt heißt es: acht Etagen, 7.500 Quadratmeter. Die durch Pandemie und Krieg gestörten Lieferketten in der Bauwirtschaft haben sich auch hier ausgewirkt, das Projekt wurde später fertig als ursprünglich gedacht. Bremermann ist froh, dass alles geklappt hat, zum Schluss habe man quasi „auf der letzten Rille“ gearbeitet. Für die Entwicklung der krisengeplagten City ist der Neubau ein Meilenstein. Mieter sind die Reederei OOCL sowie die Barmer Krankenversicherung.

Die neue Bremer Wallpassage hat feste Öffnungszeiten

Hinzu kommt – eben – die Passage, die mit breiten Treppenstufen den Höhenunterschied zwischen Wall und Museumstraße ausgleicht. Privater Grund, der öffentlich zugänglich gemacht wird. Der Durchgang steht jedoch nicht durchgehend offen, Bremermann verwies dazu am Montag auf Fragen der Sauberkeit. Es gehe darum, dass die Passage „nicht verkommt“. Das Publikum nehme sie nur an, wenn sie „sauber und klar“ sei. Geöffnet ist sie montags bis freitags in der Zeit von 6 bis 21 Uhr, sonnabends und sonntags von 8 bis 19 Uhr. Ein weiterer Effekt dieser Regelung dürfte sein, dass ungebetene Übernachtungsgäste dadurch keine Quartiersmöglichkeit geboten wird.

Wer den Durchgang nutzt, wird vielleicht doch einmal innehalten – und lesen. Informationstafeln geben Einblicke in die beim Bau freigelegten, teils spektakulären archäologischen Funde: ein Wehrturm der alten Stadtmauer (aus Sicherheitsgründen nun doch nicht in den Neubau integriert, wie es hieß) vom Beginn des 13. Jahrhunderts, ein Grubenhaus, mehrere Brunnen.

Tafeln informieren über spektakuläre archäologische Funde

Infotafeln klären über die Archäologie-Funde auf.

Gerade das Grubenhaus galt als archäologische Sensation, ein Grundriss aus schwarzem Lehm, an dessen Rand sich vermoderte Holzpfähle abzeichneten, all das zehn, zwölf Meter tiefer als der Wall. „Damit haben wir erstmals den vollständigen Grundriss eines Grubenhauses in der Altstadt gefunden“, sagte Dr. Dieter Bischop, bei der Landesarchäologie zuständig für die Stadt, damals. Da der Fund vornehmlich aus organischem Material bestand, ließ er sich nicht erhalten – wohl aber in aller Ausführlichkeit dokumentieren und digitalisieren. Bis dahin waren in der Innenstadt nur Fragmente von Grubenhäusern freigelegt worden. Bischop datierte das Haus mit Blick auf ebenfalls gefundene Keramikstücke auf das 9. Jahrhundert – ein Gruß aus Bremens Anfangstagen. Anno 789 weihte Willehad, der erste Bischof von Bremen, den ersten Dom, ein hölzernes Bauwerk, errichtet auf dem höchsten Punkt der Bremer Düne. Der Grubenhaus-Grundriss zeigte, wie weit die Bremer sehr frühzeitig schon vom Dom entfernt siedelten, so die Archäologen.

Zurück in die Gegenwart, in der es Bremens Zentrum nicht gut geht.  Bürgermeister Bovenschulte dankte Investor Bremermann, dass er „an den Wall geglaubt“ hat: „So ein Engagement brauchen wir hier in Bremen.“ Währenddessen fuhren viele Auto- und wenige Radfahrer am Wall entlang. Und wenn die Autos hier – wie früher – in beide Richtungen fahren dürften? Bremermann fände es „nicht schlecht“.

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