Verzicht auf umstrittene und meterhohe Rampe

Bremer Senat streicht Domshof-Düne

+
Diese Sichtachse bleibt nun erhalten: Blick über den Domshof in Richtung Dom und Rathaus.
  • schließen

Nach der massiven Kritik soll sie nun doch nicht über den Domshof in der Bremer City schwappen, die umstrittene Düne.

Bremen – Die Welle der Kritik hat die Domshof-Düne fortgespült. Der große Platz in der Bremer Innenstadt bekommt jetzt doch keine künstliche Erhöhung neben dem „Alex“. Die rot-grün-rote Koalition aus SPD, Grünen und Linken hat sich darauf geeinigt, von diesem Teil der Neugestaltungspläne Abstand zu nehmen – kurz vor einer Bürgerschaftsdebatte zum Thema. Damit ist auch der Bau des unterirdischen Fahrradparkhauses ungewiss.

Denn die Zufahrt zu den Radstellplätzen im Bunker unterhalb des Domshofs sollte in der künstlichen Düne liegen, deren Endstück eine drei bis vier Meter hohe Mauer gewesen wäre. Eine Mauer, die die historische Sichtachse aus dem Bereich Wall/Bischofsnadel in Richtung Dom und Rathaus zerstört hätte. Kritiker warnten davor, dass der Welterbe-Status von Rathaus und Roland in Gefahr geraten könnte, sollte Bremen den Domshof – einen 700 Jahre alten Platz – mit der Dünen-Rampe so radikal verändern.

Die Bischofsnadel, heute ein City-Einfallstor für Radfahrer und Fußgänger, sei in früheren Zeiten für den Bischof der einzige Zugang zum Dom gewesen, so beispielsweise Landesdenkmalpfleger Prof. Dr. Georg Skalecki. „Das sind historische Sichtbezüge, die kann man nicht zerstören.“ Architekten und Historiker kritisierten die Pläne ebenfalls deutlich. Und schließlich rückten noch Teile der Fahrrad-Lobby vom großen Radparkhaus im Tiefbunker ab. Dezentrale Stellplätze seien viel besser, hieß es nun.

Ziel 2026: „Genusspavillon“ für den Domshof in Bremen

Damit war auch dieser Versuch, den Domshof nach jahrzehntelanger Diskussion einmal ganz neu zu gestalten, im Grunde schon gescheitert. Sieben Entwürfe gab es dieses Mal. Wie im Dezember in unserer Zeitung berichtet, hatte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) den Büros „Sowatorini Landschaft“ (Berlin) und „RB+P Landschaftsarchitektur“ (Kassel) „den Zuschlag für weitere Planungsleistungen zur Umgestaltung des wichtigsten Stadtplatzes erteilt“, wie es seinerzeit hieß.

Die Düne auf einer Darstellung der Planer.

Jetzt gilt, was René Möller, Sprecher des Bauressorts, so zusammenfasst: „Der Senat ist sich einig, dass ein Zugangsbauwerk zu einem Fahrradparkhaus unter dem Domshof in der vorgeschlagenen Dimensionierung nicht Bestand der weiteren Planungen sein kann.“ Und: „Die Ostseite des Platzes soll daher von der Haupterschließung für eine mögliche Bunkernachnutzung freigehalten werden.“

Bremer Radfahrer müssen sich umstellen

Was bleibt nun von den prämierten Plänen? Eine abgespeckte Variante, wenn man so will. So soll der in den Entwürfen ebenfalls vorgesehene „Genusspavillon“ in der Nachbarschaft des Neptunbrunnens tatsächlich gebaut werden. Er nimmt auf, was in den vergangenen Jahren als temporäres Angebot während der Sommermonate gut funktioniert hat. Der Wochenmarkt soll (wieder einmal) neu geordnet werden. Und der Radweg wird verlegt. Gegenwärtig verläuft er dort, wo sich eine prächtig funktionierende Einzelhandels- und Genuss-Zeile aus „Manufactum“-Kaufhaus, „Markthalle Acht“ und „Made in Bremen“ entwickelt hat – in der warmen Jahreszeit mit fröhlicher Außengastronomie, die ohne Radverkehr noch unbeschwerter wirken dürfte.

Radfahrer, die wie gewohnt aus Richtung Wallanlagen und Bischofsnadel in die Bremer Innenstadt kommen, sollen deshalb in Zukunft nicht mehr einfach geradeaus fahren, sondern einen Schlenker machen – und auf der Westseite des Domshofs in Richtung Rathaus radeln, am Landesbank-Gebäude vorbei, in dem dann der Fachbereich Rechtswissenschaften der Bremer Uni untergebracht sein wird. Für Radfahrer, die vom Herdentor kommen, ist dieser Weg die „natürlich“ wirkende Variante.

Ziel ist es nun, die behutsamere Neugestaltung bis zum Tag der Deutschen Einheit im Jahr 2026 fertig zu haben. 2026 nämlich richtet Bremen turnusgemäß die zentrale Einheitsfeier aus.

Kommentare