VonThomas Kuzajschließen
Bremen – Unübersehbar bunt, unüberhörbar rhythmisch. Den Bremer Samba-Karneval, weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus bekannt, gibt es seit 1986. Für 2023 drohte das mittlerweile traditionelle Spektakel auszufallen. Nun aber soll es den 38. Bremer Samba-Karneval doch geben – allerdings nicht im Februar, sondern im „frechen Monat April“, so das Organisatorenteam um die Gründerin und Initiatorin Janine Jaeggi („Stelzen-Art“).
Schon Corona und Krieg hatten das Samba-Treiben durcheinandergewirbelt. In diesem Jahr zum Beispiel war das „Spektakel aus Farben, Musik und Tanz“ von Marktplatz und Viertel in die Wallanlagen verlegt worden – und das auch noch im Sommer; an zwei Julitagen hieß das Motto „Vom Schatten ins Licht“. Die Pandemie der vergangenen zwei Jahre hat „auch bei uns alles komplett durchgeschüttelt – und ihre Auswirkungen sind immer noch zu spüren“, so Jaeggi und Ramona Schmalen vom Karnevals-Team. Und weiter: „Ein Moment der Zäsur war bei uns notwendig. Und wir haben uns auch überlegt, den Karneval 2023 komplett ausfallen zu lassen, um unsere Strukturen auf neue Beine zu stellen.“ Es gehe um „dringend erforderliche Veränderungen“.
Denn das Spektakel, das Jahr für Jahr Besucher nach Bremen zieht und zum Image einer bunten, vielfältigen Stadt beiträgt, lebt stark vom außergewöhnlichen persönlichen Engagement der Karnevals-Initiative und ihrer Helfer. Ehrenamtliche leisten professionelle Arbeit, die Samba-Gruppen aus Bremen, dem Umland, verschiedensten Winkeln Deutschlands und weiteren europäischen Ländern treten ohne Gage auf. Selbst Fahrtkosten tragen Künstler allein. Die mit einer Großveranstaltung verbundenen Risiken ohnehin.
Das Bremer Karnevals-Team braucht eine feste Stelle
„Eine Veranstaltung in diesem Rahmen bedarf einer anderen Finanzierung, die beispielsweise die Kosten einer Voll- oder Teilzeitstelle beinhaltet“, heißt es bei der Initiative Bremer Karneval, die als eingetragener Verein organisiert ist. „Es stehen Gespräche mit dem Senat an.“ Nun wird im Mai 2023 in Bremen neu gewählt. Entscheidungen über zukünftige Förderungen dürften danach verlässlicher (aus-)fallen.
Weitermachen wie bisher – oder besser: wie vor der Pandemie – will das Karnevals-Team nicht, das ist schon mal sicher. Und zu dieser Erkenntnis hat ausgerechnet die Pandemie beigetragen, die das Team zum Umdenken gezwungen hatte. Vor dem „Sommer-Karneval“ war auch schon 2021 der gewohnte Februar-Termin („Einheizen“, öffentliche Inszenierung auf dem Marktplatz, Umzug durchs Viertel, Ball im Schlachthof) ausgefallen. Stattdessen hatte es in jenem Jahr im November ein „Lichtertreiben“ rund um das Bremer Rathaus gegeben: „Zwei fantastische Lichternächte voller Poesie.“
2023 tanzt der Bremer Samba-Karneval im April
Mit anderen Worten: an zwei aufeinanderfolgenden Jahren hatte die Initiative den Karneval mit jeweils neuen Konzepten auf die Beine (und Stelzen) gestellt. „Dadurch war der Karneval in diesen beiden Jahren so vielfältig wie bisher noch nie: Mit Samba und anderen Musik-Genres, Maskenspiel, Stelzen-Kunst, Chören, Tanz, Akrobatik, Jonglage, Comedy, Feuerkunst, Kunst-Installationen, verschiedenen Performance-Künstlern, Booten auf dem Wallgraben und atemberaubender Slacklinekunst hoch in der Luft“, so Jaeggi und Schmalen. Und: „Diese neuen Konzepte haben uns so sehr gefallen und bergen ein so starkes kreatives Potenzial, dass wir nicht zum klassischen Karnevals-Konzept zurückkehren möchten.“
Doch eine Absage für 2023 habe sich nicht wie eine „stimmige Option“ angefühlt – und „so planen wir eine kürzere, aber nicht minder spektakuläre Post-Pandemie-Edition“, so die Initiative. Termin: 22. April 2023; Ort des Geschehens wird das Viertel sein – und dort wiederum an verschiedenen Spielorten. „Zudem wird es eine Eröffnungsinszenierung geben und es wird in die Nacht hinein getanzt werden.“ Das Motto werde „Frühlingserwachen“ heißen: „Wir werden uns inhaltlich am Aufwind der blühenden Jahreszeit orientieren.“
Für die Zeit ab 2024 wird dann auf neue finanzielle und organisatorische Strukturen gehofft. „Wir geben so schnell nicht auf“, so Janine Jaeggi zu unserer Zeitung.

