VonThomas Kuzajschließen
Bremen – „Klimafreundlich zur Arbeit“, das ist das Motto auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Pendlerverkehr von und nach Bremen: Pendler sollen ihr Auto stehen lassen und stattdessen auf Bahn, Bus und Rad umsteigen. Dies ist das Ziel einer gemeinsamen Verkehrsplanung, die Bremen mit dem Kommunalverbund und dem Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) vereinbart hat.
Ein „stadtregionales Verkehrskonzept“ soll den Weg weisen. All das war im Mai 2022 angekündigt worden. Jetzt, 16 Monate später, hat es eine gemeinsame Auftakt-Runde in Bremen gegeben. Etwa 40 Teilnehmer aus den Mitgliedsgemeinden des Kommunalverbunds kamen im Haus der Wissenschaft (Sandstraße, Innenstadt) zusammen. Mit von der Partie war auch Bremens neue Bau- und Verkehrssenatorin Özlem Ünsal (SPD). „Beim stadtregionalen Verkehr erkennt man wie bei keinem anderen Thema die Zusammengehörigkeit einer Region“, sagte Ünsal im Haus der Wissenschaft – und stellte fest, dass ein Großteil der Wege zwischen Bremen und dem niedersächsischen Umland nach wie vor mit dem Auto zurückgelegt werde.
Aus diesem Großteil quasi ein „Kleinteil“ zu machen, dazu soll das „stadtregionale Verkehrskonzept“ beitragen, indem es – so Susanne Krebser, Geschäftsführerin des Kommunalverbunds (Sitz: Delmenhorst), „den Schwerpunkt auf den Zug-, Bus- und Radverkehr und die Verknüpfungen untereinander setzt“. Ambitioniert und nicht ganz einfach in Zeiten hoher Energiepreise und bedrohlicher Defizite bei kommunalen Verkehrsunternehmen – die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) zum Beispiel fährt wegen des hohen Krankenstandes seit Monaten nach einem ausgedünnten Notfahrplan. In der BSAG-Bilanz wird für dieses und nächstes Jahr ein Defizit von mehr als 200 Millionen Euro erwartet.
Täglich 130.000 Pendler aus Bremen und nach Bremen
Dennoch – den mehr als 130.000 Pendlern, die täglich in der Region aus und nach Bremen zur Arbeit fahren, sollen „praktikable und klimafreundliche Mobilitätsangebote gemacht werden“, so formuliert der Kommunalverbund das gemeinsame Ziel der Beteiligten. Suse Laue, Syker Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kommunalverbunds, würde – eben – aus der Perspektive einer niedersächsischen Bürgermeisterin eine „Super-Verbindung vom und zum Oberzentrum“ mindestens halbstündlich für alle Kommunen sehr begrüßen. Bei der Arbeit am „stadtregionalen Verkehrskonzept“ sollen in den nächsten Monaten Mobilitätsangebote und -maßnahmen in der Region besser koordiniert und abgestimmt werden.
„Menschen im ländlichen Umland wollen teilhaben an der Verkehrswende“, so Klaus Geschwinder, Teamleiter für Verkehrsentwicklung und -management der Region Hannover, im Haus der Wissenschaft. Und Prof. Dr. Stefanie Bremer, Expertin für integrierte Verkehrsplanung, riet den Zuhörern: „Nehmen Sie die Orte der Arbeit in den Fokus. Pendlerinnen und Pendler wollen nicht zum Bremer Hauptbahnhof.“
Bremen geht gegen das Parken auf Gehwegen vor
In den Quartieren rund um den Bremer Hauptbahnhof – Innenstadt und Viertel, Neustadt und Findorff – sorgt unterdessen das Thema „aufgesetztes Parken“ weiter für Gesprächsstoff. Mit Blick auf das bislang geduldete Parken auf den Gehwegen haben Innen- und Verkehrsressort (inzwischen beide SPD-geführt) nach langen Diskussionen jetzt einen gemeinsamen Weg gefunden.
„Da wir nicht alle Zustände in den oft engen Wohnquartieren auf einmal ändern und neu gestalten können, schichten wir die unterschiedlichen Aufgabenpakete nach Dringlichkeit ab“, so Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). „Oberste Priorität hat für uns ganz klar die Rettungssicherheit. Es muss vermieden werden, dass sich die Feuerwehr bei Alarmfahrten mit ihren großen, schweren Löschfahrzeugen erst Platz verschaffen muss.“ Senatorin Ünsal: „Gemeinsam mit den Beiräten wird der Senat nach fundierten Lösungen suchen, um die Situation in den engen Bestandsquartieren für alle zu verbessern.“
Los geht‘s in 13 „hoch belasteten Wohnstraßen“ im Viertel und im Ortsteil Mitte. Bevor Schilder und Markierungen kommen, werden in einem Zeitrahmen von acht Wochen Anwohner informiert. Auch die Beiräte werden einbezogen. Das Ordnungsamt kontrolliert verstärkt. Falschparker bekommen zunächst eine „Gelbe Karte“, später drohen Bußgelder und Abschlepp-Aktionen. Die Liste der 13 Premieren-Straßen wollte das Innenressort auf Nachfrage nicht nennen. „Wir möchten vorab die Beiräte mit einbeziehen“, so eine Sprecherin am Freitag.

