Erschüttert über Gewalttaten

„Wie meine Kinder“: Tierpflegerin päppelt Welpen von wilden Wölfen auf – und hat Botschaft für Wolfshasser

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Tanja Askani, hier mit Wölfin Anuschka, päppelt hauptberuflich Wölfe auf. Sie kann Wolfshasser nicht verstehen und hat eine klare Botschaft für sie.
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Wölfe sind für Tanja Askani wie ihre Kinder. Sie päppelt Welpen, die in Not geraten sind, hauptberuflich auf. Sie hat eine klare Botschaft für Wolfshasser.

Niedersachsen – „Ich verstehe nicht, wie man eine Tierart derart hassen kann, um so etwas zu tun“, sagt Tanja Askani, Tierpflegerin im Wildtierpark Lüneburger Heide, Niedersachsen, gegenüber kreiszeitung.de. Mit „so etwas“ meint Askani das brutale Vergehen, Wölfen den Kopf und Schwanz abzutrennen, die Kadaver in Mülltüten zu verpacken und einen Kanal zu werfen. Genauso so einen Vorfall gab es kürzlich in der Nähe von Hannover. Der Vorfall erschüttert Askani. „Ich verstehe noch weniger Menschen, die sich darüber freuen, die es lustig oder toll finden, dass ein Wolf solch ein Ende gefunden hat.“ Sie hat seit Jahren eine enge Bindung zum Raubtier Wolf.

Tierpflegerin aus Nordheide päppelt Welpen von Wölfen auf – 1998 fing alles an

Ende Mai 1998 fing alles an, als ein winziges Fellbündel, mehr tot als lebendig, den Weg zu Tanja Askani fand. Eigentlich arbeitete sie zu der Zeit als Falknerin im Wildpark Lüneburger Heide. Das Wolfsmädchen hatte Mutter und Geschwister kurz nach der Geburt verloren. Sie war ganz alleine. „Zusammen mit meiner Jagdhündin schafften wir es, die Kleine am Leben zu erhalten.“ „Flocke“, so nannte Tanja Askani den Welpen, wurde ihre erste Wölfin und schuf die Grundlagen für weitere aus anderen Tierparks, die Hilfe brauchten.

„Anuschka“ war die erste Wölfin aus freie Wildbahn, die Tanja Askani im Wildpark Lüneburger Heide aufpäppelte.

So auch für „Anuschka“: 2019 fanden Spaziergänger in Sachsen einen winselnden Wolfswelpen am Waldrand. Wie „Flocke“ war sie gerade einmal drei Wochen alt, ebenfalls halb verhungert und getrennt von ihrem Rudel. „Die Kleine lief über eine längere Strecke Spaziergängern hinterher, denen das schlechte Aussehen auffiel, denn das Wolfskind war zu dem Zeitpunkt halb verhungert und offenbar schon länger von den Eltern getrennt.“ Zunächst besteht die Hoffnung, sie nach einer gewissen Zeit wieder auszuwildern. Deshalb wird „Anuschka“ in einer Auffangstation in Görlitz ohne menschlichen Kontakt untergebracht. Doch trotz aller Bemühungen ist die Familie des Wolfswelpen nicht auffindbar.

Tierpflegerin aus Nordheide päppelt Welpen von Wölfen auf – und hat Botschaft für Wolfshasser

„Es wurden viele Parks gefragt, ob sie die Kleine aufnehmen könnten, aber nirgends klappte es – bis das Telefon bei uns klingelte“, sagt Tanja Askani gegenüber kreiszeitung.de. Im Wildpark Lüneburger Heide passen alle Voraussetzungen für die Aufnahme: Askani hat Erfahrungen mit der Aufzucht per Hand von Wolfswelpen, ein neues Gehege soll ohnehin gebaut werden und es gab eine Kooperation zwischen dem Park sowie dem Land Niedersachsen für Wölfe, die nicht mehr in die Natur zurückkönnen. „Anuschka“ wird das erste Wolfswelpe, das aus freier Wildbahn stammte und seinen Weg in den Wildpark Lüneburger Heide fand. Die jahrelange Arbeit mit den kleinen und großen Wölfen hat ein enges Band zwischen Tanja Askani und den Raubtieren geknüpft.

Tanja Askani ist hautnah dabei, wenn ihre Wolf-Zöglinge erwachsen werden. Die Tierpflegerin hat eine enge Bindung zu Wölfen.

Askani sagt: „Meine Wölfe sind ein bisschen wie meine Kinder und sie bleiben es, auch wenn sie groß und erwachsen sind.“ Wilde Wölfe seien aus ihrer Sicht ein Element der Natur. „Sie gehören zur Natur und erfüllen dort wichtige Aufgaben.“ Gemeinsam mit ihrem Mann Achim Heisler lebt sie in der Lüneburger Nordheide. Der Rentner ist in die Aufzucht der Tiere involviert und hat sie in sein Herz geschlossen: „Unsere Wölfe im Park sind für mich – wie auch unsere anderen Tiere – Familienmitglieder.“ Seiner Meinung nach sind brutale Vergehen an Wölfen, die an die Öffentlichkeit geraten, nur „die Spitze des Eisbergs“.

Hier können Sie Wölfe hautnah erleben – Informationen zum Wildpark Lüneburger Heide

  • Der Wildpark Lüneburger Heide ist ganzjährig geöffnet
  • Vom 1. März bis zum 31. Oktober öffnet der Wildpark die Toren für seine Besucher zwischen 8:00 und 19:00 Uhr
  • Zwischen dem 1. November und dem 29. Februar hat der Park von 9:30 bis 16:30 Uhr geöffnet
  • Sonderöffnungszeiten gelten am 24. Dezember sowie am 31. Dezember, jeweils von 9:30 bis 15:00 Uhr
  • Erwachsene Zahlen 14 Euro Eintritt, Kinder 12 Euro, Hunde 1 Euro
  • Tickets können auf https://wild-park.de/ erworben werden

„Ich denke gerade auch an den abgelegten Wolfskopf in Leiferde und an die anderen Totfunde von Wölfen im Landkreis Gifhorn in neuester Zeit. Was sonst noch alles passiert bei Nacht und Nebel, weiß niemand, man ahnt aber, dass einiges passiert, was Wölfen nicht guttut, was Wölfe nicht überleben“, sagt er im Interview mit unserer Redaktion. In der Debatte zum Thema Wolf hat das Paar klare Forderungen an die Politik, aber auch an die Gesellschaft.

Wut, Hass, Verzweiflung, Ohnmacht – das sind Emotionen, die viele Tierhalter, deren Weidetiere von einem Wolf verletzt oder getötet wurden, fühlen. Das geht aus unzähligen Interviews unserer Redaktion hervor. Sei es der Schaferhalter, der nach Wolfsangriffen am Deich nicht weiter weiß und seine Tiere abgibt, um sie zu schützen oder die Pferdebesitzerin, deren fünf Pferde von einem Wolf so schlimm zugerichtet worden sind, dass eines in Lebensgefahr schwebte.

Sie päppelt Welpen von Wölfen auf: Tierpflegerin hat Botschaft für Wolfshasser

Achim Heiser sagt: „Ich wünsche mir, dass man hier ein bisschen Ruhe hereinbringt, statt sich immer nur gegenseitig an die Gurgel zu gehen.“ Statt Lösungsstrategien zu entwickeln oder sich überhaupt damit zu beschäftigen, fordern populistische Politiker vermehrte und vereinfachte Wolfsabschüsse und lassen Herdenschutz links liegen, meint Heiser. „Das ist billig, Patronen kosten in der Tat nicht viel. Doch es ist keine Konfliktlösung.“ Dabei sei dies die Aufgabe der Politik: Bedingungen zu schaffen, damit die Rückkehr und die Anwesenheit der Wölfe für Weidetierhalter und deren Nutztiere nicht zum Fiasko wird.

Tierpflegerin Tanja Askani räumt ein: „Ich verstehe sehr gut, wenn jemand traurig und entsetzt und auch wütend ist, wenn er morgens tote Tiere auf der Weide vorfindet. Das lässt niemanden kalt!“ Darauf basierend den Tod aller Wölfe zu fordern, sei „völlig unangemessen“. „Ich meine, man sollte in jedem einzelnen Fall sehr genau hinschauen und sich fragen: Wie konnte das passieren? Was habe ich falsch gemacht, vielleicht übersehen? Wie kann ich verhindern, dass wieder so etwas passiert?“ Sie würde sich mehr Sachlichkeit in der Debatte wünschen, mehr Orientierung an Fakten, statt immerzu vorschnell Meinungen zu äußern.

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