VonThomas Kuzajschließen
Bremen – Bremens Innenstadt gilt als „identitätsstiftend“, sie ist die „Visitenkarte“ der „einzigen Metropole im Nordwesten Deutschlands“. So sieht es die Einzelhandelsvereinigung City-Initiative. Doch die Visitenkarte – um im Bild zu bleiben – hat Risse, Flecken und Knicke bekommen. Mit Blick auf die Bürgerschaftswahl im Mai präsentiert der City-Einzelhandel nun ein Positionspapier mit Vorschlägen und Forderungen zur Verbesserung der Lage in der Bremer Innenstadt.
Sauberkeit, Sicherheit, Verkehr – das sind drei der großen Themen des Papiers, das passagenweise wie ein Hilferuf wirkt und etliche seit Jahren vielfach diskutierte Punkte vereint.
- Stichwort Sauberkeit – um für Kunden attraktiv und als Wirtschaftsstandort stark zu sein, müsse die City „zu einer der saubersten Innenstädte Norddeutschlands“ werden. Denn eine zugemüllte „Visitenkarte“ hinterlässt keinen guten Eindruck. Also: mehr Kontrollen, gründlichere Reinigung und die Etablierung von „Kümmerern“ als Ansprechpartner für alle Beteiligten – so die Bremer City-Initiative.
- In Sachen Tauben-Problematik fordern die Einzelhändler den Erlass eines generellen Fütterungsverbots. Bei Verstößen sollten hohe Bußgelder drohen. Mit Taubenhäusern soll die Stadt die Vögel gezielt verpflegen und Geburtenkontrolle betreiben, fordern die Einzelhändler.
- Passanten merken es jeden Tag: Überall in der Stadt stinkt es nach Urin. Die City-Initiative fordert mehr öffentliche Toiletten.
- Wer – beispielsweise – vom Bahnhof zum Marktplatz geht, wird auf dem Weg in der Regel mehrmals angebettelt. Die Innenstadt-Geschäftsleute plädieren nun dafür, das Betteln zu begrenzen – „Verfolgung und Ahndung von kommerziellem Betteln durch organisierte Gruppen“, „Begrenzung der Anzahl von stationären Bettlern“, „Schaffung klarer Regeln für Bettenlager“.
- Um die Probleme um illegale Müllentsorgung, organisierte Bettelei und auch regelwidriges Radfahren in den Griff zu bekommen, sollten sich Stadtreinigung und Ordnungsdienst intensiver austauschen, so die Geschäftsleute. Was die Sicherheit angeht, müsse der Kontaktpolizist „sichtbarer im Revier sein“.
- Beim Thema Verkehr geht es der City-Initiative um eine bessere Verzahnung der Quartiere für Fußgänger (durch Rundläufe) und eine kontinuierliche Instandhaltung von Radwegen. Mit Blick auf Radfahrer müssten Ordnungsamt und Polizei für eine „konsequente Durchsetzung“ der Verkehrsregeln sorgen – Rad-Rowdys sollen nicht mehr freie Bahn haben. Die Fahrt mit dem Auto in die Bremer Innenstadt müsse auch in Zukunft „komfortabel und einfach möglich sein“. Denn: „Dies ist besonders für Touristen und Umlandbesucher hochrelevant.“ Es gelte, in öffentlichen Parkhäusern „innerhalb des Altstadtrings“ 2.200 Plätze zu erhalten; dazu 2.000 Plätze in einem 250-Meter-Radius außerhalb des Rings. Die Bürgermeister-Smidt-Straße müsse „in der heutigen verkehrlichen Leistungsfähigkeit“ erhalten bleiben.
„Der Masterplan muss kommen“
Verkehr, Bau und Stadtentwicklung müssten in ein integratives Konzept einfließen, das die City-Initiative als „übergeordnetes Ziel“ betrachtet. „Der Masterplan Innenstadt muss kommen“, so formuliert es Carolin Reuther, Geschäftsführerin der City-Initiative, im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Positionspapier werde nun an die stadtentwicklungs- und verkehrspolitischen Sprecher der Parteien verschickt; außerdem an die Spitzenkandidaten. In das Papier seien die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung eingeflossen. Und: „Wir schauen auch in andere Städte, wie man dort aufgestellt ist.“ Ebenfalls eingeflossen seien die Ergebnisse einer Befragung von Kunden aus Bremen – und dem Umland.

