Rechtsextremismus

AfD in Hessen unterstützt Pläne für neue Parteijugend – Experte: Rein strategische Motive

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Die „Junge Alternative“, hier 2021 beim Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern, soll aufgelöst werden.
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Der AfD-Bundesvorstand will die „Junge Alternative“ durch eine neue Nachwuchsorganisation ersetzen. In Hessen stößt das auf Zustimmung.

Wiesbaden – Auf X sind die „Jungen Patrioten Hessen“ bereits aktiv. Zumindest wurde am Mittwochabend ein Account dieses Namens in dem sozialen Netzwerk gestartet, das dem rechten Tech-Milliardär Elon Musk gehört und früher Twitter hieß. Allerdings scheint die Absicht des Kanals eher zu sein, beißenden Spott von Rechtsaußen über den „Jungen Patrioten“ auszukippen. „Wir wollen doch nur, dass schwule Pärchen ihre Marihuana-Plantage mit Schusswaffen verteidigen können“, heißt es da etwa in satirischem Tonfall.

„Junge Patrioten“ (JP), so soll laut Medienberichten die neue Jugendorganisation der in Teilen rechtsextremen AfD heißen. Der bisherige Nachwuchsverband „Junge Alternative“ (JA), als Verein organisiert und daher relativ unabhängig, soll aufgelöst werden.

Die Jugend soll enger an die AfD gebunden werden

Alle Parteimitglieder zwischen 16 und 35 Jahren sollen automatisch den JP angehören. Diese wären damit wesentlich enger an die Mutterpartei gebunden als die JA, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz schon länger als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.

Im Januar soll ein AfD-Parteitag im sächsischen Riesa die Neuordnung mit Zweidrittel-Mehrheit beschließen. Dass es offenbar bereits Rechtsextreme gibt, die sich mit Fake-Profilen über die aus ihrer Sicht weichgespülten JP lustig machen, deutet an, dass diese Abstimmung kein Selbstläufer wird.

Zustimmung von der Spitze der Hessen-AfD

In Hessen steht die AfD dagegen hinter dem Plan des Bundesvorstands, einen neuen Jugendverband aufzubauen. „Durch die Neustrukturierung ist eine engere Zusammenarbeit und Anbindung an die Partei gewährleistet, was für beide Seiten von Vorteil ist“, teilte Co-Landessprecher Andreas Lichert der Frankfurter Rundschau auf Nachfrage mit.

Eine solche Umstrukturierung sei schon seit Jahren im Gespräch, sagte Lichert. Es gehe dabei nicht um die Einstufung des Verfassungsschutzes, sondern nur darum, „dass die Partei mehr Einfluss auf die Jugendorganisation nehmen kann“.

Abgeordnete führen die „Junge Alternative“

Diesen Einfluss der AfD auf die JA gibt es in Hessen sowieso: Seit Juni wird die JA Hessen, die stets durch Nähe zur extremen Rechten und zur völkischen „Identitären Bewegung“ (IB) aufgefallen ist, von AfD-Landtagsabgeordneten angeführt. Landessprecher ist der AfD-Abgeordnete Jochen Roos, Schatzmeister sein Fraktionskollege Pascal Schleich. Co-Sprecher war bis September Maximilian Müger, der aber wegen eines bizarren Internet-Videos mit einem Sturmgewehr unter Druck geraten war und die AfD verlassen musste.

Jochen Roos teilte der FR mit, die hessische JA und er als Sprecher stünden „zu 100 Prozent hinter dem Beschluss des Bundesvorstandes“. Die geplante Umstrukturierung böte etwa den Vorteil, dass die neue Jugendorganisation finanziell besser ausgestattet werden könnte. Die AfD brauche zudem einen Jugendverband, „der nicht Gefahr läuft, jederzeit über das Vereinsrecht verboten zu werden“.

Experte sieht rein strategische Motive

Sascha Schmidt, Leiter der Fachabteilung „Extreme Rechte“ beim DGB Hessen-Thüringen, sagte der FR, die Gründung eines neuen AfD-Jugendverbands sei rein strategisch motiviert.

Die JA Hessen habe stets mit rechtsextremen Kreisen und dem aufgelösten völkischen „Flügel“ in der AfD sympathisiert, und dies „unter den wohlwollenden Augen führender Mitglieder der AfD Hessen“. Durch eine neue Jugendorganisation sei „keinerlei Begrenzung der Radikalität“ zu erwarten, betonte Schmidt. (Hanning Voigts)

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