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Drei hessische AfD-Abgeordnete bilden seit kurzem die neue Landesspitze der rechtsextremen Nachwuchs-Organisation „Junge Alternative“.
Wiesbaden – Die „Junge Alternative“ (JA), die rechtsextreme Jugendorganisation der hessischen AfD, wird ab sofort von drei Abgeordneten des Hessischen Landtags angeführt. Wie die JA der Frankfurter Rundschau auf Anfrage bestätigte, wurde der AfD-Abgeordnete Jochen Roos bei einem JA-Landeskongress am vergangenen Wochenende zum Landessprecher der Organisation gewählt. Als sein Stellvertreter wurde Maximilian Müger bestimmt, ebenfalls AfD-Abgeordneter im Landtag.
Der neue JA-Schatzmeister ist demnach der hessische AfD-Parlamentarier Pascal Schleich. Der bisherige Vizevorsitzende Dominik Asch, der wegen seiner Aktivitäten in der JA aus der Feuerwehr in Schöneck ausgeschlossen werden soll, gehört dem Vorstand nicht mehr an. Über den neuen JA-Landesvorstand hatte zuerst der „Hessische Rundfunk“ berichtet.
Hessische JA seit 2019 im Visier des Verfassungsschutzes
Die hessische JA, die formal vom AfD-Landesverband unabhängig ist und etwa 50 Mitglieder hat, wird vom hessischen Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) seit Anfang 2019 als rechtsextreme Organisation beobachtet. Die JA versteht sich als „patriotisch“, fällt aber seit Jahren mit völkischer Rhetorik, Kontakten in die sogenannte Neue Rechte und zur rechtsextremen „Identitären Bewegung“ auf. Mitglieder der JA waren mehrfach an Protesten gegen die Corona-Maßnahmen beteiligt.
Als klar rechtsextreme Vorfeldorganisation war die JA in den vergangenen Jahren immer wieder zum Problem für die hessische AfD geworden, die um ein bürgerlich-konservatives Image bemüht ist. Seit der Landtagswahl im vergangenen Oktober, bei der die AfD 18,4 Prozent der Stimmen erhielt und die Zahl ihrer Mandate auf 27 erhöhen konnte, wurde von den übrigen Fraktionen im Landtag mehrfach thematisiert, dass vier der neuen AfD-Abgeordneten eine JA-Vergangenheit haben, darunter auch Roos, Müger und Schleich.
Die AfD sucht ihr Heil in der Flucht nach vorne
Anstatt die Distanz zur JA zu wahren oder auszubauen, tritt die AfD nun offenbar die Flucht nach vorn an. Der hessische Partei- und Fraktionschef Robert Lambrou sagte der FR, es sei von Vorteil, wenn die JA in Hessen von Leuten geführt werde, die Parteimitglieder und im Landtag vertreten seien. Es gehe darum, die Kommunikation zu verbessern und die JA in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.
Gleichzeitig soll die Jugendorganisation, die laut Lambrou in den vergangenen Jahren nicht im Mittelpunkt gestanden habe, ausgebaut werden und eine größere Rolle spielen. Die Kritik, dass die rechtsextreme JA nun von mehreren Landtagsabgeordneten angeführt wird, wies Lambrou zurück: Die Einstufung sei falsch, weshalb die JA auch juristisch dagegen vorgehe.
Die Junger Alternative in Hessen will wachsen
Der neue JA-Vorsitzende Jochen Roos kritisierte die Einstufung durch den Verfassungsschutz gegenüber der FR ebenfalls und ließ durchblicken, dass er die JA vergrößern will. Roos sprach von mehr Präsenz und dem Aufbau von Strukturen auf Kreis- und Bezirksebene.
Gegen Roos und seinen JA-Vorstandskollegen Maximilian Müger läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Sie hatten den politischen Aschermittwoch der AfD in Rödermark organisiert beziehungsweise moderiert, bei dem ein Redner „millionenfache Remigration“ gefordert hatte. Roos sagte dazu, er sehe dem Ausgang des Verfahrens gelassen entgegen. (Gregor Haschnik und Hanning Voigts)
FR-Redakteur Hanning Voigts erörtert in einem Kommentar, warum die AfD erneut beweist, dass sie sich nicht von der extremen Rechten abgrenzt.

