VonSteven Mickschschließen
Der BUND Frankfurt befürchtet, dass der Bau der Halle am Waldstadion das Grundwasser gefährdet. Die Stadt solle stattdessen den Umbau der Festhalle prüfen.
Frankfurt - Der Frankfurter Kreisverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sich am Mittwoch gegen die Realisierung der Multifunktionshalle am Waldstadion positioniert. Laut Pressemitteilung sei das Bauvorhaben eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung der Stadt.
Die Stadt solle stattdessen über den Vorschlag des großen Konzertveranstalters Marek Lieberberg nachdenken, der im Dezember in der FAZ angeregt hatte, die Festhalle zur Multifunktionshalle umzubauen. Dort seien Parkplätze vorhanden, und die Anbindung an den Nahverkehr sei nahezu optimal.
BUND positioniert sich gegen Multifunktionsarena in Frankfurt
Der Korpus der Festhalle stehe zwar unter Denkmalschutz und müsse erhalten bleiben, aber der Gesamtkomplex sei nicht unantastbar, so Lieberberg. Innen würde man wohl die Balkone abreißen und durch steile Tribünen ersetzen. „Ich würde gerne mal prüfen lassen, was möglich wäre. Auch eine solche Prüfung wurde noch nie vorgenommen“, wird Lieberberg in der FAZ zitiert.
Der BUND fände so eine Prüfung auch nicht verkehrt, weil die Multifunktionshalle am Stadion bisher nicht bedachte Auswirkungen habe. So läge die Halle „in der Schutzzone III A des Schutzgebiets der Wasserwerke Goldstein und Oberschweinsteige“ und sei auch nur etwa 400 Meter vom nächsten Trinkwasserbrunnen entfernt. „Gemäß Schutzgebietsverordnung für die Stadtwaldwasserwerke sind Bohrungen, Erdaufschlüsse und sonstige Bodeneingriffe mit wesentlicher Minderung der Grundwasserüberdeckung verboten.“ Der BUND vermutet, dass der Hallenbau „einen gravierenden Eingriff in das Grundwasser“ erfordere. Der Grundwasserspiegel liege vor Ort bei 7,5 bis zehn Meter unter der Oberfläche.
Mehr Verkehrschaos rund ums Waldstadion befürchtet
Befürchtet werden Aufstauungen und eine Sperrwirkung von Gebäudeteilen sowie das Einbringen von Schadstoffen während der Bauarbeiten und des Betriebs der Halle. In der Folge müssten die genannten Wasserwerke wahrscheinlich ihre Fördermenge senken. Dies würde das Umland, welches 75 Prozent des Trinkwasserbedarfs decke, zusätzlich belasten.
Zeit für eine Entscheidung
Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Politik sollte jetzt über den Bau einer Halle am Stadion entscheiden. Ein Kommentar.
Der BUND glaubt zudem, dass die Parkplatzsituation bei gleichzeitigen Veranstaltungen im Waldstadion und in der Multifunktionshalle ausarte und den nahen Stadtteil Niederrad noch mehr belasten würde als momentan bei Events nur im Stadion. Die Organisation fordert deswegen ein Mobilitätskonzept, das aufzeigt, wie der Verkehr regelbar wird, wenn gleichzeitige Veranstaltungen stattfänden. (Steven Micksch)
Rubriklistenbild: © ROLF OESER

